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Frei leben! Die Frauen der Bohème 1890 – 1920 Führungen durch die aktuelle Ausstellung in der Monacensia im Januar, jew. sonntags, um 14 Uhr, am 15./22./29. Januar; dazu einige Betrachtungen

Würden sie heute leben, hätte ich ihnen längst eine Kontaktanfrage via Facebook geschickt, so sehr fasziniert und inspiriert mich ihr Leben und Wirken, das der Margarete Beutler, Emmy Hennings – und ganz besonders der Franziska zu Reventlow, deren Nachlass sich heute in der Monacensia befindet, dem literarischen Gedächtnis der LH München. Zu Reventlow empfinde ich eine besondere Nähe, mit mehr als nur dem Lago Maggiore und einem drastischen Exit aus hochbürgerlichen Familienverhältnissen als gemeinsamen biografischen Nenner <

Daher haben ihr die Schriftstellerin Gunna Wendt und ich 2018, zum 100sten Todestag ein Historical gewidmet – und in der Monacensia uraufgeführt – auf Grundlage von Gunna Wendts Reventlow-Biografie „Franziska zu Reventlow – Die anmutige Rebellin„. Die Anziehungskraft, die die Münchner Bohème um 1900 auf Künstlerinnen wie sie ausübte – und bis in die Gegenwart auf KünstlerInnen ausstrahlt, sowie die Hintergründe dazu, schildert Wendt anschaulich in einem Gastbeitrag >

Frauen wie Franziska zu Reventlow, Margarete Beutler, Emmy Hennings waren DIE Pionierinnen des weiblichen Kunst- und Kulturschaffens in der wohl größten Blütezeit Münchens und eröffneten sich jene Möglichkeiten, von denen wir Frauen im Kunst- und Kultursektor bis heute profitieren. Sie wagten es, Lebens- und Schaffensfreiheit für sich – und damit auch für uns Nachgeborene – einzufordern, in einer Zeit, als „böse Mädchen noch längst nicht überall hin kamen, sondern schlimmstenfalls in die Hölle einer Nervenheilanstalt„.

Diesen Frauen ist die aktuelle Ausstellung in der Monacensia gewidmet, die bereits im vergangenen Sommer startete und auf Grund des nicht endenden Interesses noch immer besteht:

Frei leben! Die Frauen der Boheme 1890-1920

Um 1900 ziehen von überallher junge Frauen nach München und wagen dort ein freies Leben als Künstlerinnen oder Schriftstellerinnen. Dafür nehmen sie ein hohes Risiko und prekäre Lebensumstände in Kauf. Zu diesen Frauen gehören: Franziska zu Reventlow, Margarete Beutler und Emmy Hennings. Sie stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Das Aufbegehren gegen gesellschaftliche Schranken und bürgerliche Moral zeigt sich in ihren Lebensentwürfen und Texten. Freiere Formen des Zusammenlebens, Selbstbestimmung über den eigenen Körper und über ihre Sexualität sind ebenso zentrale Themen wie Unabhängigkeit, „freie Mutterschaft“ und Prostitution. Sie sind Kapitel ihres Lebens genauso wie Motive ihrer Werke. Als Künstlerinnen fordern sie öffentliche Aufmerksamkeit ein und prägen die Subkultur der Boheme zwischen München, Berlin und Zürich.

Gezeigt werden zahlreiche biografische Dokumente, Manuskripte, Tagebücher, Briefe und Fotografien aus verschiedenen Archiven sowie aus Privatbesitz. Einen Kernbestand bildet der Nachlass von Franziska zu Reventlow, der sich in der Monacensia befindet. Erstmals gezeigt werden Dokumente von Margarete Beutler aus dem privaten Familienarchiv. Jedoch bilden sich die wenigsten der Schriftstellerinnenbiografien in vollständigen Nachlässen ab.



Videobeiträge der Münchner Kammerspiele und aktuelle literarische Positionen zum Beispiel von Jovana Reisinger, Florian Kreier, Mareike Fallwickl und Gün Tank fügen in der Ausstellung und im digitalen Magazin eine heutige Perspektive hinzu. „Frei leben!“ wird digital begleitet durch das Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel und das Literaturhaus Berlin sowie durch viele weitere Kooperationspartner*innen.

Veranstaltungstext der Monacensia zur Ausstellung
Ein Blick auf die Ausstellung, in der mich nicht zuletzt die Zitate der „Vorvor-Kolleginnen“ fasziniert haben:
Klar, mutig und die Gegebenheiten des Lebens auf eine Art sezierend, die mich immer wieder zum Innehalten und Nachdenken anregten …

„Ich will und muss einmal frei werden; es liegt nun einmal tief in meiner Natur, dieses maßlose Streben, Sehnen nach Freiheit …“

Zitat: Franziska zu Reventlow
Bildcollage von Gaby dos Santos aus dem Historical „Franziska zu Reventlow“

Auch in diesem Jahr werden Führungen zur Ausstellung angeboten:

In Kooperation mit der Monacensia bietet die Münchner Volkshochschule öffentliche Führungen durch die Ausstellung Frei leben! Die Frauen der Boheme 1890-1920 an:

Immer am Sonntag um 14 Uhr, im Januar am 
15.22.29.01.2023.

Eine Anmeldung über die Münchner Volkshochschule ist erforderlich.

Ebenfalls Gelegenheit für einen Besuch der Ausstellung bieten unsere Abendöffnungen: An Donnerstagen sind die Ausstellungen der Monacensia regulär bis 22 Uhr geöffnet.
Wer mag, bleibt anschließend noch auf ein Glas in der Cafébar Mona, die ebenfalls lang geöffnet ist.


­5 Euro pro Person / Anmeldung über die MVHS­
­Mehr Info
Aus dem Januar-Newsletter der MONACENSIA


Titelmotiv:
Die Collage von Gaby dos Santos zeigt die grüne Eingangstür zum Reich der Monacensia sowie Franziska zu Reventlow, Margarete Beutler und Emmy Hennings, die Protagonistinnen der Ausstellung „Frei leben!“

Weitere Beiträge zur Monacensia im Hildebrandhaus

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Endgültiges AUS für die von Gaby dos Santos im März 1999 gegründete Kulturplattform jourfixe-münchen!

AUS und VORBEI für die Kulturplattform jourfixe-muenchen nach über zwanzig ereignisreichen Jahren, in denen sie die Münchner Kunst- und Kulturszene mitgeprägt und für die eine oder andere Schlagzeile gesorgt hat! Unvergessen dabei die legendär verrückten Zeit in Wolfi Kornemanns Nachtcafé!!, als „Graffiti Sprayer sich Schlägereien mit den Türstehern lieferten, Miki Theodorakis Bouzouki-Solist musikalische Akzente setzte, Oscar-Preisträgerin Caroline Link die Aufführung eines Tanz-Theater-Projekt für Hörende und Gehörlose eröffnete, die Münchner Rock’n Roll Ikone Richard Rigan splitternackt eine Champagnerflasche zum Feigenblatt umfunktionierte und La Femme sich zwischen Minne und Trieb“ räkelte – all dies und vieles mehr, um jene kreative Reibung zu erzeugen, die neue künstlerische Impulse setzt …

Momentaufnahmen der Kulturplattform jourfixe-muenchen von der Gründung 1999 bis zum Ausscheiden von Gaby dos Santos 2020
> LINK

„Alles hat seine Zeit …“ heißt es so treffend in der Bibel – und ich denke, die Kulturplattform jourfixe-muenchen hatte ihre Zeit, als der Kulturbetrieb noch recht konservativ daherkam, häufig mehr einem seriösen Image verpflichtet, als innovativen künstlerischen und kulturpolitischen Visionen. Doch ohne Letztere, kombiniert mit entsprechendem Mut zum Risiko, ist eine lebendige Kunst- und Kulturszene auf Dauer nicht möglich. Diesbezüglich hat sich unendlich viel von dem zum Positiven verändert, was mir vor zwanzig Jahren oft genug als „meine ureigensten Windmühlen“ erschien … 😦

Dass ich lediglich eigene Konzepte verfolgt und anderweitig Prioritäten gesetzt habe, als viele meiner Kolleginnen und Kollegen, wurde damals häufig weder verstanden noch respektiert. Daher machte zu jener Zeit die Gründung eines eigenen künstlerischen Biotops, innerhalb dessen ich mit Gleichgesinnten Projekte realisieren konnte, absolut Sinn.

  • Diversität
  • Experimentierfreude
    jenseits verkopfter Avantgarde-Attitüden
  • Inklusion
  • Kultur für Alle
  • mehr Durchlässigkeit zwischen Sub- und Hochkultur
  • Gleichberechtigung aller Kunststile
    egal ob Comic-Kunst, Literatur, Breakdance oder klassisches Ballett

Fast gebetsmühlenartig habe ich obige Stichworte propagiert und schließlich, im Rahmen meiner Möglichkeiten, bei jourfixe-Veranstaltungen und in eigenen Produktionen, in Kooperation mit gleichgesinnten Vereinsmitgliedern umgesetzt.

Collage, die einige der jourfixe-Mitglieder aus unterschiedlichsten Kunst- und Kulturbereichen abbildet
Mit vielen stehe ich bis heute in Kontakt/Kooperation > PEOPLE

Heute jedoch stellt sich mir der Kunst- und Kulturbetrieb ganz anders dar: Eine neue Generation hat längst die Szene übernommen und viele jener Anliegen verwirklicht, von denen ich damals nur träumen konnte. Überall entstehen neue Foren für Kunst- und Kulturschaffende, die wiederum zunehmend verstehen, dass es darauf ankommt, sich den Rahmen zur künstlerischen Selbstverwirklichung selbst zu schaffen, u.a. durch kulturpolitisches Engagement und das im Schulterschluss, wie es im Bereich „Theater“ beispielsweise das Netzwerk Freie Szene München mit guten Ergebnissen seit Jahren praktiziert. Die Losung „Gemeinsam sind wir stark!“ gilt für den Kunst- und Kulturbetrieb ebenso, wie für alle anderen Branchen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass uns andere das Bett machen, in dem wir liegen möchten, bleibt gering. Erst recht in der Kreativbranche!

V.li: Naomi IsaacsChrista ZochArno BaumGaby dos SantosEva GieselKatrin NeoralSven HussockPhilipp Ernst, Stephanie Bachhuber, Jon Michael Winkler. Vorne Raoul Koether bei der jourfixe-Mitgliederversammlung am 8.9.2021 > MEHR

Diesen Weg hatte auch die Kulturplattform jourfixe-muenchen in den letzten Jahren verstärkt eingeschlagen, nur ist leider sind viele ToDo’s am Vorstand hängen geblieben, zu viele für einen Verein aus Kunst- und Kulturschaffenden, die von Haus aus einem sehr eng getakteten Zeitplan anhängen.

Nun gab Schauspieler Sven Hussock, der amtierende Erste Vorsitzende des jourfixe-muenchen das endgültige AUS der von mir 1999 gegründeten Kulturplattform bekannt. In einem vorhergehenden Telefonat hatte er mich informiert – und auch ich keine Möglichkeiten einer Fortführung des jourfixe mehr gesehen:

Zu sehr habe ich mich, nach meinem Ausscheiden im Herbst 2020 umorientiert, meine speziellen Themenfelder für > Blogbeiträge und > eigene Produktionen (Historicals) neu definiert. Dito mein langjähriger jourfixe-Partner und Erster Vorsitzender Jon Michael Winkler, der sich inzwischen schwerpunktmäßig der fernöstlichen Heilkunde des Jin Shin Jyutsu widmet..

Früher stemmten wir gemeinschaftlich den Bühnenstress, inzwischen hilft Jon mir beim Entspannen

> Von der Bühne zum Jin Shin Jyutsu
Ein neues Kapitel im Leben von Jon Michael Winkler,
dem die Bretter nicht mehr die Welt bedeuten …


Via Email teilte Sven Hussock, von 2020 bis Ende 2022 jourfixe-Vorsitzender, jetzt mit:

Liebe Mitglieder, liebe Künstlerinnen und Künstler, liebe Kulturschaffende,
ich hoffe, ihr hattet schöne Feiertage.

Leider muss ich in diesem letzten Mitgliederbrief das Einstellen der Arbeit des Vereins zum 31.12.2022 bekannt geben.
Wir haben uns in den letzten zwei Jahren insbesondere um kulturpolitische Themen sowie Netzwerkarbeit innerhalb Münchens bemüht. Dies ist teilweise gelungen, aber nicht in dem Umfang wie wir es uns gewünscht hätten.
Das hat verschiedene Gründe: Einer davon ist natürlich unsere ehrenamtlichen Kapazitäten, die oft nicht ausreichen, um die eigenen gesteckten Ziele zu verfolgen. So wurden wir unserem eigenen Anspruch nicht gerecht und das wollen wir nicht. Wir möchten uns insbesondere bei Robert Landinger bedanken, der unsere Homepage erstellte und
pflegte, sowie Katrin Neoral, die durch ihr großes kulturpolitisches Engagement stets kompetente Ansprechpartnerin ist und war.

Außerdem nochmal ein Danke an Gaby dos Santos und ihre Mitstreiter:innen, die den Verein gegründet und zu einer ganz persönlichen Kulturplattform gemacht haben, die in ganz München Mitglieder und Interessierte fand.

Trotz des Einstellens der Arbeit des Vereins werden wir uns sicher bei vielen Gelegenheiten wieder sehen und weiterhin für Kultur in München arbeiten und kämpfen.

29.12.2022, Sven Hussock, Erster Vorsitzender der Kulturplattform jourfixe-muenchen, 2020 – 2022


Der palästinensische Filmemacher und Universitätsdozent Mohammed Alatar möchte seine Landsleute filmisch über den HOLOCAUST aufklären

Mohammed Alatar musste in die USA gehen, um zum ersten Mal vom Holocaust zu hören.“ heißt es in einem hörens- und lesenswerten Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur von Judith Hoppe > Das Tabuthema Holocaust, 20.12.2022, über den palästinensischen Filmemacher und Universitätsdozenten.

28 Jahre alt war der damalige Politikstudent, als er zum ersten Mal von den Ghettos, Konzentrationslagern und Gaskammern erfuhr. In Gesprächen mit amerikanischen Juden, die zu seinen Freunden wurden und einigen Holocaustüberlebenden kam er dem Ausmaß des Grauens immer näher.

Deutschlandfunk Kultur, , 20.12.2022, Judith Hoppe > Das Tabuthema Holocaust

Um nun auch seine Landsleuten über den „Holocaust aufzuklären, plant er einen Dokumentarfilm über die Wahrnehmung und den Umgang mit dem Holocaust in der arabischen Welt, für den es ihm jedoch bislang an Unterstützung mangelt:

Es ist schwer, für einen so heiklen Film, zumal von einem palästinensischen Filmemacher, internationale Fördergelder zu finden.

Mohammed Alatar, palästinensischer Universitätsdozent und Filmemacher

Doch nicht nur die Finanzierung stellt eine Herausforderung für den palästinensischen Kreativen dar, sondern auch die Suche nach einer stimmigen Ausdrucksform in einem Land, in der die Nakba der Palästinenser als Thema omnipräsent ist, der Holocaust hingegen unbekannt und sich zudem rechtsradikale Publikationen wie Hitlers „Mein Kampf“ großer Beliebtheit erfreuen. Diese Entwicklung bildet auch den Ausgangspunkt für Judith Hoppes Beitrag Das Tabuthema Holocaust:

In einem Bücherregal in einem Laden in Ramallah sind Bücher mit Hakenkreuz und Nazi-Propaganda zu sehen.
Nazi-Propaganda und Hitlers „Mein Kampf“ sind in vielen Buchläden in Ramallah erhältlich, Literatur über den Holocaust nicht. Titelbild des Beitrags Das Tabuthema Holocaust © Judith Poppe

Bücher über den Holocaust gibt es in Palästina kaum. Wer über ihn informieren möchte, gilt schnell als einer, der die israelische Besatzung normalisiert, und muss sich auf Todesdrohungen einstellen. Einige Intellektuelle versuchen es trotzdem. (…)“

Deutschlandfunk Kultur, , 20.12.2022, Judith Hoppe > Das Tabuthema Holocaust

Aktivistinnen und Aktivisten, wie eben Mohammed Alatar: Der Sechzigjährige öffnet ein Word-Dokument: Der Holocaust und die arabische Welt – Exposé zur Entwicklung eines Dokumentarfilms. Er sagt:

„Meine Hoffnung ist, dass ich mit diesem Film ein kleines Fenster öffnen kann, für beide Seiten, das uns erlaubt, ein bisschen tiefer in die Psyche des anderen zu sehen.“

Mohammed Alatar,

… und meine Hoffnung ist, dass dieser Film – und möglichst viele ähnliche Projekte – realisiert werden möge, denn gegenseitiges Verstehen bildet die Grundvoraussetzung für friedliche Koexistenz. Gerade auch im Fall von Juden und Palästinensern, denn spätestens mit dem Sykes-Picot Abkommen von 1916 wurden die Weichen für ein kolossales Unrecht an beiden Völkern gestellt, das mit dem Holocaust seinen schrecklichen Fortlauf nahm und in den heutigen Konflikt zwischen beiden mündete.


Die Titelcollage von Gaby dos Santos beruht auf einem Foto von Judith Hoppe für ihren Beitrag für DLF Kultur Das Tabuthema Holocaust, 20.12.2022 . Es zeigt den palästinensischen Universitätsdozenten und Filmemacher Mohammed Alatar,

Weitere Beiträge zum Thema (interkultureller) Dialog im GdS-Blog:

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Der Weihnachtsfrieden von 1915

Wenige historisch überlieferte Begebenheiten dokumentieren die grausame Sinnlosigkeit des Krieges besser als der sogenannte Weihnachtsfriede von 1914, der auf das spontane Betreiben der Soldaten selbst hin, dazu führte, dass am Weihnachtsmorgen die Waffen auf beiden Seiten der Front ruhten, und man einander einige magische Stunden lang, wieder von Mensch zu Mensch und Christ zu Christ begegnete …

Bei obigem kurzen Hörspiel handelt es sich um ein Soundfragment aus dem Historical von 2014, „Mit Gott im Ersten Weltkrieg“, das Jon Michael Winkler und ich für die Erzdiözese München Freising und, in erweiterter Form, danach für eine Tagung an der Evangelischen Akademie in Tutzing produziert haben >



80 Jahre später, RealTschawo: Deutscher Sinto Rap (Musik-Clip) als anrührendes Echo auf den Befehl Heinrich Himmlers vom 16.12.1942 zur Deportation aller Sinti & Roma, Jenischen & Reisenden

Heute vor genau 80 Jahren, am 16. Dezember 1942, erging seitens Heinrich Himmler, damals Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, der Befehl zur Deportation aller Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden (Schaustellern) in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau, was deren fast vollständige Vernichtung in einem Zeitraum von knapp anderthalb Jahren nach sich zog.

Der deutsche Sinto Rapper RealTschawo in seinem Song
Deutscher Sinto Part 3:

(…) „Der Antiziganismus ist immer noch gegenwärtig

– doch ich höre zu, kläre auf …

und ich habe nie verborgen,
wer ich bin und wo ich herkomme“ (…)

RealTschawo in seinem Song Deutscher Sinto Part 3; mehr auf > Youtube

Viel Entschlossenheit und eine Prise Trotz schwingen in RealTschawos Darbietung mit, die mich, als Teil der sogenannten „Mehrheitsgesellschaft“ beschämen. Warum spielen Herkunft und Ethnie denn heute noch immer eine Rolle? Vermutlich weil immer noch viel zu viel Unwissenheit bezüglich der unter uns lebenden Minderheiten herrscht. Dagegen helfen nur Dialog und Informationen.

RealTschawo äußert in seinem Song zu Recht, dass er zuhört, aufklärt. Er äußert es in der schnörkellos direkten Sprache eines Rappers, die – aufwühlend auf den Punkt – das unermessliche Leid rekapituliert, das „seine Menschen“ (eine Ausdrucksweise der Sinti für einander) in der NS-Zeit erleiden mussten und zeigt den Rassismus auf, dem sie bis heute ausgesetzt sind. Zwar hat sich gesellschaftlich und politisch Vieles zum Besseren entwickelt – aber eben noch nicht ganz zum Guten …

Daran erinnert an diesem historischen Jahrestag nachstehend RealTschawos zutiefst menschlicher Song, verfasst in der musikalischen Ausdrucksweise der jungen Generation. Letzteres empfinde ich als besonders inspirierend!

Einen wunderschönen guten Tag liebe Freunde und Supporter. Mit dem heutigen Tag releast der deutsche Sinto und Koblenzer Rapper RealTschawo sein neues Video „Deutscher Sinto Part 3″ der letzte Teil der Trilogie, in dem der selbst aus einer Sinti-Familie stammende Rapper die Geschichte seines Volkes erzählt. Eine Geschichte voller Kummer, Leid, Tränen, Sorgen und Angst, die den Sinti und Roma im Zweiten Weltkrieg widerfahren ist.“ (…)

RealTschawo, Deutscher Sinto Part 3, mehr auf > Youtube

RealTschawo auf BR.de/RESPEKT >
Verfolgt und verachtet – Rassismus gegen Sinti und Roma?
> LINK

RealTschawo (Musiker): | Bild: BR

„Dass wir alle miteinander können. Dass wir in Frieden, Liebe und Harmonie miteinander leben können, nicht immer das Negative sehen. Und dass wir es irgendwann mal schaffen, in der Gesellschaft voll integriert und auch anerkannt zu sein.“


www.realtschawo.de


Mit dem Schauspieler und Mediator Alexander Adler bei Madhouse München

Auf RealTschawo aufmerksam geworden bin ich durch den Schauspieler und Mediator Alexander Adler. Ich erzählte ihm, dass ich auf der Suche nach etwas Besonderem sei, das ich zum 80. Jahrestag des > Himmler-Deportationsbefehls posten wollte. Er erwähnte daraufhin den Sinto Rapper …

Alsbald landete ich auf dessen > Facebook-Seite, spielte seine Songs an und – BINGO! – schickte ihm daraufhin umgehend eine Kontaktanfrage, die er ebenso umgehend annahm. Seitdem waren wir bereits mehrfach telefonisch in Kontakt – und ich habe für mich, mit Realtschawo/Deutscher Sinto Part 1 bis 3, eine stimmige Möglichkeit gefunden, diesen an sich fatalen Himmler-Jahrestag mit einem dicken fetten Silberstrahl am akustischen Horizont zu begehen 🙂


Der Deportationsbefehl Himmlers vom 16. Dezember 1942 
> LINK zur Dokumentationsseite des Zentralrats deutscher Sinti und Roma


Sinti & Roma, Jenische und Reisende (Schausteller)
> LINK zur Übersichtsseite im GdS-Blog von Gaby dos Santos


WEITERE BEITRÄGE ZU „Sinti & Roma, Jenische & Reisende (Schausteller)

„Endstation Auschwitz ..!“ Die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden, ausgehend…

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„Endstation Auschwitz ..!“ Die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden, ausgehend von München, nachempfunden in einem zweiteiligen Historical aus Bildern, Texten und Musiken; Historische und persönliche Hintergründe sowie Projektdarstellung

8.3.1943 – 13.3.1943 … Hinter diesen mageren historischen Zahlen verbirgt sich ein kollektives Drama, das mitten in München seinen Lauf nahm und doch bis heute der Allgemeinheit wenig bekannt ist. Fünf lange Tage wurden im Polizeipräsidium in der Ettstrasse 2, damals auch „Münchner Dienststelle für Zigeunerfragen“, alle Münchner Sinti interniert, bis am 13. März 1943 ihre Deportation in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau folgte.

Der unzulänglichen Sachlichkeit dieser historischen Daten möchte ich zum 80. Jahrestag Stimmen, Gedichte, Bilder und Klänge hinzufügen, um so wenigstens ansatzweise ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachzuempfinden, das für uns Außenstehende nie wirklich zu begreifen sein wird. Solcherart Annährung betrachte ich als das Mindeste und leider auch Einzige, das ich als ideellen Beitrag zu einer Wiedergutmachung leisten kann, auf die die Betroffenen viel zu lange warten mussten – und die für nicht wenige auch zu spät kam. Und wenn ich an dieser Stelle von „Betroffenen“ schreibe, dann sind nicht nur jene Sinti und Roma, Jenische und Reisende gemeint, die unmittelbar dem Holocaust zum Opfer fielen, sondern auch ihre Nachkommen, auf deren Leben sich die Traumata der Eltern und Großeltern ebenfalls ausgewirkt haben. In München findet sich kaum eine Sinti-Familie, deren Vorfahren nicht Opfer des Nationalsozialismus wurden …

Möglichst vielfältige Zeitzeugnisse hoffe ich in einem Historical zusammenfassen zu können, kontrastiert durch Archivmaterial und ergänzt durch einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, die mir in den Händen einer neuen, selbstbewussten Generation junger Sinti und Roma wohl aufgehoben scheint.

Aus dem Famileinalbum meiner Freundin und Zeitzeugin Ramona Sendlinger, v.o. li.,Uhrzeigersinn: Ramona mit 17 – Ramonas Vater (rechts) überlebte Dr. Mengeles Experimente in Auschwitz, sein Cousin nicht- Familienfoto um 1960Ramona und ich beim Sichten von Material für das Historical

Zuversichtlich stimmt mich auch die zunehmende Bereitschaft in großen Teilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und öffentlichen Institutionen, das an den Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden begangene Unrecht aufzuarbeiten, ein wertvoller weiterer Schritt in Richtung vollzogener Parität und Teilhabe.


Seit 13. März 2017, dem 75. Jahrestag der Deportation der Münchner Sinti findet alljährlich eine Gedenkveranstaltung statt, siehe nachfolgende Bilderstrecke:

Das obere Foto stammt von Fotograf Sigi Müller und zeigt eine Foto-Projektion der 1943 deportierten Münchner Familie Höllenreiner projiziert auf die Fassade des NS-Dokuzentrums München am Gedenktag, 13.3.2021
Unten links: OB Dieter Reiter mit der Romni-Künstlerin Behar Heinemann, Autorin der Biografie „Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“
Unten rechts: Großer Polit-Bahnhof mit Kanzlerin Merkel und Romani Rose zur Einweihung des Denkmals für die im Holocaust ermordeten Sinti und Roma


„Endstation Auschwitz …!“

Langzeitprojekt zur
Deportation und Ermordung der Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden
vor 80 Jahren, vom Frühjahr 1943 bis August 1944

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In einem zweiteiligen Historical werden die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden beleuchtet, die sich hauptsächlich im Zeitraum von März 1943 bis zur berüchtigten „Mordnacht von Auschwitz“ am 2. August 1944 vollzog
sowie
deren jahrzehntelanger Kampf um gesellschaftliche Gleichstellung und Reparationszahlungen nach dem Krieg



Begleitend dazu erscheinen im GdS-Blog und in den sozialen Medien Berichte, zum Beispiel über entscheidende Termine, beginnend mit Himmlers Auschwitz-Erlass zur Deportation aller „Zigeuner“ am 16.12.1942 > LINK


Teil 1 –
Uraufführung DI, 21.3.2023, 19.30 Uhr, Festsaal im Alten Rathaus

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Im Vorhof zur Hölle

Die Internierung im Polizeipräsidium Ettstraße der Münchner Sinti und anschließende Deportation nach Auschwitz-Birkenau am 13. März 1943

> LINK zur Projektseite
Gliederung und Übersicht


Teil 2 (geplant für August 2024)

  • Die Mordnacht im ‚Zigeunerlager‘ Auschwitzund der Kampf um Wiedergutmachung
    Die Ermordung der verbliebenen Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden im sogenannten „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau am 2. August 1944 und der anschließende jahrzehntelange Kampf um Reparationszahlungen und Bürgerrechte

(Bild, Details und Link zu einer Präsentationsseite folgen zeitnah)


Die begleitende Berichterstattung
vom 16.12.2022 bis August 2024
erscheint in folgenden Social Media Foren:


Elemente der TITEL-COLLAGE von Gaby dos SantDos:
u.a. Das Foto des vierjährigen Josef Maria Schneck (1930-1944) montiert in einen Koffer
Teich des Mahnmals für die Ermordeten Sinti und Roma von Dani Caravan in Berlin
KZ-Wachtürme und, als Symbol für München, ein gusseisernes „Münchner Kindl“


HISTORISCHE HINTERGRÜNDE ZUM GEPLANTEN HISTORICAL

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde an den europäischen Sinti und Roma ein Völkermord begangen, der den brutalen Höhepunkt einer langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung gegenüber dieser Ethnie bildet. Ihm zum Opfer fiel vermutlich über eine halbe Million Menschen. Verfolgt wurden damals alle, die von den Erfassungsinstanzen, einem Verbund aus pseudowissenschaftlichen und kriminalpolizeilichen Gutachtern dem „Zigeunertum“ zugeordnet wurden, diffamiert „als Angehörige einer sowohl fremdrassigen, wie auch von Geburt an asozialen Minderheit.“ Durch solcherart Deutung wurden Sinti und Roma Opfer eines doppelten, nämlich ethnischen wie auch sozialen Rassismus; für die Betroffenen ein folgenschwerer Umstand der sich noch bis weit in die Nachkriegszeit hinein auf ihre Lebensbedingungen auswirken sollte! > (…)

– Dokumente einer Bürokratie des Schreckens –
Quelle:
www.sintiundroma.org/de/auschwitz-birkenau/deportationsbefehl-himmlers/

Erste Seite des Schnellbriefs vom 29.1.1943 des „Reichssicherheitshauptamts“ zur Deportation der Sinti und Roma; Quelle > www.sintiundroma.org

Zweite Seite des Schnellbriefs vom 29.1.1943 des „Reichssicherheitshauptamts“ zur Deportation der Sinti und Roma; Quelle > www.sintiundroma.org

Am 8. März 1943 traf es alle Münchner Sinti und Roma. Sie wurden in das Polizeipräsidium in der Ettstrasse 2 verbracht, damals als „Münchner Dienststelle für Zigeunerfragen“ Sammelstelle für Transporte von Sinti und Roma aus ganz Bayern. Am 13. März 1943 folgte die Deportation in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau. Für viele Sinti und Roma sollte dies eine Zugfahrt ohne Rückfahrschein werden …

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Innenansicht einer Baracke des „Zigeunerlagers“; Foto: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma

Folter und Terror der SS, schwerste Zwangsarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und katastrophale hygienische Bedingungen bestimmten den Lageralltag.

Die inhaftierten Menschen mussten hilflos mit ansehen, wie ihre Familienangehörigen verhungerten oder den zwangsläufig auftretenden Krankheiten wie Flecktyphus erlagen.

Von den insgesamt 23.000 im „Zigeunerlager“ inhaftierten Menschen kamen nahezu neunzig Prozent ums Leben. Vor allem die im Lager geborenen Säuglinge und die Kleinkinder hatten keine Überlebenschance. (…)“Zitate aus: > Der Lagerabschnitt B II e in Auschwitz-Birkenau: Das „Zigeunerlager“aufsintiundroma.org

„In Birkenau wussten die Kinder schon mit drei Jahren, was der Tod ist.“

Eva Fahidi, jüdische Holocaust Überlebende 

Alle, die nicht zwischenzeitlich verstorben, ermordet oder Dr. Mengeles medizinischen Experimenten zum Opfer gefallen waren, alle die man nicht zur Zwangsarbeit in andere Konzentrationslager überstellt hatte, kamen schließlich in der sogenannten „Mordnacht“ vom 2. August 1944 ums Leben:
Am 2. August um 19 Uhr wurde das „Zigeunerlager“ nach einem Befehl aus Berlin abgeriegelt. 1408 Häftlinge wurden mit dem Güterzug ins KZ Buchenwald verlegt, die verbliebenen 2897 Frauen, Männer und Kinder getötet. Da Lagerleiter Bonigut sich krankgemeldet hatte, brachte der SS-Unterscharführer Fritz Buntrock die Menschen zu den Gaskammern. Dort wurden sie in Gruppen, in Anwesenheit von Schutzhaftlagerführer Johann Schwarzhuber und des Leiters des Sonderkommandos Otto Moll ermordet.
Am Morgen des 3. August 1944 wurden noch jene, die sich zunächst im Lager hatten verbergen können, von SS-Angehörigen erschlagen oder erschossen.

„Wir hörten ein furchtbares Geschrei. Die Zigeuner wussten, dass sie in den Tod geschickt werden sollten, und sie schrien die ganze Nacht. Sie waren lange in Auschwitz gewesen. Sie hatten gesehen, wie die Juden an der Rampe ankamen, hatten Selektionen gesehen und zugeschaut, wie alte Leute und Kinder in die Gaskammer gingen. Und darum schrien sie.“ (…)Menashe Lorinczi (Häftling aus Mengeles Zwillings-Versuchsgruppe)

„Erst als sie barackenweise nach dem Krematorium I wanderten, merkten sie es. Es war nicht leicht, sie in die Kammern hineinzubekommen.“Rudolf Höß (Kommandant in Auschwitz).

Die jüdische Auschwitz-Überlebende Eva Fahidi berichtete, dass Hunde auf flüchtende Sinti und Roma gehetzt und andere mit Flammenwerfern von den Wachleuten ins Gas getrieben wurden.

MEHR im GdS-Blogbeitrag > „Nicht in der Opferrolle bleiben

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Gedenkstätte auf dem Gelände des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau

Wer überlebt hatte, kehrte traumatisiert und mitunter nach langen Odysseen auf der Suche nach Angehörigen in die Heimatstadt zurück und fand sich dort teilweise mit genau jenen ehemaligen NS-Vollstreckern konfrontiert, die wenige Jahre zuvor dessen Deportation abgewickelt hatten! Romani Rose, Bürgerrechtler und Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma äußerte kürzlich in einer TV-Dokumentation einen zutreffenden und somit zutiefst beschämenden Vergleich zu den Zuständen des deutschen Verwaltungsapparats in der Nachkriegszeit – sinngemäß –

„Stellen Sie sich vor, Eichmann hätte nach dem Krieg über die Reparaturzahlung an die jüdischen Holocaust-Opfer zu entscheiden gehabt!“

Nachstehender Brief ist von schockierender Beispielhaftigkeit:

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„Ende 1945 gab es im Münchener Polizeipräsidium immer noch eine ‚Dienststelle für Zigeunerfragen‘ – teilweise mit dem gleichen Personal wie während der NS-Diktatur. Der in dem Dokument genannte Kriminalkommissar Josef Zeiser (dort fälschlich ‚Zeisser‘ genannt) hatte den Deportationszug mit den Münchener Sinti-Familien nach Auschwitz-Birkenau im März 1943 gemeinsam mit seinem Vorgesetzten August Wutz begleitet. Zeugen sagten aus, dass die Kripobeamten ihre Opfer bei der Verhaftung und während des Transports misshandelten.

Eine Münchener Spruchkammer verurteilte Zeiser und Wutz am 12. Dezember 1947 zu zehn Jahren Arbeitslager. Doch bereits im Juli 1948 verfügte die Berufungskammer ihre Entlassung aus dem Lager und stellte im März 1949 die Verfahren ein.

BayHStA, LKA 755, PA Zeiser

Quelle von Brief und Zitat: www.sintiundroma.org >Die Deutungsmacht der Täter

Für das erlittene Unrecht in der NS-Zeit, Zwangssterilisation, Spätfolgen von KZ-Aufenthalten und medizinische Versuche, den Verlust großer Teile der Familie, erhielten die Sinti und Roma zunächst keinerlei Entschädigung, vielmehr wurde ihnen auch noch die Schuld zugewiesen:

Sie [die ‚Zigeuner‘] neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien; es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremden Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist


Aus dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 7. Januar 1956



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In den Folgenden knapp drei Jahrzehnten änderte sich wenig an der prekären Außenseiterrolle, in die die Mehrheitsgesellschaft die Sinti und Roma nach dem Krieg erneut gedrängt hatte. Noch immer hatten sie keine oder nur minimale Wiedergutmachungen für die an ihnen begangenen Verbrechen im Dritten Reich erhalten. As perspektivlos empfanden sich viele und von der deutschen Mehrheitsgesellschaft weiterhin als „Zigeuner“ diskriminiert. 

Mit einem Paukenschlag verschaffte schließliche eine Gruppe deutscher Sinti sich und ihrem Volk am 4. April 1980 weltweite Aufmerksamkeit, als sie auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau in einen Hungerstreik trat. > MEHR

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist d5d5c-romani-rose-biografie_behar-heinemann_hungerstreik-der-sinti-fuer-buergerrechte_erloeserkriche-kz-gedenkstatte-dachau_lager.jpg
Seite aus der Biografie > „Romani Rose – Ein Leben für die Menschenrechte“ von Behar Heinemann

Diese Aktion brachte einen Durchbruch im Kampf um die Bürgerrechte und führte im Folgejahr, 1981, zur Gründung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma unter Vorsitz (bis heute) des charismatischen Romani Rose.

Der Verband richtete vor einiger Zeit eine Homepage ein, aus dem ich in diesem Beitrag bereits mehrfach zitiert habe und die kurz, übersichtlich und zugleich umfassend informiert:

„Rassendiagnose Zigeuner“ > www.sintiundroma.org
Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung

https://www.sintiundroma.org/de/embed/#?secret=tSUdz5I2jG#?secret=YCkhmrXpkR


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Weitere Beiträge zum Thema „Sinti & Roma“ im > GdS-Blog

„Porajmos“: „das Verschlingen“ Zum 75. Jahrestag der ersten Deportation von Sinti & Roma aus München, am 13.März 1943, eine Veranstaltungsreihe vom 08. bis 19. März 2018

Das Romanes-Wort Porajmos [poraɪmos] (auch Porrajmos, deutsch: „das Verschlingen“) bezeichnet den Völkermord  an den europäischen Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. Er bildet einen Höhepunkt der langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung. Die Zahl…

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KAHLSCHLAG AIDS – Präsentation des gleichnamigen Buchs von Christian Noak sowie Gedenkabend für den Schauspieler und Aids-Aktivisten Ernst Häussinger im SUB, dem schwul-lesbischen Kommunikations- und Kulturzentrum

​“Alles was lebt wird sterben, alles was stirbt hat einst gelebt.“

Diese einfachen, doch in ihrem Zusammenwirken so eindringlichen Zeilen stammen aus der Neuveröffentlichung KAHLSCHLAG AIDS – Macht und Ohmacht einer Bewährungsprobe. In ihr finden sich Texte zur Rolle von HIV und Aids in der Gesellschaft, zu an AIDS-erkrankten Menschen, ihren Angehörigen und Freunden. Dabei beleuchten die Texte – Gedichte sowie bildhafte Prosa – deren Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod. Die Texte stammen aus der wortgewaltigen Feder von Christian Noak, dem bereits 2000 verstorbenen Lebensgefährten Ernst Häussingers, verdichtet unter dem Eindruck der existentiellen Bedrohlichkeit von AIDS.

Das Buch KAHLSCHLAG AIDS –
Macht und Ohmacht einer Bewährungsprobe
ISBN 97837 5576 9447
hatte Ernst Häussinger kürzlich herausgebracht und am 29. November 2022 im schwul-lesbische Kommunikations- und Kulturzentrum SUB selbst vorstellen wollen.

Ein Abend MIT Ernst Häussinger hätte es also werden sollen, doch es wurde tragischerweise ein Abend FÜR Ernst Häussinger, nachdem der gelernte Schauspieler und AIDS-Aktivist erster Stunde überraschend im Oktober verstorben ist.

Aus der geplanten Lesung wurde also ein Abend des Erinnerns an einen ganz besonderen Menschen, Ernst Häussinger, dessen

Wirken und Leben (…) immer auch zur Retrospektive über die Geschichte der Krankheit Aids selbst wird.

Zitat aus dem Einladungstext des schwul-lesbischen Kommunikations- und Kulturzentrums SUB
Traueranzeige für Ernst Häussinger in der Süddeutschen Zeitung, Text: Ausschnitt aus einem Gedicht von Christian Noak

Mich, als Aussenstehende der LGBT-Community, führte der Abend, wiederum festgemacht an der Person Ernst Häussingers, deutlich wie nie vor Augen, welche wahrhaft existentiellen Kämpfe Teile unserer Gesellschaft durchlitten, während eine Mehrheit sich dem hedonistischen BlingBling der 1980er Jahre hingab. Kein Wunder – stellte AIDS doch in den Anfangsjahren für Viele eine gesundheitliche Heimsuchung dar, die nur Schwule betraf; sogar von einer „Geißel Gottes“ war die Rede!

Diesbezüglich zieht SUB in der Nachlese zur Gedenkveranstaltung ein versöhnliches Fazit:

Vieles hat sich zum Besseren verändert, seit Ernst Häussinger vor 30 Jahren das erste Mal als Aids-Aktivist tätig wurde. Früh hat sich der Schauspieler als HIV-positiv geoutet, sich in der Münchner Aids-Hilfe engagiert und unter anderem das Café Regenbogen mit aufgebaut.

Ernst Häussinger, Foto: Bernd Müller in „Männer“

Dafür hat Häussinger über München hinaus viel Anerkennung bekommen. Er kämpfte gegen Stigmata, glaubte an Solidarität und daran, dass „trotz des Schattens einer Erkrankung“ Betroffene ein erfülltes Leben führen könnten. Es war seine ‚Utopie des schwulen Lebens‘.

Zitat: > SUB e.V. – Schwul in München auf „Instagram“

Wie unverzichtbar seinerzeit solcherart Engagement war, kam bei der Gedenkveranstaltung schnell zur Sprache, mit viel Impetus rekapituliert von Thomas Niederbühl, ehemaliger Geschäftsführer der Münchner Aidshilfe und, ununterbrochen seit 1996, amtierender Stadtrat für die ROSA LISTE. Nie zuvor war mir bewusst geworden, wie dramatisch sich damals die Lage für die schwule Community tatsächlich darstellte. So schilderte er, dass sein Partner und er nicht damit gerechnet hätten, die nächsten drei Jahre zu überleben. Vielmehr sei man in der Szene allgemein davon ausgegangen, dass das Virus früher oder später jeden „erwischen“ würde, ein Umstand, der wiederum einem Todesurteil gleich kam. Wen es traf, der habe gut und gerne vom Einkauf eines neuen Wintermantels absehen können.

Thomas Niederbühl, (links) ehemaliger Geschäftsführer der Münchner Aidshilfe und im Stadtrat für die ROSA LISTE
im Gespräch mit Professor Johannes Bogner (Immunologe), LMUI München

Niederbühls Reminiszenzen führten zurück in das finsterste Kapitel der Aidsbekämpfung, als Vorschläge kursierten, die sich nur noch als menschenverachtend bezeichnen lassen. So war tatsächlich im Gespräch, Erkrankte via Tattoo zu markieren. Auch von einer strengen Segregation Aids-Infizierter war die Rede, namentlich in München und Bayern, insbesondere seitens CSU-Politikern. Die legten einen veritablen politischen Eiertanz hin, da sie zwar die Betroffenen damals zwangsgetestet und sogar interniert, sich selbst aber nicht in die „Nazi-Ecke“ gerückt sehen wollten. Überhaupt zeigten Teile der Politik eine beschämende Verlogenheit, indem sie einerseits Aidskranke anprangerten, dito teilweise auch deren Selbsthilfegruppen, allen voran die Aidshilfe. Andererseits ließen sie letzterer diskret Fördermittel zukommen, da sie auf deren Unterstützung im Kampf gegen Aids und zur Betreuung der Patienten dringend angewiesen waren.

… ​politisch draufhauen und hintenrum unterstützen!“ …

Stadtrat Thomas Niederbühl, ehemaliger Geschäftsführer der Münchner Aidshilfe, über den zeitweiligen Kurs der städtischen und staatlichen EntscheidungsträgerInnen im Umgang mit AIDS

Sich in dieser negativ aufgeheizten Stimmung offen als HIV-positiv zu outen, wie Ernst Häussinger, erfordert enorme Zivilcourage! Seine Infektion wurde seinerzeit, ohne sein Wissen, in Zusammenhang mit einer HNO-Behandlung diagnostiziert. Auf diese Art übergangen zu werden, erboste ihn zu recht, zumal die Diagnose sofort einen negativen Domino-Effekt auf sein Leben insgesamt auslöste, wie der Verlust eines Engagements und alsbald auch das Ende seiner Laufbahn als Schauspieler. Seine positives Naturell führte jedoch dazu, dass er sich daraufhin in der AIDS-Selbsthilfe engagierte. Bis zu seinem überraschenden Tod gehörte er zu den ganz wenigen frühen HIV-Positiven, die die Infektion überlebten, bis Mitte der 1990er Jahre medikamentöse Wege gefunden waren, das Virus in Schach zu halten.

Neben Thomas Niederbühl als Referent zu Gast war Professor Johannes Bogner von der Ludwig-Maximilians-Universität, der 1985 Ernst Häussinger zunächst als Patient kennenlernte und der ihm dann zum Freund wurde. Der Immunologe beleuchtete den medizinischen Aspekt einer Infektion mit HIV, exemplarisch festgemacht an der Krankengeschichte Ernst Häussingers.

Ebenso einfühlsam wie kompetent moderiert wurde der Abend von Gregor Otto Papadopoulos, Sozialpädagoge und seit Oktober 2022 Leiter der der Prävention im SUB. Ihn hatte ich bereits vor Jahren als einen klassisch ausgebildeten Sänger kennengelernt und freute mich, ihm nun in dieser gesellschaftlich engagierten neuen Funktion erneut zu begegnen.

Zwischen den einzelnen Themenblöcken eingestreut wurden Texte aus KAHLSCHLAG AIDS, mit Gänsehaut-Faktor rezitiert von Schauspieler Herbert Schäfer (obiges Foto).

In ihrem Rück- und Ausblick auf die Geschichte der Krankheit Aids stellten die Diskutanten immer wieder fest, dass Schwule bis heute – auch wenn vieles anders ist – ihre Sexualität nicht offen ausleben können. Sie stoßen damit im Gegenteil noch immer häufig auf Ablehnung, Diskriminierung und sogar Gewalt, wie der jüngste Überfall auf eine queere Bar in Colorado Springs oder der Angriff auf Malte C. beim CSD in Bremen zeigen. (…)

Resümee des Abends seitens SUB

Eine thematisch wunderbare Klammer schloss Professor Bogner ganz zum Schluss. Er habe sich immer gewünscht, Ernst Häussinger einmal als Schauspieler zu erleben. Tatsächlich gelang ihm das im Rahmen einer Kindervorstellung an der Ballettschule seiner Frau, mit einer kindgerechten Lesung Häussingers über das Wesen und die Verbindung von Farben. In Form einer O-Ton-Einblendung konnten an diesem Abend alle Anwesenden die humorvolle Stimme des Verstorbenen noch einmal hören, wie sie sich den Farben zuwandte …

Aus all diesen Farben aneinander gefügt, so folgerte der Professor, ergebe sich schließlich ein Regenbogen …


Zum Thema siehe auch den Beitrag im GdS-Blog >



Des Stadtschreibers weiß-blaues Welken im Turmstüberl – Gastbeitrag von Daniela Schwan zur Buchpräsentation

Pünktlich zu seinem Sechzigsten brachte Stadtschreiber, Kolumnist (u.a. Hallo München“) und Autor W.A. Riegerhof seine Memoiren der anderen Art auf den Markt: Unter dem Titel Das weißblaue Welken meiner Tage hat der „geistige Enkel Sigi Sommers“ einen Lyrikband verfasst –und diesen jetzt in einer Matinée im Turmstüberl im Valentin-Karlstadt-Musäum am Isartor präsentiert.

V. li.: Schauspieler, Filmproduzent Ludo Vici, der auch die Texte von W.A. Riegerhof vortrug. Mitte: Schauspielerer Hans Stadlbauer

„Nostalgisch mit einer Mischung aus Bitterkeit und Lust, die mir wahnsinnig gut
gefällt“, brachte es Schauspieler und Filmproduzent Ludo Vici auf den Punkt. Er agierte auch als Vorleser, denn: „Wir Schreiberling sind eher mundfaul“, lacht Riegerhof. Sein geschärfter Blick auf „Minga“ ist tiefgründig, melancholisch, herzgrantelnd und oftmals doppeldeutig. Sein Markenzeichen, neben seiner schlagkräftigen, pointierten Schreibe: Hut und Prädikat „bestdressed“.

Aus der Steiermark stammt er, seit 38 Jahren lebt er hier. „An München habe ich mich herangeliebt, es hat eine Weile gedauert, bis der Funke übergesprungen ist“, verrät er. Inzwischen brennt er für seine Wahlheimat, die er in seinen Büchern (u.a. Münchner G’schichtn, Bauchschuss Schwabing, Münchner Feigheit) rührend aufs Korn nimmt. Ein bisserl granteln erlaubt. „Nur wer München liebt, kann scharf darüber berichten“.

Das wusste auch schon Sigi Sommer, der mehr als 40 Jahre lang als Kolumnist für die AZ tätig war (Blasius der Spaziergänger) und auf dessen Spuren der Stadtschreiber wandelt. Vieles in München sei, wie er selbst, am Welken:

Wärmende Mädchenhände wichen dem Wärmepflaster, feiern tous les jours
wird ersetzt durch Akupunktur

zitiert er schmunzelnd aus seinem Werk.

Und inzwischen sei vieles schon mehr grau als weiß-blau, und seine Mission sei es, mit Worten die Liebenswürdigkeit dieser Stadt, aber auch die Missstände aufzuzeigen, über schöne Fleckerl aus einem ganz anderen Blickwinkel zu berichten.

Foto: W.A.Riegerhof

Sein Lebenswerk, bestehend aus Büchern, Berichten in Magazinen und Zeitungskolumnen, hat in der Monacensia-Bibliothek im Hildebrandhaus, neben anderen hervorstechenden Schreiberlingen der Stadt, einen Platz gefunden; in der Monacensia wird das Literaturarchiv der Stadt zur Geschichte und zum kulturellen Leben vereint.

Mein geistiger Nachlass hat jetzt schon einen ehrenvollen Rahmen erhalten, ich fühle mich sehr geehrt, in vertrauter, ehrwürdiger Nachbarschaft als Autor zwischen großen Kollegen wie Sigi Sommer, Erich Kästner oder Ludwig Thoma weiterzuleben“, freut sich Stadtschreiber W.A. Riegerhof dementsprechend.

Beim weiß-blauen Welken in einem der ältesten Türme der Stadt unter anderem dabei: Des Autors Spezln wie Trachten-Angermaier-Chef Axel Munz, Obststandl-Didi alias Dieter Schweiger, Schauspieler Hans Stadlbauer („Der Stadtschreiber und ich treffen uns regelmäßig in der Kaffeerösterei am Viktualienmarkt zum Austausch und sind inzwischen sehr gute Bekannte“), Exatmo-Designer Helmut Oppenberger und Regisseur Otto Retzer.

Was verbindet letzteren mit W.A. Riegerhof, den alle nur „Der Stadtschreiber“ nennen?

Kult-Regisseur Otto Retzer (u.a. Die Supernasen und Ein Schloss am Wörthersee)

Kult-Regisseur Retzer (u.a. Die Supernasen und Ein Schloss am Wörthersee) fasst es lachend zusammen:

„Erstens ist er Österreicher wie ich,
zweitens ist er immer gut angezogen,
drittens, dass er überleben kann mit den paar Zeilen, die er schreibt …“

Die Vorzüge von W.A. Riegerhof aus der Sicht des Regisseurs Otto Retzer 😉
Stadtschreiber und Autor W.A. Riegerhof mit Schauspieler Hans Stadlbauer

Alle Fotos – außer der Monacensia-Aufnahme – stammen von Michael Linzmeier.
Herzlichen Dank!

Weitere Beiträge von Daniela Schwan im GdS-Blog >



Ein Benefiz-Konzert für alle Sinne mit Pianistin Masako Ohta zu Gast bei den ZONTA Frauen, Club Fünfseenland, im Golfhotel Kaiserin Elisabeth: Eine Nachlese in Bildern

Als tröstliche Untröstlichkeit definierte ich für mich die Stimmung, die Pianistin Masako Ohta, durch die Auswahl des Repertoires und dessen Interpretation, im festlichen Saal des Golfhotels Kaiserin Elisabeth heraufbeschwor; maßgeschneidert sowohl für den spätherbstlichen Jahresausklang, wie auch für das historische Ambiente, in dem das Konzert stattfand.

Masako Ohta bei ihrer Ankunft am Veranstaltungshotel

Das Hotel, dessen Chronik bereits um 1508, als schlichte Wirtschaft in dörflicher Umgebung begann, entwickelte sich über die Jahrhunderte, nicht zuletzt dank der idyllischen Lage über dem Starnberger See, zu einem lokalen Society-Hotspot, insbesondere als Ende des 19. Jahrhunderts Kaiserin Sisi, die ganz in der Nähe aufgewachsen war, das Hotel für sich entdeckte.

Nach deren Ermordung 1898 erteilte das Hofmarschallamt in Wien dem Hotel die Genehmigung, sich nach der Kaiserin zu benennen.

“ (…) IM GLEICHEN JAHR GELANGTE ES IN DEN BESITZ
DER FAMILIE KRAFT-BORCHARD UND BEKAM ALLMÄHLICH
SEINE HEUTIGE GESTALT“.



> MEHR

Homepage des Hotels > www.kaiserin-elisabeth.de

Doch hat sich, bei allem modernen Komfort, eine gewisse Patina -im allerbesten Sinne – bis heute erhalten. Entsprechend erinnern an die historischen Glanzzeiten nicht nur die Architektur mit viel weißem Holz sowie die antiquarische Einrichtung, sondern auch zahlreiche Sisi-Devotionalien hinter Glas.


Ein hervorragendes Setting also für das Zusammenspiel von Vergänglichkeit und Ewigkeit, das aus jedem von Masakos Stücken herausklang, die sie unter dem Titel „Innere Landschaften“ zusammengefasst hatte. Wie so oft deckte die Musik-Auswahl ein breites Zeitspektrum klassischer Musik ab, das von der Mitte des 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichte, letztere vertreten durch Masako Ohtas Eigenkomposition „See you again“ (2021/2022). Titel und Stimmung dieses Stücks verrieten, dass die gegenwärtigen Herausforderungen auch Masako nicht verschont haben. In ihrer Musik jedoch lösten sie sich in „tröstlicher Untröstlichkeit“ auf, meinem Empfinden nach eine Art verschärfter, der Schicksalhaftigkeit unserer Zeit entsprechenden Melancholie …

Was diese anbelangt, bietet sich Masako geradezu als Mediatorin an, denn allein schon ihre Mimik erweckt bei ausnahmslos jeder ihrer Darbietungen den Eindruck eines bis an die Schmerzgrenze ihrer selbst gehenden, innerlichen Erforschens, in einem Trance ähnlichen Zustand; immer wieder verschwindet ihre zierliche Gestalt dabei fast gänzlich hinter der hölzernen Wucht des Flügels, den sie gerade bespielt.

Solcherart künstlerischer Intensität vermag sich kein Publikum zu entziehen. Daher erfreut sie sich einer stetig wachsenden Fangemeinde, die ihr an diesem Abend teilweise von München – und vereinzelt sogar von noch weiter her – bis an den Starnberger See gefolgt war.

Kein Wunder also, dass ich bei Masakos Konzert eine ganze Reihe bekannter Gesichter traf, namentlich Eva Giesel, die resolute Inhaberin der LITAG – Agentur für Theaterliteratur und Christine Willschrei, die Theater geradezu personifiziert, da sie über lange Jahre eine eigene Schauspielschule führte. Und apropos Schauspielerei lernte ich bei dieser Gelegenheit endlich die Schauspielerin und Dozentin Ute Barzel, Witwe des CDU-Politikers Rainer Barzel kennen, die mit ihrem neuen Lebensgefährten, einem ehemaligen Tänzer, erschienen war. Dass ich diese langjährige Facebook-Bekanntschaft nun im wahren Leben traf, verdankte ich ebenfalls Masako, zu deren Fans auch Ute zählt. 🙂

Im Gegensatz zu vielen Kulturveranstaltungen, die ich in München erlebe, fanden sich hier viele festlich gekleidete ZuschauerInnen, mich eingeschlossen. Es mag eher gestrig anmuten, aber ich finde, dass ein stylisch auf den Abend abgestimmtes Publikum die Atmosphäre einer Veranstaltung positiv mitprägt. Es geht dabei gar nicht darum, sich aufzudonnern, sondern mit einem gepflegten Outfit Kunst und KünstlerInnen Respekt zu zollen. Leider jedoch stamme ich aus einer Generation, in der man sich bereits ab den 1970er Jahren im Parka in die Mailänder Scala begab 😦

Als sehr spannend, weil aufschlussreich, erlebte ich das anschließende Abendessen in kleinem Kreis, mit Masako Ohta, ihrer Tochter und einigen der ZONTA Frauen. Unter ihnen befand sich auch Erika Borchard, die aktuelle Hotel-Chefin (Oben rechts auf dem rechten Foto). Diese gewährte Einblicke in den Familienbetrieb und verriet, dass das Hotel bereits ab dem 1. Januar 2023 den regulären Gästebetrieb zeitweilig einstellen und stattdessen als Unterkunft für die höchste Führungsriege von Siemens dienen wird, einige Umbaumaßnahmen inklusive. Diese werden aber nicht das historische Erscheinungsbild des Hotels beeinträchtigen sondern nur den Zweckbau im Hinterhof betreffen; Ausbau eines SPA-Bereichs und andere Arbeiten, die in vier Jahren auch der Öffentlichkeit zugute kommen werden, wenn das Haus wieder als Hotel eröffnet.

Auf dem Foto rechts zu sehen ist Marlen Peix, seit 2021 Vorsitzende des ZONTA Clubs Fünfseenland

Veranstalterinnen des Benefiz-Abends waren die Frauen des ZONTA Clubs Fünfseenland, einem der zahlreichen, weltweiten „Ableger“ von Zonta International (ZI):

Zonta International (ZI) ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, heißt es in der Selbstdarstellung auf der Hompage der Dachorganisation ZI und weiter: Ihr gemeinsames Ziel (ist es), die Lebenssituation von Frauen im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern.

Die Bilanz seit der Gründung 1919 in den USA ist beachtlich: Inzwischen existieren über 1.100 Zonta-Clubs in 63 verschiedenen Nationen, mit 28.000 Mitgliedern! Damit stellt Zonta etwas dar, das man zur Schließung von Gender Gaps und zur Verwirklichung eines Equal Pay weiblicher Arbeitskräfte noch viel zu selten antrifft: Ein potentes Frauennetzwerk, das sich die Förderung von Frauen sowohl auf nationaler, wie auch internationaler Ebene auf die Fahnen geschrieben hat.

Zonta ist Begegnung – weltweit!

Das Motto von Zonta International (ZI)

ZONTA hatte ich bereits im Vorjahr kennen und schätzen gelernt, bei einer Lesung meiner Freundin, der Münchner Schriftstellerin Gunna Wendt (Mitte), die ebenfalls vom ZONTA Club Fünfseenland veranstaltet worden war.

LINK

Beitrag 2021 im GdS-Blog


SEV-Irrfahrten als PROLOG und Epilog,
resümiert (in umgekehrter Reihenfolge) in zeitnahen Posts vom 12.11.2022:

Es wären eine idyllische Landpartie und ein Abend perfekter LebensART gewesen, wenn … ja wenn nicht just an dem Tag die S-Bahnen im berühmt-berüchtigten ESV-Modus (ErsatzSchienenVerkehr) verkehrt hätten. Während sich bereits die Anfahrt als ein wenig kompliziert erwies, entpuppte sich die Rückfahrt als veritabler Höllentrip!
Ich schwöre: Nie wieder ein Ausflug ins Umland bei ESV!

Irrfahrt in Zeiten des Ersatzschienenverkehrs – Post III

Irgendwo im Nirgendwo…
… bin ich mutterseelenalleine am Bahnhof Starnberg gestrandet, froh um den kuscheligen neuen Wintermantel, weil die im Internet angegebenen Verbindungen so wieder nicht stimmten. Seit über zwanzig Minuten sitze ich hier und hoffe, wenigstens am Hauptbahnhof einen einigermaßen zeitigen Anschluss zum Rosenheimer Platz zu ergattern.

Nachtrag: Nach weiteren Pannen wie Verspätungen und defekten Rolltreppen bin ich kurz vor 2h, nach einer zweistündigen S-Bahn Odyssee endlich in meiner Mansarde in Haidhausen eingetrudelt.


Irrfahrt in Zeiten des Ersatzschienenverkehrs – Post II

Nächste Etappe unserer ESV-Weltreise zu Masako Ohtas heutigem Auftritt in Feldafing:

Dank des unfreiwilligen Zwischenstopps am Bahnhof Starnberg bot sich uns zumindest ein idyllischer Blick auf den zum Teil in Nebel gehüllten See und die bereits schneebedeckten Berge dahinter.


Irrfahrt in Zeiten des Ersatzschienenverkehrs – Post I

Ersatzschienenverkehr – mal wieder … abenteuerlich …
Begleite gerade Masako Ohta, die für ein Benefizkonzert in Feldafing engagiert ist. Nur hinkommen ist an Wochenenden mit ESV so eine Sache!


Nachdem wir die geplante S-Bahn nach Tutzing verpasst haben, weil wir zu spät herausbekommen haben, von wo die heute eigentlich abfährt, haben Masako und ich immerhin eine S-Bahn bis Starnberg ergattert.

Liebe Bahn, wie wäre es mit verlässlichen Beschreibungen, aus denen unsereins auch schlau wird ⁉️


Weitere Beiträge zu Masako Ohta im GdS-Blog >

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Aus Anlass von 40 Jahren Zentralrat deutscher Sinti und Roma Reflexionen von Alexander Diepold zu den Festreden des Vorsitzenden Romani Rose und des Publizisten Mehmet Daimagüler

Dieses Jubiläum bildet sicherlich einen Meilenstein in Bezug auf die Bürgerrechte dieser Ethnie in Deutschland, nach wie vor bleibt unsere Mehrheitsgesellschaft jedoch in der Pflicht und gefordert, was die bedingungslose Gleichstellung eines Volkes anbelangt, das seit hunderten von Jahren unter uns lebt – und uns doch so unbekannt geblieben ist. 

Der Gründung des Zentralrats war ein Hungerstreik der Sinti & Roma auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau vorangegangen, der international Wellen geschlagen hatte > 

Damals beim Hungerstreik ebenso dabei, wie heute beim Festakt in erster Reihe, meine Freundin Uta Horstmann (Auf dem Gruppenfoto der Titelcollage im geringelten Kleid)

🌹

Mit dem 40. Jubiläum ist zwar ein Meilenstein erreicht, dennoch gibt es in Bezug der gesellschaftlichen Gleichstellung von Sinti und Roma, Jenischen und Reisenden noch immer mehr als genug zu tun! Diesbezüglich möchte ich nach wie vor, durch aufklärende Berichterstattung, meinen kleinen persönlichen Beitrag leisten… Wohl nicht ganz 40 weitere Jahre 😉 aber doch solange es mir möglich ist. 

🖋

In diesem Sinne von meiner Seite aus herzliche Glückwünsche !🎈


Unter den geladenen Gästen befand sich auch Alexander Diepold, Gründer und Geschäftsführer von Madhouse, der Münchner Beratungs- und Kulturstelle für Sinti und Roma sowie der jugend- und bildungsorientierten Hildegard-Lagrenne-Stiftung.

Diepold hat im Anschluss an den Festakt einige persönliche Betrachtungen formuliert, die sich im nachstehenden Gastbeitrag formuliert finden:

Romani Rose hat die Geschichte und die Errungenschaften des Zentralrats deutscher Sinti und Roma in einem knapp 45-minütigen Beitrag akribisch dargestellt. In diesem Kontext sind ausdrücklich Romani Roses Meriten als Vorsitzender dieser Institution zu bejahen, dem die Landesverbände der Bundesländer, viele individuelle Akteure sowie insbesondere die noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust angehören. Gemeinsam mit all diesen Mitstreitern hat Romani Rose den Kampf um die Bürgerrechte schon vor der Anerkennung des Völkermordes seitens des deutschen Staates aufgenommen. All diese Aktivisten einte seinerzeit das Ziel, den Genozid an ihren Familienangehörigen als einen Völkermord aus rassischen Gründen anerkannt zu bekommen und die Würde der Opfern wiederherzustellen.

Romani Roses Festrede und der Rede von Publizist Mehmet Daimagüler möchte ich folgendes hinzufügen:

40 Jahre Bürgerrechtsarbeit haben einen Entwicklungsprozess in Gang gesetzt, der sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in unserer eigenen Community ein Bewusstsein für das Unrecht geschaffen hat, das Sinti und Roma angetan wurde. Dabei erwies sich in den Anfängen für unsere Bürgerrechtsbewegung von großem Wert, mit Romani Rose einen äusserst charismatischen Kämpfer aus den eigenen Reihen an der Spitze zu wissen, der sich unbeirrbar und kraftvoll dem – auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzten – Unrecht an uns Sinti und Roma widersetzte.

Die Anerkennung des Völkermordes 1982 und die Gründung des Zentralrates bildeten die Basis für eine an die Mehrheitsgesellschaft gerichtete Forderung, das Unrecht an Sinti und Roma bewusst zu machen und zu beseitigen. Es war für uns in dieser Zeit wichtig und richtig, auf einzelne Menschen mit Kampfgeist und Führungskompetenzen zählen zu können, die von der Community dazu bevollmächtigt wurden, sie politisch zu vertreten, Rechte einzuklagen, Demonstrationen zu organisieren und als Gallionsfigur zu repräsentieren.

Jedoch haben 40 Jahre Zentralrat und Bürgerrechtsarbeit im Laufe der Jahrzehnte auch zu einer Veränderung in der Community-Struktur geführt:

  • Heute gibt es mehr als 100 Organisationen, seien es Vereine, Initiativen, gemeinnützige Organisationen oder Menschenrechtsaktivisten, die unterschiedliche Positionen vertreten und gerade aufgrund ihrer Vielfältigkeit unsere Gesellschaft bereichern, darunter namentlich die Hildegard Lagrenne Stiftung und nicht zuletzt die Bundesvereinigung der Sinti & Roma (BVSR) – mit einem Zusammenschluss von mehr als 20 fachlich kompetenten Mitgliederorganisationen!
  • Dazu siehe auch nachstehenden News-Podcast von Daniel Strauss, „RomnoKher News“ >

Pluralismus und das Gefühl gleichberechtigter Teilhabe aus unterschiedlichsten Positionen heraus – auf Dauer für jedes demokratische System unverzichtbar – zeichnen auch unsere Community heute in der Summe aus und prägen heute unseren Lebensalltag.

Freie Meinungsäußerung, freier Wille, gleichberechtigte Teilhabe!“

Herr Daimagüler hat hervorragend zum Ausdruck gebracht, dass wir deutschen Sinti und Roma seit Jahrhunderten in diesem Land verwurzelt sind und uns heute, im Sinne der allgemeinen demokratischen Grundordnung, als – auch politischer – Faktor unserer Gesellschaft sichtbar erheben.

Als Teil einer demokratischen Gesellschaft ist auch unsere Community deutscher Sinti und Roma pluralistisch aufgestellt! Niemals war sie eine homogene Gruppe, sondern immer schon eine heterogene Gemeinschaft vielfältiger Gruppierungen, die zwischenzeitlich auch in der Lage und willens sind, jede für sich selbst zu sprechen. Auch diese Weiterentwicklung ist ein wünschenswertes Ergebnis der Bürgerrechtsbewegung und des Zentralrats.

Wir müssen uns mit uns selbst auseinandersetzen und auch selbst in die Abgründe sehen“, so sinngemäß Daimagüler, um rechtzeitig aufkommendes Unrecht und antidemokratische Strömungen erkennen und bekämpfen zu können.

Zielführend dabei können nur der gemeinsamschaftlich geführte Kampf um unsere Rechte und gegenseitige Solidarität sein, unter Einbeziehung der nachkommenden Generation, jenseits jeglichen Paternalismus.

Und es gilt, unsere Grundsätze zu bewahren und zu stärken:

Niemand darf aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Abstammung, seiner Religionszugehörigkeit oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden.

Romani Rose in seiner Rede aus Anlass des 40jährigen Bestehens des Zentralrats deutscher Sinti & Roma

Für diese klaren Worte danke ich Romani Rose, betonen sie doch das, was unseren demokratischen Rechtsstaat ausmacht.

Alexander Diepold, im November 2022


MEHR BEITRÄGE im GdS-Blog zum Themenkreis
> Sinti & Roma, Jenische und Reisende …


Übersichtstext im GdS-Blog zum Themenkreis >



Titelmotiv: Collage von Gaby dos Santos, der ein Foto des Festakts in Augsburg zugrunde liegt:
Reihe 1, v.l.
Marcella Reinhardt (Vorsitzende des Regionalverbands Deutscher Sinti und Roma Schwaben e.V.)
Uta Horstmann, ehemalige Sozialarbeiterin, Bürgerrechtsaktivistin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralverbands deutscher Sinti und Roma
Mehmet Daimagüler, Publizist
 Im Hintergrund einmontiert das GdS-Logo: Eine Theatermaske mit Perlenträne
Davor Alexander Diepold


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