PREMIUM-KUNST im „PROMI“-REWE, Fünf Höfe/München, jetzt bis 17. April verlängert! Gastbeitrag von Daniela Schwan, Journalistin für „Kultur & Celebrities“

Beitragsbild, v.l.: Journalistin Daniela Schwan (Kultur & Celebrities), Künstler Tornike Abuladze, Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher unter den neugierigen Blicken des GdS-Logos: der Theatermaske mit Perlenträne

Es ist angerichtet! Beim REWE Premium in den Fünf Höfen – in Insiderkreisen „Promi-REWE“ genannt, schließlich wurden hier unter anderem schon Arnold Schwarzenegger, Manuel Neuer, Vroni von Quast, Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach oder Holger Stromberg gesichtet – herrscht derzeit das Motto: „Ein bisserl was geht trotzdem“. Denn wenn andernorts so gut wie nichts mehr für Künstler veranstaltet werden kann, dann eben als Shopping-Kunst-Schmaus mit Aha-Effekt.

Bereits für 16.000 Euro verkauft: Die „Marsmelone“ von Alicja Kwade, Bronze bemalt, mitten im Obstfach

„SUPER mARkT – Frische Lieferung“: 18 namhafte Künstler tischen ihre Werke auf. Zu „satten“ Preisen. Wir waren beim Opening dabei. Natürlich ganz ohne Tamtam, Vernissage oder Häppchen. Eine beeindruckende Performance, von Nata Togliatti inszeniert und kuratiert. „Ich bin happy, dass ich so viele herausragende Künstler für diese Ausstellung, bei der auch Irritation und Humor eine Rolle spielen, gewinnen konnte,“ verrät sie. Ihre eigene Wandinstallation „Apples d’oro“ – 52 gemalte Äpfel auf gebrauchten Verpackungen (für insgesamt 15.000 Euro) – macht gleich im Eingangsbereich Lust auf frisches Obst.

Die Künstler und ihre Werke: Kuratorin Nata Togliatti (Apples d’oro, 15.000 Euro) und Tornike Abuladze („In between“, 16.000 Euro)

An und zwischen den Rolltreppen die wohl auffälligste Schöpfung in tomatenroter REWE-Farbe: ein Putzroboter (16.000 Euro) von Tornike Abuladze. Bis kurz vor der Ladeneröffnung hat er noch Hand angelegt – und ist mit roten Farbspritzern besprenkelt.

Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher und Künstler Tornike Abuladze vor seiner REWE-roten Installation „In between“ mit Putzroboter und Ölfarbe (16.000 Eur)

Achtung, nicht reinbeißen: der Toast Hawaii von Christoph Knecht (3.200 Euro) im to-go-Bereich ist aus Öl auf Bronze.


Toast Hawaii mal anders: Öl auf Bronze von Christoph Knecht für 3.200 Euro

In der Gemüse-Theke, neben saftigen, echten Melonen im Safe: Die appetitliche „Marsmelone“ aus bemalter Bronze von Alicja Kwade (16.000 Euro, bereits verkauft).

Bereits für 16.000 Euro verkauft: Die „Marsmelone“ von Alicja Kwade, Bronze bemalt

In einem meterhohen Banner (50.000 Euro) hat Christian Jankowski die Jagd nach den Schnäppchen festgehalten; verformtes Drahtgitter in Beerentönen mit dem Titel „In flow“ (2.000 Euro) von Nataliya Borushchak baumelt von der Decke …

Kunst allover: Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher r und Kuratorin und Künstlerin Nata Togliatti vor dem 50.000 Euro Banner „Die Jagd“ von Christian Jankowski, auf den Brillo-Hockern im Andy-Warhol-Desgin (450 Euro pro Stück)

Manche Objekte entdeckt man nicht gleich auf Anhieb. Wie die Schachfiguren (105 Bauern á 49 Euro) von Professor Gregor Hildebrandt (Akademie der Bildenden Künste, München) im Gewürzregal. Oder die Feder und Perlen beschmückten, gartentauglichen Vogelhäuserl mit oder ohne Gezwitscher (ab 630 Euro) von Jeamin Lee in der farbenfrohen Gartenabteilung.

Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher und die Vogelhäuserl von Jeamin Lee, mal mit mal ohne Vogelgezwitscher

Ein Sprachrohr aus Metall und Stoff („Ciao“, 5000 Euro) durchtrennt das Tütensuppenregal. Der symbolische Gedanke: „Wir brauchen wieder mehr Kommunikation“, so Lara und Daniela Koch, die das Werk geschaffen haben. Damit wollen sie an das wichtige Grundbedürfnis nach Austausch appellieren.

„Ciao“: Ein Sprachrohr für mehr Kommunikation von Daniela und Lara Koch, , 5000 Euro,
hier mit Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher

Kunst allover, sogar an der Kasse, sind doch die Warentrenner und die Namensschilder der Kassiererinnen mit Sprüchen von Milen Till versehen. Und mittendrin Schauspielerin und Synchronsprecherin Nicole Belstler-Boettcher, vollkommen geflasht: „Für Kunst und Kultur, beides für mich lebenswichtig, gibt es momentan keine Bühne mehr! Was für eine sensationelle Idee, das im systemrelevanten Supermarkt zu installieren“.

Die Verkaufserlöse gehen zum Teil an die Studierenden der Akademie der Bildenden Künste in München, zum Teil direkt an die Schöpfer der Arbeiten.

Ja, wie wusste 1913 schon der Maler und geistige Vater der Konzeptkunst Marcel Duchamp: „Kunst liegt auf der Straße und steht in den Regalen der Kaufhäuser.“


Dietmar Kluska, ehemaliger REWE Premium Geschäftsführer (mit Einkaufswagen), Schauspielerin Nicole Belstler-Boettcher und Künstlerin und Kuratorin Nata Togliatti vor dem 50.000 Euro Banner „Die Jagd“ von Christian Jankowski

„Unser Antrieb war es, Leben in die Stadt zu bringen, und Künstlern, die keine Bühne haben, wieder eine zu geben“, bestätigt Marktmanager Husein Dugonjic. Und sein Vorgänger Dietmar Kluska, der bei Veranstaltungen noch ein bisserl mitorganisiert, verrät ein paar Daten: „In der Filiale sind im Schnitt monatlich 100.000 Kunden, 100 dürfen sich auf den 13.000 Quadratmetern im Moment gleichzeitig im Laden aufhalten.“ Flirten an den Kühltheken, dessen Türen sich, ganz modern, per Fingertouch öffnen lassen, inbegriffen. Supermarkt – der neue Ort der Kommunikation also. Auch die Verfasserin dieses Berichts hatte hier schon mal ein Date …

Noch viele weitere, „leckere“ Kreationen regen zum Staunen an. Zum Beispiel die Wand aus 600 exquisiten Prinzenrollen (4.999 Euro pro Quadratmeter) von Thomas Rentmeister. „Ein Prinz versperrt mir den Weg“, scherzt Single-Frau Nicole Belstler-Boettcher, bekannte für ihre markant-rauchige Stimme (derzeit als „Big Mom“ in „One Piece“ auf ProSieben Maxx zu hören). Sie war so begeistert, dass sie spontan ans Mikro eilte, um die jeweiligen Exponate und ihre Werke über Lautsprecher anzukündigen, und sogleich Marktmanager Husein Dugonjic und seinem Assistenten Andree Sturm anbot, zwecks professioneller Aufnahme der Durchsagen nochmals vorbei zu kommen.

Marktmanager Husein Dugonjic, Assistent Andree Sturm und Nicole Belstler-Boettcher mit dem Brillo Hocker á la Andy Warhol (450 Euro)

Die Kunst-Genuss-Aktionswoche ist noch bis zum 17. April während der normalen Öffnungszeiten zu sehen und zu erstehen. Einfach premium!


Text: Daniela Schwan
Fotos: Franz Göbel



Von Daniela Schwan ebenfalls im neuen GdS-Blog veröffentlicht:

Daniela Schwan mit Maler Michael Heininger und Aktionskünstler Wolfram Kastner (rechts)

Michael Heininger & Wolfram Kastner: „Versuch einer Vernissage“ 
AZ-Artikel von Daniela Schwan zur Ausstellung „KoronaCunst oder coronaKUNST“, Galerie Christoph Dürr



„Dekameron 21.0“ und „Heptameron 21.0“: Schlaglichter auf die Corona- Krise in zwei Bänden, Herausgeber Peter Czoik

Beitragsbild: Eine Collage von Gaby dos Santos, die Elemente des Buchcovers von „Dekameron 21.0“ mit dem Logo des GdS-Blogs – der Theatermaske mit Perlenträne – sowie plakative Elemente zum Thema kombiniert

Als Teil der schreibenden Zunft – egal, ob wissenschaftlicher Autor oder Schriftsteller – kommt man nicht umhin, sich mit einschneidenden Gegebenheiten schriftlich auseinandersetzen. Das gilt auch für die Corona-Pandemie – zum Glück für alle Leserinnen und Leser, denen, nach dem medialen Overkill der letzten anderthalb Jahre, der Sinn auch mal nach anderen, literarischeren Formen der Auseinandersetzung mit dem omnipräsenten Virus steht. Wenn sich dieser schon als dermaßen invasiv bezüglich so ungefähr aller Bereiche unseres DaSeins erweist, dann möchte man ihn gerne auch aus anderen Perspektiven erkundet sehen, als nur in Form von Inzidenzzahlen!

An mein diesbezügliches Bedürfnis knüpfte im vergangenen Sommer Schriftstellerin  Gunna Wendt an, mit einem bis dato unveröffentlichten Essay, „Camus, das Absurde und das Jahr ohne Sommer, mit dem sie sich an Kultur trotz Corona“ beteiligte, einem Projekt des Literaturportals Bayern. In Folge ergänzte Gunna Wendt ihren Beitrag noch durch Texte von Gert HofmannHenrik IbsenJens Peter Jacobsen und Heinrich Heine, denn deren Schilderungen von Menschen in Ausnahmesituationen erwiesen sich als „von verblüffender Aktualität.“ Tatsächlich werfen diese Texte, ebenso wie Gunna Wendts eigentlicher Essay, so einige beunruhigende Fragen zur Lernfähigkeit der Menschen auf, die offensichtlich an immer gleichen Verhaltensmustern scheitert …

Gunna Wendts Essay „Camus, da s Absurde und das Jahr ohne Sommer“,
ergänzt durch Texte von Gert Hofmann, Ibsen, Heine u.a., im Literaturportal
> LINK

Fazit: Es menschelt sehr im Katastrophenmodus und das querbeet durch die Geschichte! Auf ebenso unterhaltsame wie auch lehrreiche Art und Weise und jenseits all jener statistischen Erhebungen, die gerade unser aller Leben bestimmen. Bei der Lektüre erbaut man sich an Wiedererkennungseffekten, die tröstend, zwischen einem Aha-Erlebnis und dem nächsten suggerieren, dass so manche ZeitgenossInnen sich zu Pandemiezeiten im 21. Jahrhundert auch nicht bescheuerter – oder klüger – verhalten als es die Ahnen taten.

😉

Peter Czoik, Literaturwissenschaftler, Koordinator und Redakteur beim Literaturportal Bayern muss das ganz ähnlich gesehen haben, als er sich entschied, den Sammelband Dekameron 21.0 – Zehn Schlaglichter auf eine Krise herauszugeben, der, aus unterschiedlichsten Perspektiven, wissenswertes Neues aus Gegenwart und Vergangenheit zum Themenkreis „der Mensch und die Seuche“ beinhaltet – darunter natürlich auch Gunna Wendts Beitrag, in leicht gekürzter Fassung:

Drei Frauen und sieben Männer aus München und Umgebung entschließen sich, mitten im Wüten eines neuen Virus, der im Frühjahr 2020 um die Welt geht, ein Krisenbuch für Kulturinteressierte zu schreiben. Was sie alle vereint, ist ihre jeweilige häusliche Isolation und ihre phänomenologische Sicht auf das gemeinsame Thema: In zehn Essays, die sich zahlenmäßig an Giovanni Boccaccios ›Zehn-Tage-Werk‹ Decamerone von 1349/53 orientieren, knüpfen sie an die aktuelle ›Corona-Krise‹ an und beleuchten damit zusammenhängende Erscheinungen.

Die aus verschiedenen vornehmlich geisteswissenschaftlichen Disziplinen stammenden Beiträge werfen Schlaglichter auf die Krise innerhalb des Spektrums von Philosophie, Religion, Literatur, Film, Geschichte und Gesellschaft – angefangen vom alten Pesttraktat im Mittelalter bis hin zum modernen Virenausbruchsfilm im 20. Jahrhundert.

Mit Beiträgen von

  • Peter Czoik
  • Ursula Haas
  • Martin Hielscher
  • Krisha Kops
  • Uwe Kullnick
  • Franz-Josef Rigo
  • Stephan Seidelmann
  • Gunna Wendt
  • Sopie Wiederroth
  • Klaus Wolf

Mit einer Einführung des Herausgebers.


Besprechung „Donaukurier/Hilpoltsteiner Kurier:

Besprechung „Donaukurier/Hilpoltsteiner Kurier

Ein „Decamerone“ des 21. Jahrhunderts
Von Pesttraktat bis Virusausbruchsfilm: Zehn Autoren werfen in häuslicher Isolation Schlaglichter auf die Pandemie


„Dekameron 21.0 – Zehn Schlaglichter auf eine Krise“
> Link zur Buchbestellung

www.verlag-koenigshausen-neumann.de

Nachdem sich obige pandemisch-literarische Zusammenkunft bewährte, hat Peter Czoik gleich einmal nachgelegt:

Peter Czoik (Hrsg.)
Heptameron 21.0 – Sieben neue Schlaglichter auf eine Krise

Im zweiten Jahr der Pandemie entschließen sich zwei Frauen und fünf Männer aus München und Umgebung erneut, ein Krisenbuch für Kulturinteressierte zu schreiben. In sieben Essays, die sich zahlenmäßig am Heptameron der Margarete von Navarra von 1559 orientieren, knüpfen sie an die aktuelle ›Corona-Krise‹ an und beleuchten damit zusammenhängende Erscheinungen. Wie jene dem Decamerone von Boccaccio nachgebildeten Erzählungen stellt das vorliegende Buch eine Nachahmung des Vorgängerbands Dekameron 21.0 dar und ermöglicht wieder verschiedene geisteswissenschaftliche Zugänge zum Corona-Thema.

Die Beiträge werfen diesmal Schlaglichter auf die Krise innerhalb des Spektrums von Literatur, Geschichte, Medien und Pädagogik – angefangen von der pandemischen Wiederkehr antisemitischer Stereotypen bis hin zur kritischen Betrachtung der aktuell entstehenden Corona-Literatur.

Mit Beiträgen von

  • Peter Czoik
  • Martin Hielscher
  • Franz-Josef Rigo
  • Friedrich Ulf Röhrer-Ertl
  • Gunna Wendt
  • Sopie Wiederroth
  • Klaus Wolf

Mit einer Einführung des Herausgebers.


„Heptameron 21.0 Sieben neue Schlaglichter auf eine Krise“
> Link zur Buchbestellung

www.verlag-koenigshausen-neumann.de




Von Fallstricken und Chancen des bayerischen Kulturrettungsschirms, Gastbeitrag von Katrin Neoral

Prolog
Es war der 19. Mai 2020 am späten Nachmittag, als das Antragsformular zum wochenlang erwarteten bayerischen Hilfsprogramm für freischaffende Künstlerinnen und Künstler online ging. Ich weiß noch wie heute, welcher Aufruhr schon nach wenigen Minuten durch die Sozialen Medien ging: Das Programm

  • kompensierte die Corona bedingten Umsatzausfälle von Mitte März bis Ende April nicht,
  • konnte nur für drei aufeinanderfolgende Monate für insgesamt maximal 3000€ beantragt werden, was an der variablen Einkommenssituation sowie den realen Umsatzeinbußen vieler Betroffener komplett vorbeiging,
  • und schloss zunächst diejenigen aus, die bereits die Soforthilfe Corona beantragt hatten – egal ob sie Mittel daraus erhalten hatten oder nicht.

Da waren bereits herausfordernde Wochen ins Bayernland gezogen für Künstler und Kreative, die recht bald zu einer Schicksalsgemeinschaft gehören sollten: zu den vergessenen Soloselbstständigen. Die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung der Staatsregierung hatte ihnen eine Art Berufsausübungsverbot erteilt.

Bis Anfang April sah es im Freistaat so aus, als würde die Soforthilfe Corona ihre Ausfälle abfedern. Doch als die Regularien des Bundes übernommen wurden, galt die Hilfe nur noch für betriebliche Fixkosten. Die können nur wenige Soloselbstständige aus dem Kunst- und Kultursektor vorweisen. Echte Unterstützung: Fehlanzeige!

Weil die Programm-Richtlinien zur Soforthilfe Corona nachträglich verändert worden waren, bangten viele lange Zeit auch darum, ob sie das erhaltene Geld vom Staat überhaupt behalten durften. Und einige sollten wenige Monate später sogar Post von Ermittlungsbehörden bekommen: Verdacht auf Subventionsbetrug

Szene 1: Die Petition
Mir war bewusst: Die Corona-Pandemie stellt die Politik vor völlig neue Herausforderungen. Trotzdem waren all diese Unstimmigkeiten eine Initialzündung für mein Engagement. Mit Unterstützung der Kulturplattform jourfixe-muenchen e.V., des Tonkünstlerverbands Bayern e.V., des Netzwerks Freie Szene München e.V. und von 220 Privatpersonen reichte ich am 26. Mai 2020 eine Sammelpetition zur Nachbesserung des Künstlerhilfsprogramms im Bayerischen Landtag ein.

Obwohl das verantwortliche Staatministerium für Wissenschaft und Kunst inzwischen einige Veränderungen vorgenommen hatte und die Soforthilfe Corona mit der Künstlerhilfe bis zu 3000€ kumulierbar war, wurde unsere Eingabe ein paar Wochen später vom zuständigen Landtagsausschuss mit dem Votum „Würdigung“ versehen. Das Kunstministerium musste sich also nochmal mit dem Künstlerhilfsprogramm beschäftigen.

Szene 2: Diskussionsrunde „Kultur in der Krise“
Eine Reaktion aus Staatsminister Bernd Siblers Haus blieb allerdings aus. Außerdem machte der pauschale Besucherzahldeckel Kulturveranstaltungen im Sommer 2020 unrentabel und verhinderte viele Konzerte und Aufführungen, die nicht mit staatlichen Mitteln gefördert wurden. Deshalb habe ich zusammen mit der Sängerin Anamica Lindig und dem jourfixe-muenchen e.V. am 28. September 2020 die Diskussionsveranstaltung „Kultur in der Krise“ im Münchner Volkstheater initiiert. Neben Kunstminister Sibler und den kulturpolitischen Sprechern der demokratischen Landtagsopposition Sanne Kurz (Bündnis 90/ Die Grünen), Volkmar Halbleib (SPD) und Dr. Wolfgang Heubisch (FDP) saßen verschiedene Akteure des vielgestaltigen Kultur- und Veranstaltungssektors auf dem Podium.

Hubert Aiwanger war an dem Termin leider verhindert. Weil einige Betroffene aus der Kultur- und Kreativwirtschaft aber eigentlich in seinen Zuständigkeitsbereich fallen, erwirkten Anamica Lindig und ich – unter anderem in persönlichen Facebook-Chats – einen Gesprächstermin mit dem bayerischen Wirtschaftsminister, zu dem uns Mitstreiter wie Roland Hefter und Béla Rieger begleiteten. Das Ergebnis dieses Treffens und unserer Diskussionsrunde war für uns eher ernüchternd: Zwar bekam das Thema mediale Aufmerksamkeit, konkret bewegt hat sich dadurch leider nichts. Wir sollten erst noch lernen, wie dick die Bretter wirklich waren, die es zu bohren galt…

Szene 3: Einladung in den Begleitausschuss
Am 30. September 2020 war das Künstlerhilfsprogramm ohne Nachfolgemodell ausgelaufen, obwohl steigende Inzidenzzahlen breiter angelegte Öffnungen im Kultur- und Veranstaltungsbereich wieder in weite Ferne rückten und die neuen Überbrückungshilfen des Bundes weiterhin nur Fixkosten abdeckten. Bei der Münchner Demo „Aufstehen für Kultur“, die von einer Initiative um die Bratschistin Veronika Stross organisiert worden war, lud mich Kunstminister Bernd Sibler am 24. Oktober 2020 überraschend von der Bühne aus in ein Gremium ein, das sein Ministerium bei der Ausarbeitung neuer Hilfen begleiten sollte.

Zusammen mit Anamica Lindig habe ich diese ehrenamtliche Aufgabe verantwortungsbewusst aber auch mit einer gewissen Skepsis angenommen: Wir sollten unsere Expertise einbringen und die neuen Programme über unsere Netzwerke an Betroffene kommunizieren. War das Ministerium wirklich an einem konstruktiven Dialog interessiert oder sollte unsere Energie in andere Bahnen gelenkt werden? Auch wenn ich seit etwa sieben Jahren nur noch gelegentlich freiberuflich als Sängerin arbeite: Mit meiner Erfahrung als stellvertretende Geschäftsführerin eines Vereins, der Berufsmusiker ausbildet und Konzerte veranstaltet, und mit der Rückendeckung von jourfixe-muenchen e.V. und der vielen Unterstützer meiner Sammelpetition habe ich mich der Herausforderung gestellt.

Im Begleitausschuss waren bzw. sind zahlreiche Kunst- und Kulturverbänden sowie die Initiatoren von „Aufstehen für Kultur“ und andere Einzelpersonen vertreten, die sich während der Corona-Pandemie in einem größeren Kontext für die Belange von Kunst- und Kulturschaffenden engagiert hatten. Leider hat das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst versäumt, rechtzeitig transparent zu machen, dass es sich nach eigenen Aussagen um ein „offenes Gremium“ handelte. Somit wurde auch nicht kommuniziert, an wen sich Interessierte für eine Aufnahme in den Ausschuss hätten wenden sollen. Anamica Lindig und ich hatten von Anfang an um diese Transparenz gebeten, aber man hat die Thematik im Kunstministerium scheinbar unterschätzt. Das hat leider auch zu Misstrauen gegenüber dem Begleitausschuss geführt.

Demo „Aufstehen für Kultur“ auf dem Münchner Königsplatz (Foto: Katrin Neoral)

Szene 4: Die Ausschussarbeit
Unsere Diskussionen mit den Ministerialbeamten waren teils kontrovers aber immer sachbezogen. Die Kommunikation mit einem so großen Gremium aus unterschiedlichen externen Beratern war für alle Beteiligten offensichtlich eine große Herausforderung. Der Begleitausschuss konnte Vorschläge, Anregungen und Rückmeldungen einbringen, aber es wurden nicht alle Lösungen und Änderungen in Richtlinien, Antragsformularen und FAQs vorab im Detail mit uns abgeklärt. Das Kunstministerium wurde neben dem Begleitausschuss durch die Bayern Innovativ GmbH unterstützt, die unter anderem die Online-Antragsformulare mit einem externen Dienstleistern entwickelte und umsetze.

Unsere zahlreichen Videokonferenzen und Mails drehten sich auch immer wieder um die Frage: Wie viele Betroffene können in einem so heterogenen Berufsfeld mit einem Programm, das akut helfen soll, erreicht werden? Welche „Einzelfälle“ müssen unter den Tisch fallen? Das war für mich die schmerzhafteste Erfahrung. Der Begleitausschuss konnte manches einbringen, was sonst nicht berücksichtigt worden wäre. In der Natur der Sache liegt wohl, dass nicht all unserer Vorschläge Eingang in die Konzeption und Umsetzung der Programme gefunden haben. „Spagat“ und „Kompromiss“ sind für mich die abgenudeltsten Begriffe der letzten Monate – aber sie kommen der Realität am nächsten.

Die Ausschussarbeit zog sich wochenlang hin: Das Kunstministerium musste sich mit dem Bund wegen der mittlerweile eingerichteten November- und Dezemberhilfen, der Neustarthilfe, aber auch in Sachen Grundsicherung abstimmen. Zudem verzögerten interne Abklärungen mit dem Finanzministerium und dem Obersten Rechnungshof (ORH) die Ausarbeitung der Programme.

Mir ist mittlerweile klar: Ministerratsbeschlüsse geben den Rahmen vor, trotzdem können Kleinigkeiten in einer Richtlinie oder einem Antragsformular in der Realität entscheidende Auswirkungen haben. Warum nach den langen Abstimmungsprozessen des Ministeriums nach wie vor Fragen offen sind, wie sich Bundes- und Landeshilfen zueinander verhalten, hat sich mir leider nicht erschlossen. Für mich ist es auch immer noch nicht ganz nachvollziehbar, warum ein Soloselbstständigenprogramm mit einem fiktiven Unternehmerlohn nicht im Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie erarbeitet wurde.

Katrin Neoral bei der Ausschussarbeit (Foto: Anamica Lindig)

Szene 5: Licht und Schatten der neuen bayerischen Hilfsprogramme
Bis Ende Februar 2021 war ich in den beiden Arbeitsgruppen zum bayerischen Soloselbstständigenprogramm für Künstler und Vertreter kulturnaher Berufe und zum Stipendienprogramm „Junge Kunst und neue Wege“ aktiv. An den Beratungen zum verlängerten Spielstättenprogramm habe ich mich nicht beteiligt – das wäre mir neben meinem Beruf und sonstigen Verpflichtungen zu viel geworden. Hier meine persönliche Einschätzung zu den beiden Hilfsinstrumenten, die ich mit begleiten durfte:

SOLOSELBSTSTÄNDIGENPROGRAMM
Chancen & Besonderheiten:
– Es deckt die Zeiträume Oktober bis Dezember 2020 sowie Januar bis Juni 2021 ab. Pro Monat wird zur Sicherung der Lebensunterhalts ein fiktiver Unternehmerlohn von maximal 1.180€ bewilligt. Einigen kann das helfen, nicht komplett in einen anderen Beruf wechseln und noch größere Summen ihrer Altersvorsorge aufbrauchen zu müssen.

– Anders als die Bundeshilfen setzt das Programm einen Umsatzrückgang von „nur“ 30% voraus.

– Im Vergleich zum ersten Künstlerhilfsprogramm wurde es auf viele Akteure in kulturnahen Berufen ausgeweitet.

– Als Vergleichsbasis wird ein monatliches Durchschnittseinkommen aus dem Jahr 2019 herangezogen, womit es der variablen Einkommenssituation in der Kultur- und Veranstaltungsbranche mehr Rechnung trägt.

– Es berücksichtigt auch unstetig Beschäftigte, die 2019 wechselnde Festanstellungen hatten.

– Konnte die künstlerische/kulturnahe Tätigkeit aus privaten Gründen wie Schwangerschaft, Mutterschutz, Pflegezeiten oder längere Erkrankung im Jahr 2019 nicht durchgängig ausgeübt werden, werden als Vergleichszeitraum nur die vollen Monate der Erwerbstätigkeit 2019, hilfsweise die vollen Monate der Erwerbstätigkeit des Jahres 2018 herangezogen.

– Es ist mit den Wirtschaftshilfen des Bundes kumulierbar, die einen anderen Zweck verfolgen (Überbrückungshilfe II & III, November- & Dezemberhilfe, Neustarthilfe).

– Das Programm kann ohne die Hilfe eines Steuerberaters beantragt werden. Trotzdem werden die Kosten für einen Steuerberater zusätzlich übernommen, wenn sie angemessen sind – selbst wenn ein negativer Bescheid ergeht.

Fallstricke:
– Eine klare Öffnungsperspektive und die notwendige Planungssicherheit gibt es im Kultur- und Veranstaltungssektor aktuell immer noch nicht. Das Programm ist bis 30. Juni 2021 angelegt und wird deshalb als Unterstützung nicht ausreichen. Und natürlich kann es nicht den realen pandemiebedingten Umsatzausfall ersetzen. So werden einige weiterhin ihre Altersvorsorge angreifen, um an künstlerischen oder kunstpädagogischen Projekten arbeiten und über PR-Maßnahmen bei ihrem Publikum präsent bleiben zu können.

– Einige Sachbearbeiter in Bewilligungsstellen fordern von Antragstellern scheinbar viele Nachweise an, obwohl diese in den Richtlinien nur als Alternativen vorgesehen sind. Diesen bürokratischen Mehraufwand hätte man aus meiner Sicht verhindern können, wenn die Hilfen über die Finanzämter abgewickelt worden wären. Ich kann nur hoffen, dass sich nicht zu viele Künstler und Kulturschaffende davon abhalten lassen, ihren Hilfsantrag zu stellen.

– „Überkompensation“ in den Antragsmonaten Oktober bis Dezember 2020: Wer die November- und/oder Dezemberhilfe des Bundes beantragt hat, darf zwar einen Antrag für das Programm stellen. Die monatlichen Durchschnittseinnahmen im Leistungszeitraum können allerdings nicht höher sein, als der Monatsdurchschnitt im Vergleichszeitraum – bei den meisten also im Jahr 2019. Realitätsnäher wäre es aus meiner Sicht gewesen, statt dem Leistungszeitraum Oktober bis Dezember die monatlichen Durchschnittseinahmen aller Monate im Jahr 2020 heranzuziehen, die von der Pandemie betroffen waren. Denn es gab viele Monate, in denen letztendlich eine „Unterkompensation“ bestand, weil Umsatzausfälle nicht entschädigt wurden und keine passgenauen Hilfsprogramme existierten. Einige Antragsteller meldeten außerdem zurück, dass den Bewilligungsstellen offensichtlich nicht zeitnah übermittelt worden war, wie Überkompensation genau zu berechnen und zu bescheiden sei: ihre Anträge lagen einige Zeit auf Eis.

– Rückzahlungen beim verlängerten Soloselbstständigenprogramm (Januar bis Juni 2021): Es ist nur ein Antrag für den gesamten Leistungszeitraum möglich. Deshalb muss der Umsatz für einige Monate im Voraus geschätzt werden. Das gilt auch für die Neustarthilfe des Bundes. Was bei der „Endabrechnung“ an welchen Topf zurückzuzahlen ist, wenn die Einnahmen im Leistungszeitraum höher waren als im Voraus eingeschätzt, ist aktuell noch undurchsichtig. Die Neustarthilfe setzt einen Umsatzrückgang von mindestens 60% voraus, die Soloselbstständigenhilfe nur 30%. Wird bei der Endabrechnung des Soloselbstständigenprogramms ggf. berücksichtigt und kompensiert, dass ein Teil der Neustarthilfe zurückbezahlt werden musste, weil der Umsatzrückgang z.B. nur 40% betragen hat? Diese Fragen sind meines Wissens bis dato nicht eindeutig geklärt. Deshalb gilt es, auf jeden Fall Geld für Rückzahlungen zur Seite zu legen, wenn sich mehr Einnahmen im Leistungszeitraum ergeben als geplant.

– andere Hilfen für gleiche Leistungszeiträume beim verlängerten Soloselbstständigenprogramm (Januar bis Juni 2021) : Irritationen entstanden, weil im Antragsformular beim Antragsstart nach erhaltenen Wirtschaftshilfen „im“ Leistungszeitraum gefragt wurde. Manche haben deshalb die November- bzw. Dezemberhilfe oder die Überbrückungshilfe II angegeben, die ihnen im Januar oder Februar überwiesen wurde. Dieses Missverständnis löste sich auf, als aus „im“ plötzlich „für“ im Antragsformular wurde. Es werden also doch nur die Wirtschaftshilfen zur Berechnung von Überkompensation herangezogen, die für denselben Leistungszeitraum gelten (Überbrückungshilfe III, Neustarthilfe etc.). Diese müssen beim Antrag für das Soloselbstständigenprogramm gleichmäßig auf die Antragsmonate verteilt werden.

– Sackgasse Grundsicherung: Wer es sich nicht leisten konnte, auf das Soloselbstständigenprogramm zu warten, und deshalb Grundsicherung beantragt hat, darf diese nicht mit dem Programm aufstocken – selbst wenn ihm mehr aus dem Hilfsprogramm zustünde, als er aus dem ALG II bekommt. Wenn das Soloselbstständigenprogramm aber nicht ausreichen sollte, die Lebenshaltungskosten zu decken, kann man nachträglich mit der Grundsicherung aufstocken. Diese Sackgasse ist immer noch erklärungsbedürftig.

– Problemfall „Hybridexistenzen“: 51% der Einnahmen im Vergleichszeitraum müssen durch freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit in einem künstlerischen oder kulturnahen Beruf erwirtschaftet worden sein, um antragsberechtigt zu sein. Das erschien auch mir sinnvoll. Etliche Rückmeldungen zeigen nun: Viele Kulturschaffende arbeiten in Festanstellung oder in anderen Berufsfeldern, aus denen sie mehr als 51% ihrer Einnahmen erzielen. Damit sind sie nicht antragsberechtigt, obwohl ihr Umsatz gegebenenfalls auch mehr als 30% zurückgegangen ist.

– Erschüttertes Vertrauen durch Subventionsbetrugs-Ermittlungen: Um für das erste Künstlerhilfsprogramm antragsberechtigt zu sein, hatten manche Bewilligungsstellen einigen Antragstellern angeblich geraten anzugeben, dass sie die Soforthilfe Corona gar nicht beantragt hätten, wenn sie keine Mittel daraus bekommen oder die Hilfe zurückgezahlt hätten. Das war wohl in der Phase zwischen dem 19. und 27. Mai 2020, als die Richtlinie und das Antragsformular geändert wurden. Und einige, die das Künstlerhilfsprogramm für Juni bis August bzw. Juli bis September 2020 beantragt haben, nahmen irrtümlicherweise an, es gehe nur um Hilfen des Bundes im gleichen Leistungszeitraum. Sie verwechselten also die Soforthilfe Corona, die bis Ende Mai lief, mit den Überbrückungshilfen und gaben an, dass sie diese nicht beantragt hätten. Einige von ihnen wurden deshalb mit Ermittlungen wegen Subventionsbetrugs konfrontiert. Wie viele dieser Verfahren bereits eingestellt wurden, ist unklar. Das Vertrauen in staatliche Hilfen hat darunter auf jeden Fall gelitten. Da hilft aktuell nur: Mut machen, Fragen zu stellen und sich Unterstützung für Anträge an der Info-Hotline, bei Vereinen, Verbänden und Gewerkschaften oder in einschlägigen Gruppen auf Social Media-Plattformen zu suchen.

Hier geht’s zum Soloselbstständigenprogramm des bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (Antragsschluss: 30. Juni 2021): www.bayern-innovativ.de/soloselbststaendigenprogramm

Staatsminister Bernd Sibler bei „Kultur in der Krise“ (Foto: Max Ott)

STIPENDIENPROGRAMM
Chancen & Besonderheiten:
– Es gibt mehrere Antrags-Calls. Der erste endet am 31. Mai 2021 – insgesamt werden 5000 x 5000€ für zwölf Monate vergeben.

– In der erforderlichen Anfangsphase eures Schaffens befindet ihr euch laut Richtlinien, wenn ihr:
• im letzten Studienjahr an einer bayerischen Kunsthochschule oder an einer vergleichbaren Ausbildungseinrichtung in Bayern seid oder
• in den letzten fünf Jahren ein künstlerisches Studium oder eine künstlerische Ausbildung an einer bayerischen Kunsthochschule oder an einer nicht-bayerischen Kunsthochschule oder an einer vergleichbaren Ausbildungseinrichtung oder einen Aufbaustudiengang literarische Übersetzung abgeschlossen habt oder
• in den letzten fünf Jahren eine sonstige künstlerische Ausbildung abgeschlossen habt oder
• in den letzten fünf Jahren auf anderem Weg eine künstlerische Tätigkeit erstmals oder nach einer Pause von erheblicher Länge wiederaufgenommen habt.

– Wenn ihr keine staatliche Ausbildung absolviert habt, könnt ihr eure künstlerische Tätigkeit belegen durch:
• aktueller Nachweis über KSK-Mitgliedschaft und Nachweis des Versicherungsbeginns vor höchstens fünf Jahren oder aktueller Nachweis der Mitgliedschaft in einem künstlerischen Berufsverband oder in einer Verwertungsgesellschaft wie VG Wort und Nachweis des Beginns der Mitgliedschaft vor höchstens fünf Jahren oder eine Erklärung über die Pause von erheblicher Länge oder
• aktuelle Referenz einer fachkundigen Person oder Stelle (Berufsverband, Agentur, Label, Verlag), die Auskunft über die vor höchstens fünf Jahren begonnene oder wieder aufgenommene künstlerische Tätigkeit des Antragstellers geben kann oder
• Nachweis der Gründung eines künstlerischen Unternehmens (Steuerberater, Finanzamt) vor höchstens fünf Jahren.

– Ihr könnt auch einen Antrag stellen, falls ihr pädagogisch oder kunstvermittelnden aktiv seid, wenn der künstlerische Anteil dabei nicht völlig untergeordnet ist.

– Das Stipendium ist projektbezogen. Aber der Begriff „Projekt“ ist sehr weit gefasst: Als Musikerin und Musiker könnt ihr z.B. nicht nur an einer Komposition sondern auch an einer „Werkinterpretation“ arbeiten.

– Als Verwendungsnachweis ist am Ende nur ein Tätigkeitsbericht notwendig. Ihr müsst keine Kosten für euer Projekt aufschlüsseln. Und die förderungsfähigen Kosten sind recht weit gefasst. Lest dazu unbedingt in den FAQs unter „Wofür soll das Stipendium verwendet werden?“ nach!

– Ihr könnt euch gegenseitig für eure Projektvorhaben engagieren und dafür Honorare bezahlen. Wenn ihr als Musiker also z.B. miteinander probt, stellt euch Probenhonorare in Rechnung!

– Das Stipendium ist mit dem bayerischen Soloselbstständigenprogramm für Künstler und Vertreter kulturnaher Berufe kumulierbar, weil es einen anderen Zweck verfolgt und nicht unmittelbar zur Sicherung des Lebensunterhalts gedacht ist.

– Wenn ihr Grundsicherung bezieht: Ihr müsst das Stipendium beim Jobcenter angeben. Belegt eurem Sachbearbeiter unbedingt, dass das Stipendium nicht zur Sicherung des Lebensunterhalts gedacht ist. Über eine Anrechnung als Einkommen auf die SGB II-Leistungen entscheidet das Jobcenter.

Fallstricke:
– Das Stipendium bezieht sich nur auf die Anfangsphase des Schaffens. Es hätte viele Künstler in anderen Lebensphasen gegeben, die ein Arbeitsstipendium bitter nötigt hätten. Diese sind leider nicht antragsberechtigt.

– Die vielfältigen Möglichkeiten des Programms sind stark erklärungsbedürftig. Betroffene müssen z.B. dazu ermutigt werden, den Begriff des Projekts so weit wie möglich zu fassen.

– Ob das Stipendium als Einnahme bei der Grundsicherung angerechnet wird, liegt in der Entscheidungsgewalt der Jobcenter. Nach wie vor ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, warum dazu keine offizielle, einheitliche Lösung mit den Jobcentern verhandelt werden konnte. Das sollte die Bayerische Staatsregierung dringend nachholen.

Hier geht’s zum Stipendienprogramm „Junge Kunst und neue Wege“: www.bayern-innovativ.de/stipendienprogramm

Staatsminister Bernd Sibler bei „Kultur in der Krise“ (Foto: Max Ott)

Epilog

Absicherungsmodus vs. Krisenmodus
Für mich hat sich durch die Arbeit im Begleitausschuss eine grundsätzliche Problematik herauskristallisiert: Auch in einer Krise sind die politischen und bürokratischen Wege offensichtlich zu lang, um schnelle Abhilfe zu leisten. Die Verzögerungen bei der Ausarbeitung der Hilfsprogramme wurden durch Abstimmungsprozesse mit Bund, Finanzministerium und Obersten Rechnungshof (ORH) erklärt. Leider konnte unser Gremium seine Vorschläge den verantwortlichen Beamten aus Finanzministerium und ORH nie direkt vortragen, das hätte vielleicht manches für uns nachvollziehbarer gemacht.

Mir stellt sich mittlerweile trotzdem die Frage: Warum gibt die Bayerische Staatsregierung bzw. eines ihrer Ministerien in dieser Krise dem Landtag so wenig Raum bei der Begleitung von Hilfs- und Förderprogrammen? Der kann sein Einverständnis erteilen – unbeschadet etwaiger Einwände des ORH. Das Parlament entscheidet letztendlich, welche Maßgaben aus einem Prüfbericht des ORH an die Staatregierung erfolgen.

Die Sache mit dem Vertrauen
Meine anfängliche Skepsis meldete sich während der Ausschussarbeit immer wieder. Denn auch mein Vertrauen wurde besonders dadurch auf die Probe gestellt, dass nach Ankündigungen wegen Abstimmungsprozessen immer wieder so viel Zeit bis zum Antragsstart ins Land gestrichen ist. Mir ist aber auch bewusst, dass es für die Ministerialbeamten eine Herausforderung gewesen sein muss, denjenigen zu vertrauen, die zuvor durch unterschiedliche Aktionen darauf aufmerksam gemacht hatten, dass die staatliche Unterstützung von Kunst und Kultur in der Corona-Pandemie nicht ausreicht.

Hinzu kam aber auch Misstrauen „aus den eigenen Reihen“: Offensichtlich macht man sich bei manchen grundsätzlich verdächtig, wenn man auf den Dialog mit regierenden Politikern und deren Ministerien setzt. Das spricht nicht gerade für das aktuelle „System“ Politik. Dem Begleitausschuss fehlte dann aber auch das Vertrauen mancher, die selbst gerne ihre Expertise eingebracht hätten. Denn leider hat das Kunstministerium wie gesagt vorab nicht klar genug öffentlich kommuniziert, wie dieses „offene Gremium“ zustande kam: Wer wurde aus welchem Grund eingeladen? An wen sollten sich diejenigen wenden, die in dem Ausschuss mitarbeiten wollten?

Ich finde mich mittlerweile so langsam damit ab: Wer sich für etwas intensiv einsetzt, wovon er nicht unmittelbar selbst profitiert, erweckt offensichtlich bei einigen erst einmal Misstrauen. Und es gibt offenbar Menschen und Institutionen, die sich im Besitz der Deutungshoheit sehen: Welches Engagement ist angemessen, welches nicht? Was ist solidarisch, was ist unsolidarisch? Mir ist aber inzwischen bewusst: Zum Vorwurf der fehlenden Solidarität hat mit beigetragen, dass der Freistaat Bayern kein eigenes Hilfsprogramm für alle Soloselbstständigen eingerichtet hat.

Durch gegenseitiges Misstrauen schwächen wir uns allerdings besonders in unserem Engagement für Kunst und Kultur sowie für die Kultur- und Kreativwirtschaft selbst. Ich danke deshalb allen, die mir und uns ihr Vertrauen geschenkt oder den klärenden Dialog gesucht haben.

Zukunftsmusik: Starke Netzwerke
Ein positiver Nebeneffekt der monatelangen Ausschussarbeit: Verbände sind in dem Gremium enger zusammengerückt und tauschen sich intensiv aus. Seit wenigen Wochen bin ich selbst für den Bayerischen Landesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft (BLVKK) aktiv. Ende Februar habe ich mich aus dem Begleitausschuss verabschiedet, weil ich meine ehrenamtlich investierte Zeit und Energie anders nutzen wollte und mich besonders durch die BLVKK-Präsidentin Carola Kupfer, durch Bernd Schweinar, den Geschäftsführer des Verbands für Popkultur in Bayern e.V. (VPBy), und Andrea Fink, die Geschäftsführerin des Tonkünstlerverbands Bayern e.V., in dem Gremium gut vertreten fühle. Mein Dank gilt allen etablierten Verbandsvertretern, die mit Anamica Lindig und mir auf Augenhöhe zusammengearbeitet haben, und letztendlich auch Staatsminister Bernd Sibler, der den Begleitausschuss ins Leben gerufen und damit diese stärkere Vernetzung angestoßen hat.

Aktuell möchte ich mich verstärkt dafür engagieren, zusammen mit dem Vorstand des jourfixe-muenchen e.V. ein Netzwerk der Münchner Kultur- und Kreativwirtschaft mit aufzubauen und für den BLVKK den Bereich „creative culture“ mitzugestalten. Außerdem will ich besondere Helfer in der Not wie Olaf Kühne unterstützen, der sich rein ehrenamtlich ein irres Fachwissen angeeignet und mittlerweile über 1000 Anträge für Hilfsprogramme von Bund und Ländern begleitet hat – sogar Steuerberater suchen mittlerweile seinen Rat. Er kennt die Fallstricke der Bund- und Länderhilfen detailliert und versucht Augen und Ohren in der Öffentlichkeit und bei den Entscheidern dafür zu öffnen.

Die Fallstricke des bayerischen Kulturrettungsschirms könnten also zu kräftigeren Netzwerken werden, die Kunst und Kultur sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft in Bayern in Zukunft eine gewichtigere Position ermöglichen – wir werden sie für weitere Unterstützung während und nach der Corona-Krise dringend brauchen… Das hängt aber auch stark von den Menschen ab, die in diesen Netzwerken die Fäden ziehen. Ich bin gespannt!

Hier ein Überblick über mein bisheriges Engagement – ein großes Dankeschön an Gaby dos Santos für all ihre Unterstützung:

„Opre Roma – Steh auf Roma“ – Hintergründe und Hymne zum 8. April, dem Internationalen Tag der Roma, 50 Jahre nach dem ersten Weltkongress, mit einem Video-Statement 2021 von Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats deutscher Sinti & Roma

Klischee konform spielt 1967, im Debüt-Hit von Sängerin Alexandra, „Ein Zigeunerjunge Zigeunerjunge (…) am Feuer Gitarre … Tam ta ta tam tam ta tam tam ta tam.“ Entsprechend sind im Songtext „Die Wagen so bunt,“ während sie tatsächlich, in der grauen Realität der Nachkriegszeit aus nüchternem Metall waren, in denen des Winters die „Zigeuner“-Jungen und Mädchen, gemeinsam mit ihren Eltern, bitterlich froren. Sie kamen auch nicht fröhlich, von „Pferdchen so zottig gezogen“ in die Stadt, sondern fristeten vielfach vor den Toren ein Randgruppen-Dasein in Wagenburg-Schluchten.

Zigeunerjunge
60er Jahre Hit zwischen Kitsch, Klischee und Sozialkritik

Inhaltlich – immerhin – sucht der Song Zigeunerjunge die Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus. Die Protagonistin des Liedes erzählt aus Kindertagen, als „Zigeuner“ die Stadt besuchen, zu denen sie sich magisch hingezogen fühlt, insbesondere zu dem „Zigeunerjungen“. Doch die Kontaktaufnahme wird unterbunden. Insofern, wenn auch weit ab von der Wirklichkeit, handelt es sich hier um ein Lied im Zeitgeist der aufkommenden Jugend- und Bürgerrechtsbewegungen, in deren Umfeld auch die Roma-Bürgerrechtsbewegung einen Aufschwung erlebte und 1971 einen ersten Höhepunkt erreichte:

Am 8. April 1971 fand erstmals in London der Internationale Tag der Roma 
(auch Internationaler Roma-Tag oder Welt-Roma-Tag) statt.

Auf dem Kongress diskutierten 23 Vertreter aus neun Staaten kulturelle und soziale Fragen mit Bezug auf die Roma. Dabei wurde unter anderem die vielfach als diskriminierend empfundene Fremdbezeichnung „Gypsy“ bzw. „Zigeuner“ zugunsten der Eigenbezeichnung „Roma“ verworfen. > MEHR

Flagge der Roma, angenommen auf dem Ersten Welt-Roma-Kongress am 8. April 1971, > Quelle

Die Flagge der Roma  (O styago le romengo auf Romani) wurde bei dieser Gelegenheit zu einem Symbol der internationalen Roma-Ethnie proklamiert. Das Blau in der oberen Hälfte und das Grün in der unteren Hälfte repräsentieren Himmel und Erde. Außerdem enthält die Flagge der Roma ein rotes Chakra, auch Speichenrad genannt, im Zentrum der Flagge. Das Chakra bezieht sich auf die indische Herkunft der Roma. Die indische Flagge enthält ebenfalls ein Chakra.

Innerhalb der Subgruppen ist das Symbol umstritten. So verwendet der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma es nicht. Das Rad stehe für die Vorstellung von einer „nomadisierenden“ Bevölkerungsgruppe. Das sei eine falsche Vorstellung, wie sie auf z. B. die mitteleuropäischen Roma (Zentralrat: „Sinti und Roma„) nicht zutreffe. > MEHR

Liedtext (Auszug)
Textversion von Žarko Jovanović in Romane

1. Strophe
Djelem djelem lungone dromesa
Maladilem schukare romenzad
jelem djelem lungone dromesa
Maladilem bachtale romenza

2. Strophe
Sine man yekh bari familiya
Murdadas la i kali legiya
Aven mansa sa lumniake Roma
Kai putardile e romane droma
Ake vriama, usti Rom akana
Men khutasa misto kai kerasa

Refrain:
Ahai, Romale, ahai Chavalle,
Ahai, Romale, ahai Chavalle!


Auf meinem sehr sehr langen Weg
Traf ich viele schöne Roma
Auf diesem sehr sehr langen Weg
Begegneten mir viele glückliche Roma.


Ich hatte einmal eine große Familie
Die Schwarze Legion ermordete sie.
Kommt mit mir Roma aus der ganzen Welt
Für die Roma die Straßen geöffnet haben
Jetzt ist die Zeit, steht auf Roma, jetzt
Wir steigen hoch, wenn wir handeln

Refrain:
Ahai, Roma, ahai Kinder,
Ahai, Roma, ahai Kinder!

Ein zweites Vermächtnis jenes denkwürdigen Datums war die Festlegung einer verbindenden Hymne aller Roma: »Dželem, dželem«. Žarko Jovanović verfasste 1969 einen neuen und politischen Text auf die Melodie dieses traditionellen Liedes, der die Vertreibung und Ermordung der Roma durch kroatische Faschisten – die sogenannte „Schwarze Legion“ – beschreibt

Die Romni Dr. Petra Gelbart erläutert: Das Lied mit dem Titel »Gelem, gelem« (auch »Dželem, dželem« oder ähnlich) wurde 1971 auf dem ersten Internationalen Roma-Weltkongress als National- oder Internationalhymne der Sinti und Roma institutionalisiert. Bis 1971 war das Lied einer großen Zahl von Rom_nja, vornehmlich auf dem Balkan, bereits als Volkslied bekannt.

Nach dem Kongress begann man schließlich, das Lied als internationale, zuweilen im politischen Sinn »offizielle« Hymne zu verbreiten. Die dritte und vierte Strophe wurde auf dem Kongress der International Roma Union mehr oder weniger neu konzipiert – zusammen mit der Flagge, die die Hymne üblicherweise in politischen Zusammenhängen begleitet.

Die Annahme dieser beiden Symbole, wie auch die organisierten Veranstaltungen und Strukturen, die dies erst ermöglicht haben, setzten einen sichtbaren, hörbaren, in Worten proklamierten und fortdauernden Prozess in Gang, der kollektiv als »Roma-Nationalismus« bekannt ist.

Petra Gelbart, Die Roma-Hymne als Mikrokosmos der Vielfalt, auf der WEBSITE von www.romarchive.eu
Die Romni Dr. Petra Gelbart ist Pädagogin, Wissenschaftlerin und Musikerin.

Doch bei aller musikalischen Symbolik und kulturellen Besinnung darf nicht übersehen werden, dass sich der Internationale Tag der Roma auch  als ein weltweiter, hochpolitischer Aktionstag versteht, mit dem auf die Situation der Roma, insbesondere auf deren Diskriminierung und Verfolgung, aufmerksam gemacht werden soll. Begangen wird er, qua formellem Beschluss auf dem Vierten Welt-Roma-Kongress (1990 in Serock/Polen), alljährlich.

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Und das ist auch bitter nötig! …

… Denn Antiziganismus ist weiterhin – ob bewusst oder unbewusst – fest in der Mehrheitsgesellschaft verwurzelt. Eine Umfrage ergab, dass !zwei Drittel der deutschen Bevölkerung noch immer keine Sinti und Roma in der Nachbarschaft wünschen, was unter anderem daran liegt, dass sie persönlich meist gar keinen Kontakt zu dieser Ethnie haben und somit auch keine Ahnung über deren Kultur und Lebensweise; zumal viele Sinti und Roma es aus nachvollziehbaren Gründen vermeiden, sich als solche erkennen zu geben, aus Furcht vor möglichen Repressalien. Immer wieder ernte ich Erstaunen, wenn ich erwähne, wie viele MitbürgerInnen mit „ziganen“ Wurzeln unerkannt unter uns leben, ganz ohne Kastagnetten und Kreolen als Ohrringe 😉

Wie oft muss ich des weiteren erklären, dass das Phänomen osteuropäischer Bettlerbanden mit den prekären Lebensverhältnissen in deren Heimatländern zusammenhängt und nicht mit der Ethnie, zu der übrigens Prominente zählen, wie Kino-Legende Yul Brynner, der sich zeitlebens für „seine Menschen“ engagierte oder Schlagerikone Marianne Rosenberg (was sich immerhin langsam herum spricht).

Marianne Rosenberg, Schlagernacht des Jahres, Stuttgart, 2018-10-13, Photo: rawpic@protonmail.com
Yul BrYnner (Mitte)
beim Welt-Roma-Kongreß 1978 in Genf

Ihr Vater Otto Rosenberg ist ein Überlebender des Völkermords an den europäischen Roma und Sinti (Porajmos) und langjähriges Vorstandsmitglied des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Ihre Schwester Petra Rosenberg ist die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg. > MEHR

Vorsitzender des Zentralrats deutscher Sinti & Roma ist nach wie vor Romani Rose, der, durch seine Initiative eines Hungerstreiks auf dem Gelände der KZ-Gedenkstelle Dachau an Ostern 1980, einen Meilenstein im Kampf für die Bürgerrechte der Sinti & Roma setzte. Inzwischen hat sich glücklicherweise einiges getan und ein Reihe von Bundesländern haben Staatsverträge mit den jeweiligen Landesverbänden deutscher Sinti & Roma geschlossen, aber weiterhin besteht Verbesserungsbedarf, auf nationaler Ebene ebenso, wie auf internationaler. Dies betont auch Romani Rose in seiner nachstehenden Rede zum diesjährigen internationalen Tag der Roma:

Internationaler Roma Tag:
Sinti und Roma sind in Europa immer noch von Apartheid und Gewalt bedroht

Statement von Romani Rose zum Internationalen Roma Tag 2021

„Es ist beschämend, dass die fast 12 Millionen Sinti und Roma in Europa heute immer noch mit Ausgrenzung, Diskriminierung, Apartheid und Gewalt konfrontiert werden. Und das, trotz ihrer Jahrhunderte alten Geschichte, trotz des Holocaust, in dem im NS-besetzten Europa 500 000 Sinti und Roma ermordet wurden. In vielen Ländern haben die Menschenrechte nach den Erfahrungen der nationalsozialistischen Barbarei einen hohen Stellenwert. Doch gelten diese immer noch nicht für alle Sinti und Roma in Europa. Diesen beschämenden Zustand müssen wir gemeinsam, als gesamte Gesellschaft, endgültig ändern. Wir appellieren daher an die nationalen Regierungen, den strategischen EU-Rahmen umzusetzen und die Roma endlich als gleichberechtigten Teil der Gesellschaft wahrzunehmen.“

Presseportal – Zentralrat Deutscher Sinti und Roma – 7. April 2021, Ausschnitt aus Romani Roses Statement

Siehe dazu auch die Biografie von Behar Heinemann:
„Romani Rose – Ein Leben für die M:enschenrechte“

228 Seiten, 21 B x 24 cm H, Hardcover, Fadenheftung
ca. 250 Abbildungen (überwiegend farbig).
ISBN 978-3-946046-07-3
20,00 EUR gebundener Ladenpreis (D) inkl. 7 % USt.

Erhältlich im Buchhandel oder online beim Verlag


Weitere Beiträge, Fotos und Informationen
zum Thema „Sinti & Roma, Jenische und Reisende“
auf der > Übersichtsseite



Michael Heininger & Wolfram Kastner: „Versuch einer Vernissage“, AZ-Artikel von Daniela Schwan zur Ausstellung „KoronaCunst oder coronaKUNST“ bis zum „panischen Ende“ zu besichtigen durch die Fensterscheibe der Galerie Christoph Dürr

Daniela Schwan, People- und Kulturjournalistin, besuchte für die AZ
die Vernissage von Maler/Cartoonist Michael Heininger (Mitte) und Aktionskünstler Wolfram Kastner

„Wir locken Sie nicht down, sondern an, mit Kunst trotz Corona! Schaun’n Sie mal hin, bleiben Sie bitte „negativ“, aber positiv gestimmt!“ heißt es auf der Einladung der beiden Münchner Künstler-Urgesteine Michael Heininger und Wolfram P. Kastner, die sich zu einer außergewöhnlichen Ausstellung zusammengefunden habe, deren „Hygiene-Konzept“ allen bisherigen Lockdown-Geboten Widerstand leistet. Titel der Ausstellung KoronaCunst oder coronaKunst.

People-und Kulturjournalistin Daniela Schwan berichtet von ihrem Besuch der Vernissage, die unter den gegebenen Widrigkeiten wohl eher den „Versuch einer Vernissage“ darstellte, so die Überschrift zum Beitrag.


Flyer zur Ausstellung:


Über die begrenzten Möglichkeiten eines Schaufensterblickes hinaus,
kann die Ausstellung auch virtuell besichtigt werden,
auf der Homepage der Galerie Christoph Dürr >

„KoronaCunst oder coronaKUNST“
> Link zum virtuellen Einlass

www.galerie-ch-duerr.de

Die Galerie Christoph Dürr, gegründet 1963, ist selbst ebenfalls ein spannender Ort:

Dieser Galerie ist eine Buchdruckerei mit Hand- und Maschinensatz angegliedert, die zu besichtigen ist und in der noch immer im alten gutenbergischen Verfahren gesetzt und gedruckt wird.

Galerie Christoph Dürr
Hübnerstraße 5
80637 München-Neuhausen

Telefon: 089 / 12 93 99 2
Telefax: 089 / 18 87 22
E-Mail: ch-duerr@galerie-ch-duerr.de
Internet: www.galerie-ch-duerr.de

Öffnungszeiten:
Di-Fr 14-18 Uhr
Sa 11-14 Uhr



Oster-Lesetipp: „Anarchismus in Bayern“, Themen-Dossier von Schriftstellerin Gunna Wendt im „Literaturportal Bayern“; in Interviews und Zitaten u.a. Konstantin Wecker, Wolfram Kastner, Ruth Drexel, Erich Mühsam

Titel-Collage: Das Ausgangsbild stammt von Maler Wolfram Kastner: ARTE amore ANARCHIA und ist das Beitragsbild von „ANARCHISMUS IN BAYERN“ im Literaturportal Bayern
Einmontiert: Schriftstellerin Gunna Wendt und links oben das GdS-Logo: Die Theatermaske mit Perlenträne

„In der Auseinandersetzung mit den aktuellen Begrenzungen ist es notwendig, neue Inhalte und Formen zu kreieren.“ äußert Gunna Wendt einleitend zu ihrem neuesten Beitrag im Literaturportal Bayern. Dabei konzentriert sie sich auf die Sicht zeitgenössischer Kunst- und Kulturschaffender, die sie mit Anarchismus in Bayern assoziiert. Nur ganz am Anfang streift Wendt dessen historische Entwicklung, die prägend für die Münchner Bohème in der Gründerzeit war, indem sie zwei Ikonen jener Künstlerschaft zu Wort kommen lässt: Franziska zu Reventlow, die mit dem Text Anarchie und Bohème vertreten ist und den Schriftstseller und Philosophen Erich Mühsam. Zu Beginn des ihm gewidmeten Textes Anarchie und Wahrhaftigkeit steht ein leidenschaftliches Zitat, in dem der Anarchist Selbstdisziplin und Eigenverantwortung einfordert:

die Menschen verlangen nach Herrschaft, weil sie in sich selbst keine Beherrschtheit haben. (…)

Sie schreien nach Polizei, weil sie allein sich nicht schützen können gegen die Bestialität ihrer Instinkte. Wo ihr Zusammenleben gemeinsame Entschlüsse verlangt, da lassen sie sich vertreten (die deutsche Sprache ist sehr feinfühlig), weil sie den eigenen Entschlüssen zu trauen nicht den Mut haben. (…)

Erich Mühsam: Anarchie. In: Wir geben nicht auf! Texte und Gedichte Hg.: Günther Gerstenberg, München 2002
Erich Mühsam (1928, kurz vor seinem 50. Geburtstag);
Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1981-003-08 CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,

Was Mühsam vor über hundert Jahren beanstandete, tritt insbesondere jetzt, in der Corona-Krise, in Teilen unserer Gesellschaft schmerzlich zu Tage, weil vielfach übersehen wird, dass Freiheit, ob nun in politischem, gesellschaftlichem oder spirituellem Kontext, maßgeblich einer Eigenleistung bedarf.

Wendt führt des weiteren den Politologen und Philosophen Rolf Cantzen auf, der den Anarchismus als „Lebenselixir“ für die Demokratie versteht und wiederum den Anarchisten und Kognitionspsychologen Rainer Mausfeld zitiert:

Anarchismus und Demokratie sind in den Zielen fast deckungsgleich, nämlich eine menschenwürdige Gesellschaft zu konzipieren und zu realisieren.

Rolf Cantzen, „Die lange Nacht über Anarchismus“, Deutschlandfunk Kultur, 2. Mai 2020

Mit dem Begriff des „Anarchismus“, das wird in Wendts Beitrag schnell sichtbar, verbindet sich ein vielfältiges Programm (…), das sich mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen verknüpfen lässt, keinesfalls aber mit Chaos oder Gewalt, wie häufig suggeriert wird. Auch mit dem Begriff einer „Ideologie“ verträgt sich der – gedankliche Freiheit einfordernde – Anarchismus nicht, ein weiterer Aspekt, der mir sehr zusagt, wie daher auch lange Passagen aus dem Interview mit Konstantin Wecker, unter dem Titel: Die Poesie ist anarchisch.

Um das „Recht auf eine herrschaftsfreie Gesellschaft“ durchzusetzen ist der Kampf gegen eine Weltanschauung notwendig, „die als ewig gefestigt, in Stein gemeißelt und unverrückbar erklärt wird.

Konstantin Wecker: Auf der Suche nach dem Wunderbaren. Poesie ist Widerstand, München 2019

Um den Begriff „Anarchie“ sowie um Gunna Wendts pointierte Fragen herum, formulieren auch ihre weiteren GesprächspartnerInnen überraschende Gedankengänge, die ich mit Gusto reflektiert oder auch weitergesponnen habe und teilweise noch viel weiter spinnen werde 😉 – denn Gunna Wendts literarisch-philosophisches Kompendium zum „Anarchismus in Bayern“ lädt zum „Immer-wieder-Schmökern“ ein. Zudem eignet es sich hervorragend zur geistigen Erbauung an Ostern, einem Fest, das – unabhängig von jeglicher Konfession – an einen Vordenker erinnert, dessen Lebensstil, Werte und Forderungen ihn zu einem kongenialen Gesprächspartner für dieses Themen-Dossier gemacht hätten …


Zum Beitrag von Gunna Wendt > Anarchismus in Bayern

Themengliederung


> MEHR zu Gunna Wendt sowie zu ihren Büchern



Foto-Retrospektive von AZ-Stadtspaziergänger und Fotograf SIGI MÜLLER zu den Lichtinstallationen am Holocaust-Gedenktag der Münchner Sinti & Roma sowie seine AZ-Kolumne 29.3./Au-Haidhausen

Titelbild: Projektion eines Fotos (vermutlich von 1934) von Josef Maria Schneck (1930 – 1944), auf der Außenfassade des NS-Dokumentationszentrums in München, fotografiert am 13.3.2021 von > Sigi Müller.

Um die Projektionen an der Außenfassade des NS-Dokuzentrums fotografisch einzufangen, die an den Holocaust der Münchner Sinti und Roma erinnerten, bedurfte es ausgeprägter Feinfühligkeit, gepaart mit sehr solidem handwerklichem Können, zumal die Fotos in der kurzen Zeitspanne zwischen Tageslicht und Dunkelheit entstehen mussten, um auch das Gebäude zu erfassen. Daher wandte ich mich an Fotograf und AZ-Kolumnist Sigi Müller.

Dieser begab sich also, statt auf einen Stadtspaziergang, diesmal auf eine bedrückende Zeitreise in eines der dunkelsten Kapitel unserer Stadtgeschichte, zu der die stürmischen Wetterverhältnisse und der bereits bei Tag verhangene Himmel passten. Entstanden ist dabei eine Fotodokumentation, die einmal mehr belegt, wie ein Bild imstande ist, mehr auszudrücken, als die berühmten 1000 Worte … In diesem Fall die Tragik, die sich mit dem Schicksal jener Münchner Sinti & Roma verbindet, die am 13.3. 1943 aus unserer Stadt deportiert wurden.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 2021_03_13_sinti_roma_stilles-gedenken_livestream_ns-dokumentationszentrum-1-edited.png.
Titelcollage zu meinem Beitrag am 13.3. >
Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma

Das, was MitbürgerInnen einst an Unrecht angetan wurde, überträgt Sigi Müller in vorliegender Foto-Sequenz auf unsere Gegenwart, in das Niemandsland der „blauen Stunde“, zwischen Tag und Nacht, Schein und Sein, gestern und heute: Das Licht von Auto-Scheinwerfern und Straßenlaternen kontrastiert die brüchige Idylle alter Familienfotos, projiziert auf die Fassade des NS-Dokumentationszentrums, die als steinerne Leinwand irritierend glatt erscheint, angesichts des Sterbens, von dem Todesdaten in weißen Lettern künden, hinein in die aufkommende Nacht, immer wieder, sogar vom Auslöschen einer kompletten Familie, umsäumt von noch kahlen, heutigen Ästen. Dann wieder blickt ein Junge voller Lebensneugier vom jetzt dunkelviolett eingefärbten Gemäuer in eine Zukunft, die vielleicht schon hinter ihm liegt. Ebenso wenig ahnt ein anderer Junge, auf den Knien seiner Mutter, was ihm bevorsteht, als eines der menschlichen Versuchskaninchen des Dr. Mengele in Auschwitz … Ich hingegen habe, während ich die ProtagonistInnen in Schwarzweiß auf Sigi Müllers Fotos betrachte, ihnen allen ein Wissen voraus, das mich erschüttert, weil es deren Arg- und Wehrlosigkeit noch betont: Ich kenne ein entscheidendes Stück Zukunft mehr als sie …

Da ich in meiner Dokumentation zum 13.3.2021: Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma aus Platzgründen Sigi Müllers Fotos nur kleinformatig veröffentlichen konnte, bilde ich sie nachstehend nochmals einzeln und in größer ab, denn solcherart Momentaufnahmen verlangen nach einem zweiten Blick – und nach weiteren mehr, aus künstlerischen wie auch aus historischen und humanitären Gründen.

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Lichtinstallation zur kurzen Vita von Eduard Herzenberger; der 18jährige Sinto wurde in Stadelheim wegen Bagatelldelikten als „Volksschädling“ hingerichtet

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Ein Münchner Sinto-Junge

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Komplett ausgelöscht durch den Holocaust: Die 7köpfige Münchner Sinti Familie Held

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Bild aus glücklicheren Tagen einer Münchner Sinti-Familie, vor dem Holocaust

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Adelheid Bamberger – Ein Schicksal verliert sich im Dunkeln …

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Die Familie Höllenreiner war die größte der deportierten Münchner Familien; bei dem kleinen jungen auf dem Schoß handelt es sich um Peter Höllenreiner, der mit seinem Bruder Hugo das „Zigeunerlager“ in Auschwitz überlebte.

Schwer fällt mir jetzt, eine Überleitung zu den regulären AZ-Stadtspaziergängen Sigi Müllers zu finden, aber solcherart Kontraste machen das DaSein ja auch aus …


Angesiedelt in einer Art Niemandsland zwischen Gegenwart und Vergangenheit war auch Sigi Müllers Kolumne von vergangener Woche:

Kein Zug nach Nirgendwo

AZ von Dienstag, 23.3.2021, Fotos/Text: Sigi Müller
Gebaut, kurz benutzt und dann vergessen: Der alte Olympia-Bahnhof (Oberwiesenfeld) verrottet zu dem wohl bekanntesten „Lost Place“ in der Stadt

Aktuell hat es ihn nach Au-Haidhausen, „meinem“ Viertel, verschlagen:

Vergessenes Eckerl im Wandel

OBERE AU: Hier, an der Schnittstelle zu Haidhausen, hat der Stadtspaziergänger echte Raritäten, aber auch ganz schön viel Neues entdeckt

Montags ist in der Regel Zeit für einen Streifzug via Bild und Text durch München, mit AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller. So auch heute wieder!

Unter dem Titel „Licht und Schatten überm Gleis“ lädt der Fotograf und Kolumnist die AZ-LeserInnen diesmal zu einer Tour über den jüngst fertiggestellten Arnulfsteg und erläutert dabei seine Wahl der Schwarzweiß-Fotografie als Mittel seiner Wahl für diese Bilderstrecke, die mich persönlich vom Aufbruch in die Ferne träumen lässt …

Ach ja, und an die Einsicht von Radl-Rambos appelliert unser Stadtspaziergänger auch, was wirklich nicht schaden kann, zumal die Route über den Arnulfsteg eher genossen als durchrast werden sollte 😉


Mehr zu Sigi Müller:

Sigi Müller
Sigi Müller, Fotograf und „Stadtspaziergänger“ der AZ

> www.augenblick-fotografie.com



„Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern“: Essays. Gespräche. Reportagen. Herausgegeben von Gabriele Werth

Gabriele Werth (Foto: Marek & Beier) hat ein Buch mit Texten ihrer langjährigen Freundin, der Musikjournalistin Ingeborg Schober herausgegeben

Mehr als 10 Jahre nach ihrem Tod bewegt Ingeborg Schober noch immer die Menschen, sowohl durch ihre bewegte Vita, festgehalten im Historical „Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“, wie auch durch ihr Wirken als erste namhafte Musikjournalistin Deutschlands: Im Juni 2021 steht nun ihr literarischer und publizistischer Nachlass im Vordergrund, mit dem Buch Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern, das auf Initiative ihrer Freundin Gabriele Werth (siehe Titelbild) im Juni 2021 im Verlag Andreas Reiffer erscheinen wird.

Bildcollage von Gaby dos Santos aus dem HISTORICAL > „Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“
Bildausschnitt rechts: Die junge Ingeborg im Gespräch mit David Bowie und dessen damaliger Frau

Buchankündigung des Verlags: Ende der 60er Jahre, als der Musikjournalismus noch in den Kinderschuhen steckte und von Männern dominiert war, profilierte sich Ingeborg Schober (1947–2010) als erste Rockmusikjournalistin der Bundesrepublik.

In der Münchner Szene zu Hause, verfasste sie vor allem in den 70er und 80er Jahren Artikel für Sounds, Musikexpress und Rock Session; reiste dafür nach London, Amsterdam, Tokio und Atlanta. Stets an experimentellen Klängen interessiert, begleitete Schober die deutsche Rockszene um Amon Düül und weitere »Krautrocker«, entdeckte früh die Avantgarde-Musiker Can und Elektronikpioniere wie Neu!, Kraftwerk und Michael Rother. Sie bereitete hierzulande mit ihrer authentischen, unterhaltenden sowie faktenreichen Schreibe den Weg für New Wave-Künstler wie Talking Heads, XTC, Human League und Ultravox.


Die Herausgeberin Gabriele Werth ediert in »Die Zukunft war gestern« eine Reihe von Schobers herausragenden und bis heute relevanten Texten. Ingeborg Schober wird nach wie vor von zahlreichen Musiker:innen geschätzt und von ihren Fans verehrt. Darüber hinaus ist sie ein wichtiges Vorbild für Autor:innen im heutigen Musikjournalismus und der Popliteratur.

»Als Musikfanatiker war ich Fan ihrer Texte über Musik. Daran erkennt man vielleicht auch, wie sehr Musik an Bedeutung verliert. Früher waren sogar Musikjournalisten Stars. Heute kennen die Leute kaum noch den Namen des Bassisten.« 

Bela B.

»Die einzige Frau, zu der man überhaupt aufblicken konnte, weil sie die einzige Frau in diesem Männerhaufen war – eben in dieser Musikredaktion –, die sich da Respekt verschafft hat.« 

Sandra Maischberger (Abschrift eines O-Ton-Ausschnitts aus „Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“ )

Das Buch erscheint am 8. Juni 2021 und ist > vorbestellbar.
Weitere Infos und eine Leseprobe folgen.

> LINK zur Verlagsseite



„Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“: Vom Schicksal der Frau, die als erste Musikjournalistin Deutschlands Kulturgeschichte schrieb, ein Historical von Gaby dos Santos und Jon Michael Winkler (Musik)

Claudia Cane singt „Mercedes Benz“ vor einer Bildcollage zu Janis Joplin, der Ingeborg Schober eine Biografie widmete

Ingeborg Schober befand sich über Jahrzehnte auf Tuchfühlung mit den Stars der internationalen Rock- und Popszene, sah den Erfolg späterer Kultbands wie „Kraftwerk“ voraus und verewigte die Idole der Jugendbewegung in zahlreichen Artikeln, Rundfunkbeiträgen und Büchern.

Die vorliegende Produktion begibt sich auf einen musikalisch-zeitgeschichtlichen Streifzug durch die Zeiten von Flowerpower, Krautrock, E-Pop, Glamrock, etc., festgemacht am Schicksal einer Frau, die zur ersten Pop–Journalistin Deutschlands wurde. Nachempfunden wird ihre Vita anhand privater Fotos und zahlreicher O-Töne prominenter WeggefährtInnen, wie

> Sandra Maischberger

oder Fritz Egner

(s. nachstehende Bildcollage)

Im Livemusikteil der Produktion lässt Sängerin Claudia Cane – “The Voice Of Rock’n Roll – den Soundtrack aus drei Jahrzehnten Pop- und Rockmusik Revue passieren (siehe nachstehende Bildsequenzen), arrangiert von Jon Michael Winkler und kombiniert mit farbintensiven Bildcollagen von Gaby dos Santos, die den Zeitgeist einfangen.

Claudia Cane, The Voice of Rock’n Roll, vor Bildprojektionen aus „Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“, während der öffentlichen Proben zur Langen Nacht der Musik 2015,
im ARTIST STUDIO von Peter Lang; Fotos: Stefan Prager
Songtafel zu „Strange Days“, einem der Songs, die Claudia Cane im Livemusikteil des Historicals interpretiert, Bildcollage von Gaby dos Santos

Uraufgeführt wurde das Historical zu Ingeborg Schobers fünften Todestag im Münchner Gasteig, in Zusammenarbeit mit Ingeborgs Schwester Andrea Fink und mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der LH München.

Geplant war eine Reprise zum 10. Todestag, die jedoch auf Grund der Corona-Pandemie entfiel.


Nunmehr plant Gaby dos Santos eine Reprise zum 75. Geburtstag von Ingeborg Schober, um den 19. Oktober 2022 herum.

Mehr dazu in nächster Zeit, Stand 26.3.2021


Zur Produktion „Ingeborg Schober – Eine Poptragödie“ siehe auch:

Claudia Cane singt „Mercedes Benz“ vor einer Joplin-Bildcollage von Gaby dos Santos (rechts im Bild)
Öffentliche Probe im Artist Studio (UG Münchner Künstlerhaus), Foto: Stefan Prager

Reflektionen von Jon Michael Winkler im Vorfeld der Uraufführung

Eindrücke von der Pressekonferenz im Internationalen PresseClub München

> Mehr zu den Produktionen: Historicals/Collagen von Gaby dos Santos



Gottes verstoßene Kinder? – Über die Vereinbarkeit von Homosexualität und Spiritualität, Gastbeitrag von Jon Michael Winkler > Teil 1: Die Bibel unterm Regenbogen

Dass gleichgeschlechtlich Liebenden seitens der katholischen Kirche weiterhin der Segen verweigert bleibt, hat viele Gläubige zutiefst enttäuscht. Zugleich stellt sich einmal mehr die Frage, ob denn Spiritualität und Homosexualität wirklich so unvereinbar sind, wie Rom es jüngst erneut verlautbaren lies.
Zu dieser Frage hat sich mein Freund und langjähriger jourfixe-Wegbegleiter Jon Michael Winkler bereits im November 2016 auf eine spannende theologische Spurensuche begeben. Daraus entstanden ist nachstehender Beitrag, den ich aus gegebenem Anlass noch einmal veröffentliche.

Gaby dos Santos

„Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast, denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.“ (Sprüche Salomos, 11,24-12,1)

Vergleichsweise leben wir als schwule und lesbische BürgerInnen der westlichen Welt auf den „Inseln der Glückseligen“. Und es gibt viele Stimmen, die meinen, dass wir als Homosexuelle nun doch alles erreicht hätten und es eigentlich keine Gründe mehr gäbe, uns zu beklagen oder öffentliche Diskussionen zum Thema „queerer“ Gleichberechtigung zu führen. Das halte ich für einen Irrtum, denn eigentlich fangen wir erst damit an, die jahrhundertelange Geschichte der Ächtung und Verfolgung aufzuarbeiten, gesellschaftlich und im eigenen Innern. Was…

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