Die feminine Saite – Wahrnehmung und Rolle der Frau in der Musik: Aktualisiert in Zusammenhang mit der 2. Konferenz von musica femina München e.V.: „Und sie komponieren, dirigieren doch!“/Carl-Orff-Zentrum u.a., 8. – 10. Oktober 2021

„Il violino“ sagt der Welsche, „Le violon“ nennt’s der Franzos. Dass man so das Genus fälsche, Wundert unsereinen groß. Uns erscheint die Violine immer nur als eine Frau. Zeigt sich doch das Feminine schon in ihrem Körperbau.

Bild Karikatur Frau als Geige mit UT: Gedicht und Abb. aus: „Frau, Musik und Männerherrschaft“ (Berlin 1981, S. 7)
Gedicht und Abb. aus: „Frau, Musik und Männerherrschaft“ (Berlin 1981, S. 7)

Schlank der Hals das Köpfchen zierlich, Sanftgeschwellt der Busen – und Etwas breiter, wie natürlich (Nicht zu breit!) das Hüftenrund. (…) Und doch ist das tiefste Sehnen Aller Geigen, aller Fraun, An die Schulter sich zu lehnen Einem, dem sie ganz vertraun. (…) Als besiegte Siegerinnen Ihrer Niederlage froh … Geigen streichen, Weiber minnen: Wunderbares Quiproquo!

Nicht umsonst stellt die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger in ihrem Buch  „Frau, Musik und MännerherrschaftZum Ausschluss der Frau aus der deutschen Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Musikausübung“ – obiges Gedicht an den Anfang, spiegelt es doch wieder, mit welcher Süffisanz sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts der männliche Teil unserer Gesellschaft über den anderen, den weiblichen Teil, erhob. Das wirkte sich auch auf die Rolle und Wahrnehmung der Frau in der Musikwelt aus. Diese wurde über Jahrhunderte von männlichen Musikschaffenden dominiert, mit entsprechendem Ergebnis, denn: „(…) dann bildet die männliche Identität einen integralen Bestandteil der ästhetischen Produktion selber“ (…), so Rieger in der Einleitung ihres Buches. Der Frau wurde die Rolle als Haushälterin ihres Mannes und Mutter seiner Kinder zugewiesen, eine kommode Lösung, die man(n) sich verständlicherweise zu erhalten strebte.

Hausfrau und Mutter - für lange Zeit DAS Rollenbild der Frau
Hausfrau und Mutter – für lange Zeit DAS Rollenbild der Frau

Das begann schon bei der Erziehung. Der Philosoph Jean Jacques Rousseau empfahl beispielsweise:“ (…) sowie der Lehrer nicht mit Zwang sparen; er ist sogar nötig, weil sich Frauen später dem Urteil ihres Mannes unterwerfen müssen und sie daher Sanftmut erlernen sollen.“
„So halte ich es für die Pflicht des Erziehers, das aufstrebende Genie des Mädchens zurückzudrücken und auf alle Weise zu verhindern, dass es selbst die Größe seiner Anlagen nicht bemerke“, schreibt der Philosoph Carl-Heinrich Heydenreich um 1800.

Clara Schumann; Quelle: Home/Arcor
Clara Schumann; Quelle: Home/Arcor

Was unterdrückt wird, entfaltet sich nicht, zeigt daher keine Teilhabe und wird entsprechend auch nicht in Betracht gezogen. Kein Wunder, dass sich die hochbegabte Pianistin und Komponistin Clara Schumann, jene, die lange unsere 100-Mark-Scheine zierte, von Hans von Bülow anhören durfte: „Eine Komponistin wird es niemals geben!
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerte sich der Musikwissenschaftler  Kurt Singer (1885–1944): „Frauen sind unproduktiv in Musikdingen, ihr tieferes Sein ist in anderer Art von Mutterschaft verankert. Vielleicht liegt auch hier ein Geheimnis still und unlösbar verborgen: dass nämlich das Weib Anregerin und Inhalt hehrster Musik sein soll …“ 

musica femina muenchen - Bildleiste der Hompage mit Komponistinnen
musica femina muenchen – Bildleiste der Hompage mit Komponistinnen

„… Komponistinnen gehören zur Musik so selbstverständlich wie Komponisten. Sie leisten ihren wesentlichen Beitrag zur Musikkultur. Die lange Zeit unterdrückte oder zurück gedrängte Rolle der Frau als Komponistin hat allerdings dazu geführt, dass Werke von Komponistinnen nicht gleichermaßen im Licht der Öffentlichkeit stehen wie das bei ihren männlichen Kollegen der Fall ist“, argumentieren hingegen die Frauen des Vereins musica femina münchen auf ihrer Homepage. Seit knapp 30 Jahren engagieren sie sich für eine höhere Sicht- und Hörbarkeit von Frauen in der Musik. Ihr Antrieb lautet bis heute: „Wenn niemand sich um die Werke von Komponistinnen kümmert, sie ausgräbt, einstudiert und aufführt, nehmen wir das eben selbst in die Hand!“ (aus einer Arbeitssitzung zur Gründung von mfm 1987)

Und es bleibt genug zu tun, nicht nur, was die Vergabe von Kompositionsaufträgen und die öffentliche Wahrnehmung musikschaffender Frauen anbelangt.

Jorma-Panula_Dirigent_2009
Jorma Panula

„Wenn sie dirigieren, schneiden sie fürchterliche Grimassen. Sie schwitzen und fuchteln herum, aber es wird nicht besser: Wenn sie in meine Meisterklassen kommen, müssen sie weibliche Musik auswählen. Sie können aber keinen Strawinsky oder Bruckner dirigieren. Das ist eine rein biologische Frage“, meint Jorma Panula, seit 30 Jahren Dirigierlehrer und Musikpädagoge in Dirigentinnen, wo bleibt Ihr?, ein Beitrag von 3sat/Kulturzeit 2015. In der Sendung kommt eine der wenigen „Frauen mit Taktstock“ zu Wort, Mirga Gražinytė-Tyla, Dirigentin und Musikdirektorin am Landestheater Salzburg. Die 27-jährige Litauerin wird am 31. Januar 2016 zu Gast bei einer Konferenz sein, die musica femina münchen e.V. in Kooperation mit dem Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main unter dem Titel: „Und sie komponieren, dirigieren doch!“ organisiert.

Dr. Ulrike Keil hat in der Kulturwelt von Bayern 2 Radio  über die Ergebnisse der Konferenz berichtet. 

mfm-Konferenz2016_PodiumsteilnehmerInnen
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz „Und sie komponieren, dirigieren doch!“, am 31.1.16

Anlass für die Konferenz  ist die Aufführung, am darauffolgenden 1. Februar, durch Musikerlebnis (Tonicale Event GmbH) der selten aufgeführten Barock-Oper „La liberazione di Ruggiero d’all isola d’Alcina“ von 1625,  komponiert von Francesca Caccini.

Francesca Caccini - 1587 bis 1641? - Komponistin,, Musikerin und Sängerin am Medici-Hof
Francesca Caccini – 1587 bis 1641? – Komponistin, Musikerin und Sängerin am Medici-Hof

Diese entstammte einer hochangesehenen Florentiner Musikerfamilie und zählte sowohl als Komponistin wie auch als Sängerin zu den bedeutendsten Musikpersönlichkeiten am damaligen Hof der Medici. Ihre Oper gilt als erste vollständig erhaltene, von einer Frau komponierte und gedruckte Oper; entstanden keine zehn Jahre, nachdem Claudio Monteverdi mit seinem „L’Orfeo“ 1607 einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Genres „Oper“ geleistet hatte. Bei Francesca Caccinis Oper handelte es sich um eine Auftragskomposition, mit der die Medici-Witwe Maria Magdalena von Österreich dem Besuch des polnischen Kronprinzen Władysław IV. Wasa in der Villa Poggio Imperiale huldigen wollte – une affaire à femmes, eine Angelegenheit von Frau zu Frau also …

Jon M. Winkler, Artist Studio, Dezember 15
Jon Michael Winkler, ArtiStudio, Dez.  15

Jon Michael Winkler, langjähriger musikalischer Leiter der Kulturplattform jourfixe-muenchen, und ich haben angesichts des bevorstehenden Veranstaltungsblocks aus Konferenz und Oper einige der Damen aus dem Vorstand von musica femina münchen e.V., Archiv Frau und Musik/Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik e.V. und Musikerlebnis/Tonicale GmbH kürzlich zu einem Gespräch ins Artist Studio München geladen.

einige der Damen aus dem Vorstand von musica femina münchen, Archiv Frau und Musik und Musikerlebnis im Artist Studio München, Dez. 2015; Von links: Susanne Wosnitzka, Musikwissenschaftlerin - Mary Ellen Kitchens, Musikwissenschftlerin, Dirigentin - Dr. Ulrike Keil, Musikwissenschaftlerin, Kulturmanagerin, Anne Holler-Kuthe, Geschäftsführerin von musica femina muenchen
Damen aus dem Vorstand von musica femina münchen, vom  Archiv Frau und Musik und von  Musikerlebnis, Dezember 2015, im Artist Studio München; von links: Susanne Wosnitzka, Mary Ellen Kitchens, Dr. Ulrike Keil sowie Anne Holler-Kuthe, Geschäftsführerin von musica femina münchen

Gaby dos Santos: Ihr habt Euren Titel in der Gegenwart formuliert. „Und sie komponieren, dirigieren doch!“ Bedarf es denn heute immer noch eines trotzigen „doch“?

Dr. Ulrike Keil, Musikwissenschaftlerin, Kulturmanagerin
Dr. Ulrike Keil, Kulturmanagerin Musikwissenschaftlerin,

Ulrike Keil: Würde ich sagen. Ich kann jetzt nur für unsere Agentur Musikerlebnis sprechen (die die Aufführung der Caccini-Oper im Herkulessaal veranstaltet). Ich arbeite dort seit 15 Jahren, und es ist das erste Mal, dass in unserem Musikprogramm das Werk einer Frau aufgeführt wird. Im Klassik-Bereich, in dem ich tätig bin und wo vorwiegend Musik aus der Vergangenheit aufgeführt wird, ist es nach wie vor ein seltenes Ereignis.

GdS: Liegt das vielleicht auch daran, dass Komponistinnen und ihre Werke wenig bekannt sind und die Veranstalter daher schlechte Zuschauerzahlen befürchten?

UK: Ja. Und im vorliegenden Fall spielt der Vorteil der Quellenlage eine Rolle; die Tatsache, dass unmittelbar nach der Uraufführung 1625 das Werk gedruckt erschienen ist, was bei Werken in der Zeit eher selten der Fall war. Hinzu kommt bei unbekannten Werken der Vergangenheit, dass die Umsetzung respektive Instrumentierung erst mühsam erarbeitet werden muss, im Gegensatz zur Aufführung etablierter Stücke, bei denen bereits diverse Aufführungsvarianten zur Auswahl stehen.

Mary Ellen Kitchens
Mary Ellen Kitchens Musikwissenschaftlerin, Dirigentin

Mary Ellen Kitchens (MEK): Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre ist durch Buchveröffentlichungen und durch Personen, die mit der Aufführung von historischer Musik befasst waren, deutlich geworden, wie viel mehr Musik von Komponistinnen es geben könnte … Man hat damals begonnen, in den Bibliotheken nach Musik von Frauen zu forschen und dann diese Arbeiten zusammenzutragen und somit erste Archivarbeit zu tätigen. Die Materialien befanden sich zunächst teilweise in Privatwohnungen, bis die Sammlung irgendwann so umfangreich wurde, dass man sie in größere Archiv-Räumlichkeiten ausgelagert hat. Heute sind eine Reihe solcher Sammlungen bekannt, (Archiv Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik Frankfurt) in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern, und man versucht weiterhin, sich einen Überblick zu verschaffen: Was liegt wo vor? Wo finden sich besondere Juwelen, die wir im besten Falle auch zur Aufführung oder auch zur Veröffentlichung bringen könnten … In den 80er Jahren entstand im Zuge dieser Recherche-Arbeiten der Furore Verlag, der inzwischen hunderte von Werken von Komponistinnen herausgebracht hat.

Renate Lettenbauer
Renate Lettenbauer, Konzert-, Gesang-, Chorleitung

Renate Lettenbauer: Inzwischen gibt es sehr viel mehr Studentinnen der Komposition … Interessant ist in diesem Zusammenhang der Aspekt „Osteuropa, Russland“, weil dort eine intensivere Form der Förderung stattgefunden hat. Daher gibt es dort mehr Komponistinnen als im Westen – ganz allgemein betrachtet. Natürlich gibt es inzwischen auch hierzulande namhafte, erfolgreiche Komponistinnen, aber wenn man sich die Programme der zeitgenössischen Konzert-Reihen anschaut, „Musica viva“ und „Neu erschienen“, um nur zwei zu nennen, da sind Frauen nach wie vor absolut unterrepräsentiert. Letztes Jahr (2014) war in der „Musica viva“-Reihe überhaupt keine Komponistin vertreten, dieses Jahr waren erstaunlicherweise sogar drei dabei, aber eben auch nur drei Frauen unter zahlreichen männlichen Komponisten. (…) Ich habe neulich einen interessanten Artikel über den neuen Leiter der Donaueschinger Musiktage [Björn Gottstein] gelesen, der gesagt hat, er habe beschlossen, auch mal Komponistinnen einzubringen. Jetzt, im Jahr 2016! Also da muss noch unendlich viel passieren.
– Gelächter – Dann verlagert sich das Gespräch auf das Thema „Networking“, ein Bereich, der die männlichen Seilschaften in Wirtschaft, Politik und Kultur nach wie vor dominiert; Grund genug für die Aktivistinnen von musica femina münchen, diesem Manko energisch entgegenzuwirken, unter anderem im Rahmen der bevorstehenden o. g. Konferenz.

MEK: Es finden aktuell in Deutschland und auch in der Schweiz immer wieder Netzwerktreffen zwischen Organisationen statt, die mit dem Thema „Frauen in der Musik“ befasst sind. Im Rahmen eines solchen Treffens in Kassel wurde die Idee einer Fortsetzung geboren: „Man kann in anderen Städten auch Vernetzungstreffen machen und versuchen, diese Bewegung nochmal richtig auf Trab zu bringen.“

Vítězslava Kaprálová 1935
Vítězslava Kaprálová 1935

Und so entstand unter anderem, mit einer Konferenz in München eine Art Fortsetzung zu Kassel zu bilden. Zuvor gab es bereits kleinere Treffen z.B. in Frankfurt im Archiv Frau und Musik sowie eine wichtige Konferenz in Basel zum 100. Geburtstag der Komponistin Vítězslava Kaprálová.
Im Mai 2016 findet eine wichtige Tagung in Hamburg statt, und wir werden uns vielleicht alle im Sommer in Luzern einfinden, um zu sehen, wie es damit bestellt ist, wenn dort bei den Sommerfestspielen elf Dirigentinnen auftreten, auch wenn sechs davon alle in Folge an einem Tag und in kurzen Konzerten auftreten. Das erscheint zwar etwas merkwürdig, aber immerhin, so zahlreich repräsentiert waren wir noch nie!

GdS: Wann gab es überhaupt die ersten Dirigentinnen?

Fanny Hensel 1842
Fanny Hensel 1842

MEK: Fanny Hensel (1805–1847) hat eigene Werke dirigiert und aufgeführt. Emilie Zumsteeg (1796–1857) gründete in Stuttgart um 1830 den ersten Frauenchor in Württemberg. Sie komponierte, bearbeitete, studierte Chorwerke ein und dirigierte sogar öffentlich – was für eine Frau bei den engen Konventionen und Verhältnissen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz außergewöhnlich war. Sie erhielt außerdem für ihre musikalisch-dirigentischen Fähigkeiten ein jährliches Gehalt von König Wilhelm I.

UK: Da muss man allerdings dazu sagen, dass Fanny Hensels Konzerte im Salon stattfanden, also in privatem Rahmen. Aber es gab dann, ab Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, sehr viele Frauenorchester, die ebenfalls von Frauen dirigiert wurden.

RL: Ich denke jetzt an meinen eigenen Bereich, die Schulmusik; dort gibt es seit Jahrzehnten dirigierende Frauen, denn Schulmusikerinnen müssen natürlich Chöre und Orchester leiten. Dagegen haben nie Einwände bestanden. Persönlich fand ich es auch immer toll, wenn uns meine damalige eigene Musiklehrerin dirigiert hat, ganz wunderbar und stimmig.
– Gedankensprung –

Simone Young, Foto: Monika Rittershaus
Simone Young, Foto: Monika Rittershaus

RL: Simone Young, Chefin der Hamburger Staatsoper, hat man während des Studiums oder zu Beginn ihrer Laufbahn gesagt: „Ja, Sie werden eine gute Assistentin eines Dirigenten, aber nie selber eine Dirigentin sein.“

MEK: Simone Young hatte, als sie aus Australien nach Deutschland kam, die Unterstützung von Daniel Barenboim. Er war ihr Türöffner, das muss man sich vor Augen halten. Man braucht dort aber, vor allem als Frau, jemanden in prominenter Position, der die Hand über einen hält. Barenboim war allerdings – wie auch der erst kürzlich verstorbene Pierre Boulez – Schüler von Nadia Boulanger, einer Dirigentin, Komponistin und Musikpädagogin, die für die klassische Musik in Europa und den USA bis heute prägend ist. Die weltberühmteste Dirigentin im Moment, Marin Alsop, wurde anfangs beispielsweise von Leonard Bernstein gefördert (der ebenfalls Schüler von Nadia Boulanger war). Insgesamt werden Frauen sichtbarer am Dirigierpult. Man braucht dort aber, vor allem als Frau, jemanden in prominenter Position, der die Hand über einen hält.

Mut zur Frau! fordert auch der Münchner Journalist Egbert Tholl in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Er findet es an der Zeit, den Posten des Generalmusikdirektors an der Bayerischen Staatsoper, nach dem Wechsel von Kirill Petrenko nach Berlin, mit einer Frau zu besetzen. Man könne lange darüber spekulieren, weshalb es sehr wenige Frauen auf exponierten Posten der musikalischen Leitung von Spitzen-Opernhäusern oder Orchestern gäbe. Ein Grund sei sicherlich immer noch ein mehr oder weniger latenter Machismo in diesem Betrieb. Im weiteren Verlauf seines Artikels verweist Tholl auf Oksana Lyniv, Petrenkos derzeitiger Assistentin in München, als mögliche Kandidatin.
Mit dem Motto «PrimaDonna» rückt das LUCERNE FESTIVAL im Sommer 2016 Künstlerinnen in den Blickpunkt: Dirigentinnen, Solistinnen, Komponistinnen. Ladies first … oder eben: „prima la donna!“, lautet der aktuelle Ankündigungstext auf der Homepage des Festivals.

Susanne Wosnitzka, Musikwissenschaftlerin
Susanne Wosnitzka, Musikwissenschaftlerin

Für Susanne Wosnitzka, die das Gespräch nochmals auf dieses Ereignis lenkt, eine halbherzige Angelegenheit:
Susanne WosnitzkaSo in der Art: „Ja, wir machen etwas mit Frauen, aber erst ab Tag 10!“ Weder dirigiert eine Frau das Eröffnungskonzert, noch werden darin Werke von Frauen aufgeführt!

Mary Ellen Kitchens relativiert mit der Feststellung, dass viele Orchester einfach noch nie mit einer Dirigentin ihr Repertoire erarbeitet hätten und nicht ad hoc umdisponieren könnten. Die Tatsache aber, dass das Festival-Programm sehr viele Solistinnen beinhalte sowie immerhin elf Dirigentinnen, außerdem auch Werke von Komponistinnen, sei ein großer Schritt in die richtige Richtung.

SW: Ein Schritt, von dem wir nicht mehr zurückwollen…

MEK: Ja, genau. Es ist eine Messlatte.  Ich würde es als positiven Schritt sehen und darauf bauen.
In Deutschland existierten im Jahr 2015 rund 170 professionelle große Orchester – nur ein einziges wurde/wird von einer Frau geleitet: von Kristiina Poska (Komische Oper Berlin). Viele Rundfunkanstalten wie z.B. die BBC widmeten Komponistinnen im Jahr 2014 Sonder- oder Dauersendungen (z.B. drei Tage hintereinander nur Musik von Frauen). Dadurch scheint es, als würden Komponistinnen berücksichtigt, aber das ganze restliche Jahr über wird meist das althergebrachte Standardrepertoire gespielt – Musik von Männern. Frauen werden meist dennoch nicht wie selbstverständlich ins reguläre Programm aufgenommen.

Weitere Infos via Link (auf den jeweiligen Abkürzungen) zu


2. Konferenz Und sie komponieren, dirigieren doch! / 8.–10. Oktober 2021.
Unter der Voraussetzung, dass keine Beschränkungen mehr bestehen, werden wir das Programm wie angekündigt durchführen.

Quelle: Homepage www.musica-femina-muenchen.de


Alle Fotos während des Interviews im Artist Studio im Dezember 2015 stammen von Klaus Stießberger 


Mut* – Teil II. der diversen Leseperformance von Evelyn Plank, am Sonntag, 25.7./11 Uhr, Open Air im Garten/Gewölbesaal der Mohr-Villa München

Die Leseperformance portraitiert mit ihren Texten und mit Musik beeindruckende Menschen und deren individuellen Lebensformen, losgelöst von „offensichtlichen“ Rollenbildern. Es sind Liebesgeschichten zu sich selbst und dem anderen.

Es erwarten Sie Auszüge aus dieser diversen Performance, real und dreidimensional. Ein literarisch-musikalischer Nachschlag zur virtuellen Ausgabe zum Weltfrauentag 2021 – sozusagen „die zweite Portion“ – aufgeführt im Gewölbesaal der Mohr-Villa und im Garten.

Ein literarischer Bilderreigen – und, wie seit März angekündigt – die Suppe! Ein kulinarischer sinnstiftender Vorgang – für alles was MUT braucht. Wohltuend. Nicht nur am Bildschirm …
Echt – jetzt.

Bereits der virtuelle Beitrag zum diesjährigen Weltfrauentages 2021 „MUT“ hat viele Zuschauer beeindruckt und zutiefst berührt:

„Euer Film kommt so „normal“ daher – er ist einfach schön, man hört gerne zu – ist berührt – ich hab’ auch ein zweites Mal hineingehört.“ (…)

„Da geht es einfach um Beziehungen, damit habe ich gar nicht gerechnet. Eigentlich ist es einfach, den anderen zu lassen wie er ist, sonst macht es alles schlimmer als es sein müsste.“

Zuschauerkommentare zu Teil 1 im März 2021, virtuell aufgeführt anlässlich des WELTFRAUENTAGS 2021

Die Veranstaltung ist bereits die fünfte in der Performance-Reihe „Mut der Frauen“ von Regisseurin und Schauspielerin Evelyn Plank.


Die Protagonist*en / Mitwirkende


Angelika A.-K.
Der Erfahrungsbericht einer Mutter, die darüber schreibt, wie sie ihre Tochter auf deren/dessen Weg, zum Sohn zu werden, begleitet.



Das Ehepaar Schüttler
Dreissig Ehejahre sind schon mal eine beeindruckende Vorlage. Doch die ungewöhnliche Liebesgeschichte der beiden, das gemeinsame Durchleben einer Transformation von Mann zu Frau innerhalb der Beziehung, all das ist nicht alltäglich, aber voll Hoffnung und Zuversicht, dass Liebe einfach alles übertrifft.


Special Guest: Micael Gelius, (Text/Klavier)
„Das Outing bei den Söhnen fand ich am schwierigsten. Einem guten Freund zu sagen – das ist jetzt so – ist kein Problem. Aber den Söhnen ist man eigentlich die Mutter. Was ist man jetzt?“

Mehr zu diesem Künstler s. u. > Gelius Trio


Journalistin Lilian Ikulumet aus Uganda;
Foto: Mut der Frauen 2020

Lilian Ikulumet
Eine Journalistin, die sich ein freies Leben erkämpfte, und überzeugt ist, dass Frauen von heute einer bemerkenswerten Generation angehören, wo sich Definitionen verändern, Stereotypen gebrochen werden und neue Geschlechterrollen im Entstehen sind.



Urte Gudian
Die Tänzerin und Perfomancekünstlerin begegnet dem Thema “Transformation der Norm“ über den körperlichem Ausdruck. Der Mensch in seiner körperlichen Ganzheit eingebettet in eine geschlechtliche Lebenswelt. Der Eigensinn des Körpers, der Leib als Schnittstelle unserer Wahrnehmungen. Den Grenzerfahrungen von männlich und weiblich, innen und außen und den Gratwanderungen der Pole.


Marion Niederländer (li) und Julia Plank
Foto: Mut der Frauen 2020


Marion Niederländer / Evelyn Plank
Die Schauspielerinnen sind zuständig für Textgestaltung und Präsentation.


Janine Schmidt


Janine Schmidt
Die Percussionistin sorgt für die richtigen „Vibrations“ und verleiht der Veranstaltung Rhythmus und Dynamik.


Julia Wahren
Ihre Performance ist mehr als Wörter&Klang, es ist sound + drama“


Desweiteren: Angelika Andrae-Kiel sowie Sandra und Patricia Schüttler


Fragestellungen:

  • Ist Weiblichkeit ein gesellschaftliches Konstrukt, ein Geheimnis der Schöpfung oder simple Biologie?
  • Verläuft die Grenze exakt dort, wo männliche Identifikationskraft eine Gegensätzlichkeit aufzeigt und verdeutlicht?
  • Kann man ein geschlechtliches SEINSGEFÜHL begründen?
  • Ist das, was wir sind, abhängig von unserem Geschlecht?


Ein literarisch-musikalischer Bilderreigen über den Mut der Frauen und der Männer. Der
beeindruckenden Mut einer Frau oder der Mut eines Mannes, der da zutage tritt, sozialisiert
als Frau, aber mit den Empfindungen eines Mannes. Verlässt der Betroffene sein Rollenbild,
wird einem inneren Teil untreu – zugunsten einer bisher ungelebten Natur?

Eine Veranstaltung – mit wertvollen aber wertfreien Beiträgen, unbeschwert und offen, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung.


Eckdaten zur Matinée:

SO, 25.7./11 Uhr, Open Air im Garten/Gewölbesaal
der Mohr-Villa in München-Freimann
Teil II. der MUT-Performance 2021 von Evelyn Plank

Uraufgeführt zum Weltfrauentag 2021, am SO, 7. März 2021
virtuell in der Mohr-Villa Mediathek

Eintritt frei
Spenden herzliche willkommen, unter „Mut“ an das Konto
Mohr-Villa Freimann e.V. (IBAN DE21 7019 0000 0007 6060 28)

InfoS/Kontakt:
Evelyn Plank, evelyn.plank@freenet.de
oder Mohr-Villa Freimann, treffpunkt@mohr-villa.de, Tel. 089 / 324 32 64


Initiative Mut der Frauen
in Kooperation mit : Trans-Ident e.V.


Social-Media Kanäle

  • Instagram:@mohrvilla_freimann
  • Facebook:@Mohr-Villa Freimann
  • YouTube:@Mohr-Villa

> Zur Übersichtsseite der Performance-Reihe „Mut der Frauen“


Initiative Mut der Frauen
Kontakt: Evelyn Plank
Karl-Theodor-Str.33, 80803 München
+49 89 55 0 66 890 / + 49 15111941856
evelyn.plank@freenet.de/www.evelyn-plank.de

Bankverbindung: Stadtsparkasse München
Evelyn Plank-Horst
IBAN: DE40 7015 0000 1001 1082 22
BIC: SSKMDEMMXXX



Ibsen und die Frauen … Ein ewiges Mysterium in Buchform, präsentiert von Gunna Wendt bei den ZONTA-Frauen/Club Fuenfseenland, auf Schloss Höhenried

Lange vor Rudolph Moshammer in seiner Boutique und Hollywood-Produzent Bernd Eichinger im ursprünglichen Schuhmann’s, galt im ausgehendem 19. Jahrhundert ein skandinavischer Literat als DAS touristische Aushängeschild der Münchner Maximiliansstraße: Henrik Ibsen. Er residierte dort, wo sich bis vor kurzem Gabriel Levys altes Café Roma befand und inzwischen ein Gucci-Store Einzug gehalten hat. Hof hielt er, indem er seine Umwelt keines Blickes würdigte, sondern gesenkten Hauptes über seiner Feder grübelte. Daher – so wird kolportiert – ersetzte man ihn bei Abwesenheit problemlos durch ein Double …

An dieser Stelle der Münchner Maximilianstraße (heute ein Gucci-Laden, während das ROMA ein Haus weiter gezogen ist), befand sich einst das historische Café, in dem Henrik Ibsen seinerzeit, im ausgehenden 19. Jahrhundert, als Touristenmagnet fungierte.
Bildauss. © Thomas Stankiewitz/AZ, Bildauss. IBSEN: Schaarwächter, Berlin 1891

Diese und andere spannende Begebenheiten rund um Münchens seinerzeit berühmtesten „Gastarbeiter“ schilderte Gunna Wendt im Rahmen einer Lesung aus ihrer literarischen Biografie Henrik Ibsen und die Frauen, im noblen Ambiente von Schloss Höhenried.

Schriftstellerin GUNNA WENDT am Eingang von Schloss Höhenried am Starnberger See, re. die Rückansicht

Wer ein wenig mit Gunna Wendts Werk vertraut ist, weiß, dass Frauen, beleuchtet in deren soziologisch-historischem Kontext, im Mittelpunkt der meisten ihrer Bücher stehen, womit sie der Kulturgeschichte, in der Frauen bis heute meist Randnotizen bilden, einen Dienst erweist. Eine schillernde Persönlichkeit und besondere Begabungen zeichnen Gunna Wendts Protagonistinnen aus, doch auch heftige Brüche in deren Lebensläufen, zurückzuführen auf die Unfreiheit und Diskriminierungen, denen Frauen sich damals ausgesetzt sahen.

Dass in vorliegendem Buch von Gunna Wendt ein Mann im Mittelpunkt steht, stellt hierbei keinen Widerspruch dar, denn – starke – Frauen spielten für Ibsen eine in dieser Epoche und für einen Mann außergewöhnliche Rolle, sowohl in seiner Literatur, wie auch im Leben. Allerdings fällt es schwer mir vorzustellen, dass dieser ein wenig grimmig wirkende, weißbärtige Literat unsterbliche Frauenfiguren schuf, wie Hedvig aus Die Wildente, Hedda Gabler, Nora, Hilde aus Baumeister Solness oder Helene aus Gespenster. Aber er beschränkte sich nicht auf die Darstellung weiblicher ProtagonistInnen, sondern entlarvte die gesellschaftlichen Mankos seiner Zeit insgesamt: In den Lebensgeschichten und -katastrophen, die er auf die Bühne brachte, erschien die Kleinfamilie als Keimzelle der bürgerlichen Gesellschaft, die der Frau keine Entfaltungsmöglichkeiten bot und das Glück aller, auch des Mannes, erstickte. (…) > MEHR im Literaturportal Bayern

Dafür erlangte er schon zu Lebzeiten Kultstatus, vor allem bei jüngeren Intellektuellen, die sich vielfach zu „Ibsen“-Clubs zusammenschlossen.

Den Büchertisch stellte Lentner am Marienplatz, die älteste Buchhandlung Münchens
> Bestell-LINK zum Buch

Die Vordenkerrolle, die der norwegische Schriftsteller international einnahm, ist ein spannender Aspekt, mit dem sich Gunna Wendt in Buch und Lesung ausführlich auseinander setzte: Vergleichbar mit den späteren literarischen Idolen der Beat-Generation, wie Allen Ginsberg oder Jack Kerouac beispielsweise, faszinierte Ende des 19. Jahrhunderts das literarische Werk Henrik Ibsens weite Teile einer jungen Generation auf der Suche nach neuen Lebensmodellen.

Mit seiner Hedda Gabler überstrapazierte Ibsen allerdings die bildungsbürgerliche Akzeptanz seiner gewagten Dramen endgültig: Eine unglücklich verheiratete Frau zerstört die Zukunft ihres ehemaligen Geliebten, treibt ihn in den Selbstmord, wozu sie ihm dazu auch noch die Pistole aushändigt und richtet sich am Ende selbst.

– Viel zu viel Selbstbestimmung auf amoralischem Niveau!
Peng! Peng! und nochmals Peng! auf die guten Sitten! Damals ein Skandal! –

Das Stück wurde am 31. Januar in München im Königlichen Residenztheater (heute bekannt als Cuvilliés-Theater ) uraufgeführt und geriet zu einem veritablen Fiasko. Kurz danach verlies Ibsen seine langjährige Wahlheimatstadt für immer und unserer München war um eine Touristenattraktion ärmer. Vorerst … 😉

Schriftstellerin GUNNA WENDT während ihrer Lesung im ZONTA Club Fünfseenland
aus ihrer literarischen Biografie Henrik Ibsen und die Frauen auf Schloss Höhenried

Die wechselvollen biografischen Stationen Ibsens, die sie im Buch nachzeichnet, sparte Gunna Wendt aus Zeitgründen in ihrer Lesung aus. Vielmehr konzentrierte sie sich auf die Charakterisierung der Frauengestalten in Ibsens Werk und auf dessen inspirierende Wirkung auf zeitgenössische Künstlerinnen, die emanzipatorisch ihrer Zeit weit voraus waren, wie die Schriftstellerin Lou Andreas Salome, die Malerin Paula Modersohn-Becker oder die legendäre Ikone der Münchner Gründerzeit-Bohème, Franziska zu Reventlow. Alles Frauen, denen Gunna Wendt bereits eine eigene Biografie gewidmet hat, Paula Modersohn-Becker sogar ihre Magisterarbeit. Mit ihrem aktuellen Buch schließen sich also auf vielfältige Art Kreise.

Ihr sei, schrieb Franziska zu Reventlow an ihren Lübecker Jugendfreund Emanuel Fehling am 22. April 1890,  seit sie Ibsen kennengelernt habe, „eine neue Welt aufgegangen von Wahrheit und Freiheit; ich möchte ins Leben hinaus und für diese Ideen leben und wirken; aber bei diesem Zuhauseleben sind mir ja die Flügel geschnitten“. Damit war sie nicht allein: Ludwig Klages sprach von einem „Ibsenzeitalter“, Karl Wolfskehl erinnerte sich an seine „Ibsenjugend“, Paula Modersohn-Becker schrieb von der „Ibsenperiode“, die sie gerade durchlebte. (…) > MEHR im Literaturportal Bayern.

Gunna Wendts Thematisieren großer Frauenfiguren, sowohl im echten, wie im fiktionalen Leben Ibsens, fügte sich hervorragend auch in die ideelle Ausrichtung des gastgebenden Vereins der Frauen des > ZONTA-Clubs Fünfseenland.

Links Nikola Bachfischer, PR-Beauftragte des > ZONTA-Clubs Fünfseenland, vor Schloss Höhenried,
rechts das offizielle Banner im Veranstaltungssaal von Schloss Höhenried

Zonta International (ZI) ist ein weltweiter Zusammenschluss berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, heißt es in der Selbstdarstellung auf der Hompage der Dachorganisation ZI und weiter: Ihr gemeinsames Ziel (ist es), die Lebenssituation von Frauen im rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereich zu verbessern.

Die Bilanz seit der Gründung 1919 in den USA ist beachtlich: Inzwischen existieren über 1.100 Zonta-Clubs in 63 verschiedenen Nationen, mit 28.000 Mitgliedern! Damit stellt Zonta etwas dar, das man zur Schließung von Gender Gaps und zur Verwirklichung eines Equal Pay weiblicher Arbeitskräfte noch viel zu selten antrifft: Ein potentes Frauennetzwerk, das sich die Förderung von Frauen sowohl auf nationaler, wie auch internationaler Ebene auf die Fahnen geschrieben hat.

Zonta ist Begegnung – weltweit!

Das Motto von Zonta International (ZI)
Gaby dos Santos unter steinernen Engeln im Park von Schloss Höhenried

Wie eigentlich immer, wenn ich mit Gunna Wendts Werk in Berührung komme, sende ich Dankeshymnen in Richtung Himmel, dass ich in einer Zeit lebe, in der es zwar noch einiges in Bezug auf Geschlechter-Gleichheit zu tun gibt, ich als Frau UND als weibliche Kunstschaffende jedoch über stets über soviel Spielraum verfügt habe, um mir mit den Jahren ein eigenes Standing auch unter den noch immer zahlreich in meiner Branche vertretenen Chauvinisten Alter Schule zu erkämpfen. Allerdings öfter mit Wildwest-Diplomatie, als mit der feinen englischen Art. Es blieb mir keine andere Wahl, die aber hätte ich ganz gerne gehabt, statt eines Rufes wie Donnerhall in meinem Umfeld.

Zusammenhalt jedoch stärkt nachhaltig; nicht zuletzt in der KünstlerInnen-Szene. Dafür steht auch meine Freundin und Kollegin, die Pianistin und Performance-Künstlerin Masako Ohta, Trägerin des Musikförderpreises der LH München, die ebenfalls zu Gunnas Lesung erschien. Wir drei Frauen sowie Dr. Franz Klug, Geschäftsführer von Lentner am Marienplatz, der den Büchertisch gestellt hatte, traten gemeinsam den launigen Heimweg an, nach einem gelungenen Benefiz-Abend, dessen Erlös für regionale Zonta-Projekte gespendet wurden.


Titel-Foto sowie links:

Die Autorin Gunna Wendt (Mitte) mit der Vize Präsidentin des Zonta Club Fünf-Seen-Land Julia Kusterer (rechts) und Marlen Peix, Schriftführerin des Zonta Club Fünf-Seen-Land und Organisatorin des Abends (links im Bild)
© Foto ZONTA Club Fünfseenland


Henrik Ibsen und die Frauen
Literarische Biografie von Gunna Wendt

kaisermaximilian jagdbuch

ISBN 978-3-99039-186-0 / Limbus Verlag
Aus der Reihe:  Limbus Preziosen
Gebunden mit Lesebändchen, 224 Seiten, EUR 18,-

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Obige Collage aus Buchtiteln zeigt einige der Biografien aus dem inzwischen umfangreichen Werk von Gunna Wendt, für das sie u.a. 2017 mit dem renommierten Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet wurde

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Gunna Wendt: Schriftstellerin/Biografin und Ausstellungsmacherin



Das offizielle München glänzte durch Abwesenheit bei der opulenten MIR-Gala zum 30. Bestehen des russischen Kulturzentrums: Chapeau und Empathie für ein bravouröses Ensemble rund um die hochdekorierte Präsidentin Tatjana Lukina

«MIR, das russische Wort für „Frieden“ ist kein Luxus, sondern ein Geschenk an uns alle», sagte einst der deutsche Schriftsteller und Übersetzer Friedrich Hitzer. Er hatte wohl recht…

Fazit der Moderation zum 30 Jubiläum des russischen Kulturzentrums MIR in München, am 20.6.2021

Nicht zufällig wählte man vor 30 Jahren „MIR“ als Namen für das geplante russische Kulturzentrum in München, „Frieden“ – so die Übersetzung des russischen Begriffs – unter dieser Devise sollte die Kunst- und Kulturarbeit des neuen Vereins fortan gestaltet werden. Entsprechend lud das MIR-Ensemble uns Münchnerinnen und Münchner während der nächsten 30 Jahre unermüdlich ein, miteinander Streifzüge durch die russische Kunst- und Kulturlandschaft zu unternehmen, die sich ebenso weitläufig darstellt, wie das Land selbst. Dabei prägte – und prägt nach wie vor – die MIR-Soireen eine stets herzliche und vertraute Atmosphäre, in der sich das warme und zutiefst emotionale russische Naturell niederschlägt. Bei den Darbietungen allerdings ist Schluss mit familiär! Vielmehr deckt sich das Niveau der russischen MIR-KünstlerInnen mit dem hohen Anspruch, den die Kunst in Russland seit jeher an sich selbst stellt.

Das offizielle MIR-Plakat zur Gala

Abgespielt haben sich die drei Jahrzehnte der MIR-Aktivitäten in München vor dem Hintergrund von politisch bewegten Zeiten in den russisch-deutschen Beziehungen – inklusive einer Reihe beiderseitig verspielter Chancen. Umso mehr wertzuschätzen ist die Kulturarbeit, die seit 30 Jahren Tatjana Lukina und die MIR-KünstlerInnen leisten, die übrigens von ihrer Herkunft her weiterhin alle möglichen Teile der ehemaligen Sowjetunion vertreten, im Sinne gemeinsamer kultureller Verbundenheit.

Dass sich das russische Kulturzentrum in München auch zum 30jährigen Jubiläum nicht würde lumpen lassen, war zu erwarten, entsprechend opulent gestaltete sich die Gala im Carl-Orff-Saal des Münchner Kulturzentrums Gasteig.

Das große FINALE mit den Mitwirkenden im zweiten Teil der MIR-Gala aus Anlass des 30. Jubiläums:
Konstantin Ischenko (Akkordeon), Olga Koslowa (Gesang), Artur Medevedev (Geige), Viktoria Lein (Piano, Gesang), Gloria Lein (Piano, Gesang), Aleksandra Volodarski (Piano), Elvira Rizhanovitch (Mezzosopran), Lilian Akopova (Piano), Nargiza Yusopova (Cello), Evert Sooster (Basso cantante), Svetlana Prandetskaya, Elena Petronievitch (Piano), Philipp von Morgen (Cello), Sergej Iwanow (Gitarre, Gesang), Heinrich Lein (Gesang), Karin Wirz (Rez.), Arthur Galiandin & (verdeckt) Michael Tschernow: Moderation, Tatjana Lukina – Präsidentin MIR; Foto: Raisa Konovalowa

Für ein, zwei Darbietungen reisten die MIR-KünstlerInnen aus allen Himmelsrichtungen an, sogar aus Frankreich! Alle beseelt von der typisch russischen, bedingungslosen Hingabe zur Kunst – und zum Lebenswerk von Präsidentin TATJANA LUKINA, die sich, allen Widerständen zum Trotz, nachhaltig für den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und Russland, mit den Mitteln der Kunst engagiert. Dafür erhielt sie inzwischen zahlreiche Ehrungen, darunter 2011 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2020 die Medaille München leuchtet in Silber.

Eine zutiefst bewegte Tatjana Lukina am Ende einer langen Gala; im Hintergrund die russische Volkssängerin Olga Koslowa, die das finale Antikriegslied Ohne mich sang, begleitet am Akkordeon von Konstantin Ischenko

(…) Russische Kultur gehört ganz verdient zu den reichsten und vielseitigsten Kulturen der Welt. Wir alle kennen solche hervorragenden Namen wie Puschkin und Dostoewskij, Jessenin und Tolstoj, Tschaikowskij und Rachmaninow, die mit ihren wunderbaren Werken Schönheit und Liebe in die Welt gebracht haben.

Kultur und Kunst lagen immer außerhalb von Politik und politischen Meinungsverschiedenheiten. Ganz im Gegenteil tragen sie zur Stärkung der gegenseitigen Verständigung zwischen Ländern und Völkern bei, besonders in den Zeiten, wenn politische Dialoge wenige Kompromisse finden können.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich als Vertreter der Russischen Föderation recht herzlich bei allen bedanken, die diese schöne MIR-Initiative in München vor 30 Jahren gründeten, für eine wunderbare Möglichkeit, russische Kultur näher kennenzulernen und dadurch mehr über Russland zu erfahren. (…)

Ausschnitt aus der Ansprache von Dmitrij Burow, Vizekonsul der Russischen Föderation in München, 20.6.2021/Carl-Orff-Saal im Gasteig
Dmitrij Burow, Vizekonsul der Russischen Föderation in München während seiner Rede, Foto (Auschn.) Raisa Konovalowa

Hinsichtlich seiner Einschätzung zur Schlüsselrolle, die Kunst und Kultur bei der Völkerverständigung spielt, hat Vizekonsul Burow wohl kaum neue Erkenntnisse propagiert. Vielmehr ist das Wissen um die transnationale Bedeutung von Kunst und Kultur längst Allgemeingut. Dennoch glänzten einmal mehr sowohl Landeshauptstadt, wie auch der Freistaat Bayern durch Abwesenheit – ungeachtet von Lukinas Medaillen und ihren dahinter stehenden Meriten. Dito galt auch für die langjährigen KooperationspartnerInnen aus der Kulturbranche sowie den konsularischen Stäben, die sich früher gerne und zahlreich auf MIR-Empfängen gezeigt hatten. Als einzige mir bekannte Repräsentantin der Münchner Kunst- und Kulturszene war Frau Dr. Hildegard Kronawitter erschienen, Erste Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung.

Ehrlich gesagt: Ich war geschockt; malte mir aus, wie ich mich an Stelle von Tatjana Lukina und ihrem Ensemble gefühlt hätte. Wir alle, die wir als Kunst- und Kulturschaffende ständig soviel Herzblut in unsere Arbeit investieren, wissen doch nur zu gut, wie weh es tut, wenn die Anerkennung von offizieller und auch von kollegialer Seite ausbleibt? Ohne jedes Grußwort, lediglich ein paar Fördermittel ausgeschüttet bekommen? Ich denke, das muss richtig schmerzen, zumal das MIR-Team bereits bei der Gala zum 25. MIR-Jubiläum mit ähnlicher Nichtbeachtung abgestraft worden war.

Gaby dos Santos noch alleine auf weiter Flur bei der MIR-Gala zum 30. Jubiläum im Carl-Orff-Saal/Gasteig
Zwar füllte sich der Zuschauerbereich noch, jedoch nicht mit offiziellen VertreterInnen von Stadt und Staat …

Nota bene:
Tatjana heißt mit Nachnamen Lukina, NICHT Putina!
Sie bemüht sich seit nunmehr 30 Jahren, kulturell immer neue Brücken zu errichten und nicht etwa, solche zu kappen!

Wäre es nicht besser, diese zu beschreiten, statt sie zu ignorieren?
UND: Verbindet Russland und Deutschland nicht kulturell soviel mehr, als die derzeitige politische Großwetterlage auf ersten Blick vermuten lässt?
(Ein Zustand, an dem auch der Westen nicht ganz unschuldig ist.)

Mantra von Gaby dos Santos seit einer gefühlten Ewigkeit, aber spätestens seit dem 25. MIR-Jubiläum 2016!

Dabei finden sich seit jeher enge Bezüge zwischen Persönlichkeiten der russischen Geschichte und München, respektive Bayern, belegt durch Geschichten, Portraits und Erinnerungen, die MIR-Chefin Tatjana Lukina in zahlreichen Soirées beleuchtet sowie in zwei Publikationen zusammengetragen hat > LINK

An diese Gemeinsamkeiten wurde in den Conférencen zwischen den Darbietungen, in chronologisch sortierten Anekdoten erinnert. Sie bildeten einen thematischen Roten Faden innerhalb der Show, die so, typisch MIR, neben Unterhaltung, auch wieder einiges an Wissen übermittelte.



Retrospektive auf die MIR-Gala im Carl-Orff-Saal zum 30. Jubiläum,
moderiert von Karin Wirz & Arthur Galiandin & Michael Tschernow

Arthur Galiandin führte durch die Gala,
unterstützt von Karin Wirz und Michael Tschernow

Wie immer bei MIR, wurde. in einem ausgesprochen breiten programmatischen Spektrum, gesanglich, rezitativ und tänzerisch geliebt, gelitten – und durchaus auch mal gelästert. Beispielsweise bei der urkomischen Interpretation, mit ganzem Körpereinsatz, von Evert Sooster von Der Floh von Modest Mussorgskij, aus dem Repertoire von Fjodor Schaljapin.

Bass Evert Sooster leidet ganz furchtbar unter Mussogorskijs Floh, Mezzosopran Elvira Rizhanovitch Bette, die ehemalige Solistin am Nationalen Bolschoi Opernhaus in Minsk legte ganz viel Seele in zwei russische Volkslieder

Am Piano begleitete ihn Aglaya Zinchenko, Trägerin diverser hochkarätiger Klassik-Preise, u.a. des Steinway-Wettbewerbs in Hamburg, der Süddeutschen Zeitung und der Yehudi-Menuhin-Stiftung. Für die MIR-Gala war sie extra aus Frankreich, ihrem zwischenzeitlichen Wohnort, angereist. Neben mehreren Piano-Begleitungen von Sooster, glänzte sie solistisch in der Elegie op.3 von Rachmaninov.

Links Geiger Artur Medvedev mit Pianistin Lilian Akopova,
die wiederum rechts mit Cellistin Nargiza Yousupova musiziert

Nicht vorstellbar für mich sind Klassik-Veranstaltungen von MIR, OHNE die Mitwirkung von Geiger Artur Medvedev, auf dem Foto ganz links mit Pianistin Lilian Akopova. Letztere hatte ich bereits Anfang vergangenen Jahres als ausdrucksstarke Künstlerin und Mitglied des AVENTIN-Trios rund um Geiger Nicolas Koeckert erlebt. Die gebürtige Armenierin Akopova wuchs in Kiew auf und wechselte später an die Hochschule für Musik und Theater in München. Auf dem Foto oben rechts begleitet sie wiederum Cellistin Nargiza Yousupova in der Cellosonate von Dimitri Schostakowitsch (II. Satz). Wie Akopova steht Yousupova für die ethnische Vielfalt, die die MIR-Künstlerschaft auszeichnet: Sie stammt ursprünglich aus Aschchabad (Turkmenistan) und absolvierte zunächst ein Studium am Konservatorium in Taschkent (Usbekistan), bevor auch sie an die Hochschule für Musik und Theater in München zu einem Aufbaustudium wechselte, das sie mit Auszeichnung abschloss. Die Wurzeln von Pianistin Elena Petronievitch wiederum liegen in Novosibirsk (Sibirien). Auf dem nachstehenden Foto begleitet sie Cellist Philipp von Morgen.

Cellist Philipp von Morgen mit Elena Petronievitch

Auch Philipp von Morgen zählt zu den hochkarätigen MIR-Künstlern, die ich schon häufiger hören durfte. Bereits zu Beginn seiner Laufbahn gewann er mehrfach bei Jugend musiziert und 2000 sogar den Klassik-Echo! Gemeinsam mit Elena Petronievitch spielte er u.a. das Nocturne eines Komponisten, der zur Recht bei kaum einer russischen Gala dieser Art fehlt: Peter Tschaikowskij.

Doch natürlich waren auch andere musikalische Genres vertreten – dabei mit im Gepäck hierzulande seltene Instrumente, die aber aus der russischen Musiktradition nicht wegzudenken sind:

Zum einen die Domra, das Vorgänger-Instrument zur Balalaika, mit schwindelerregender Fingerfertigkeit beherrscht von Maria (Mascha) Belanovskaya, die mir bei einer gemeinsamen Übernachtung in Coburg 2016 verriet, wie es zu den Ecken der Balalaika kam > Die runden Ecken der Balalaika.

Ein Meister an der Zymbal ist Michail Leontchik, der den konzertanten Abendreigen mit einem Potpourri beliebter russischer Melodien eröffnete. (Foto oben rechts)

Links beschreibt Viktoria Lein in einem Lied, wie es so im Boudoir von Katharina der Großen heiß herging,
rechts interpretiert sie eine Vertonung des großen russischen Lyrikers Sergej Jessenin, begleitet am Flügel von Tochter Gloria

Den komödiantischen Knaller des Abends brachte Viktoria Lein: Auf gekonnt unterhaltsame Art schilderte sie in einem Song, wie es einst Im Boudoir von Katharina so zuging; dort menschelte es nämlich des nachts erheblich – Kaiserin ist auch nur Frau – oh lala!

Diese erheiternde Darbietung bewies die künstlerische Bandbreite der Sängerin und Kabarettistin, die zuvor, am Klavier und mit zweiter Stimme von Tochter Gloria Lein begleitet, mit einer melancholischen Vertonung eines Gedichts des großen Jessenin brilliert hatte: Ich klage nicht um Jahre, die entlaufen

Heinrich Lein als „Unser alter Kapitän“

Mit von der Partie bei diesem familiären Gipfeltreffen war auch Heinrich Lein, Gatte respektive Vater, mit einer deutschen Version des beschwingten Ohrwurms Unser alter Kapitän.

Die russische Sängerin und Schauspielerin Svetlana Prandetskaya interpretierte Russische Romanzen, an der Gitarre begleitet von Sergej Iwanow

Zum Dahinschmelzen bringen mich mit schöner Regelmäßigkeit Russische Romanzen … Meiner Meinung nach – immerhin bin ich in dem Amore-County Italien aufgewachsen und weiß, wovon ich rede! 😉 – versteht kein Volk es besser als die Russen, Liebe, Leid und Leidenschaft in Liedern auszudrücken und mit gaaanz viel Pathos wiederzugeben, ohne jemals in billige Pathetik abzugleiten. Entsprechend liebe ich die Darbietungen von Sängerin Svetlana Prandetskaya, an der Gitarre begleitet von Sergej Iwanow.

Aus allen Ecken und Enden der ehemaligen Sowjetunion stammten die folkloristischen Kostüme und Tänze, dargeboten von Elevinnen und Eleven des Ballettstudios Kaleidoskop. Jede Darbietung ein Augenschmaus!

Doch aus Anlass der jüngeren Geschichte sah sich das MIR-Ensemble veranlasst, den Abend mit einer ernsten Note ausklingen zu lassen. Nachstehend Auszüge aus der Ansprache:

In diesem Jahr – 2021 – haben wir nicht nur 30 Jahre MIR e.V. zu feiern und den 200. Geburtstag von Fjodor Dostojewskij, sondern auch – und das in zwei Tagen – den 80. Jahrestag des Beginns des Großen Vaterländischen Krieges zu gedenken, der viel Leid den Russen und der ganzen Welt  gebracht hat. Und für viele Jahre die Beziehung zwischen Russland und Deutschland zerstört hat.

Wir haben lange überlegt, wie wir und ob wir über dieses tragische Ereignis bei dieser Veranstaltung sprechen sollen – aber, dies sind wir allen schuldig, sowohl den sowjetischen als auch deutschen Soldaten, die unserem Verein vor ca. 30 Jahren beigetreten sind, weil er MIR– „Frieden“ – heißt.

Wir sind davon überzeugt, dass sie alle wollten, dass es sich nie wiederholt, dieses Leid, dieser Krieg, dass immer MIR – Frieden herrscht.

Auszug aus der MIR-Moderation vom 20. Juni 2021

Zum Gedenken an alle Kriegsopfer stimmte Olga Koslowa im Anschluss ein Lied an,
das vor 183 Jahren geschrieben wurde und noch heute gesungen wird, weil es unsere Gefühle ausdrückt.

Olga Koslowa singt „NICHT FÜR MICH“ – Gänsehaut pur!

Das Gedicht dazu hatte ein Marineoffizier Namens Moltschanow 1838 verfasst. Ein Jahr später vertonte es ein russischer Holländer– Nikolai Devite.

NICHT FÜR MICH

Für mich wird nicht der Frühling kommen,
Für mich wird nicht der Don fließen.
Für mich werden nicht die Gärten blühen
Für mich wird nicht die Nachtigall singen…


Nur ein Stück Blei ist für mich vorbereitet,
Das meinen jungen Körper durchdringt.
Und bittere Tränen werden vergossen
Für mich… wird dies mein Leben sein…

Olga Koslowa am Akkordeon begleitet von Konstantin Ischenko

Danke Tatjana, danke MIR für diesen Abend!


Das Titelbild zeigt Tatjana Lukina bei der Begrüßung der Gäste und stammt von MIR-Fotografin Raisa Konovalova.



Zum Jubiläum präsentiert MIR derzeit wöchentlich Programm, da zu den für dieses Jahr angesetzten Programmen noch die von letztem Jahr hinzu kommen, die wegen der Pandemie bislang nicht aufgeführt werden konnten.


Nachstehend die nächsten beiden MIR-Veranstaltungen:

Sonntag, 18. Juli 2021, 12.00 Uhr, Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b

Dostojewskij und die Musik
Klavier –Matinee (Piano-Klasse von Svetlana Bassovitch)

Dostojewski, 1872. Er stellte in diesem Jahr den Roman Die Dämonen fertig. Porträt von Wassili Perow; Quelle: Wikipedia

Eintritt frei
Anmeldung erforderlich: 089/351 69 87


Samstag, 24. Juli 2021, 19.00 Uhr, Kleiner Konzertsaal, Gasteig

„Fieberhafte, schlaflose Nächte …“
Zum 180. Geburtstag von Alexej Apuchtin (1840 – 1893)

Alexej Apuchtin , der als „letzter Dichter der Puschkin-Epoche“ genannt wird, entstammt einer adligen, aber nicht sehr reichen russischen Familie. Er war ein Schulkamerad und lebenslang enger Freund des Komponisten Peter Tschaikowsky, der vieles aus seiner Lyrik vertonte. Doch nicht nur Tschaikowsky, auch andere russische Komponisten waren von Apuchtins Dichtung, die warm und melancholisch ist, sehr fasziniert, und machten daraus wunderbare Romanzen, die bis zum heutigen Tag immer wieder auf der klassischen Bühne – nicht nur in Russland – präsent werden

Mitwirkende: Elvira Rizhanovitch, Svetlana Prandetskaya, Frits Kamp, Anna Sutjagina, Sergej Iwanow, Artur Medvedev, Philipp von Morgen, Andrey Parfinovich u. a. 
Moderation: Michael Tschernow und Arthur Galiandin.

Karten: EUR 15,00
Ermäßigt: EUR 10,00
Zu beziehen über München Ticket

Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München und vom Bayerischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst



Weitere Beiträge zu MIR im GdS-Blog, u.a. >

Die runden Ecken der Balalaika – 25 Jahre MIR – Zentrum für russische Kultur in München!

„Ein Lied genügt, wenn es nur von der Heimat spricht“ – Oleg Pogudin, die Silberne Stimme Russlands, in einer historisch-konzertanten Hommage an die NS-Widerstandsgruppe „Weiße Rose“

„Der Mensch – das klingt stolz“ – Zum 150. Geburtstag des Dichters Maxim Gorki eine Spurensuche in Vorfeld einer Veranstaltungsreihe des russischen Kulturzentrums MIR am 21. und 23. März 2018 im Münchner Gasteig

„Der Ewigkeit verpflichtet“ – Der russische Komponist Georgi Swiridow (1915 – 1998)

„Ich bin ganz Verlangen, ganz Gefühlsausbruch …“ zum 100. Todesjahr von Alexander Skrjabin

Ninotschka, eine „Schwabinger Muse“ – Tatjana Lukina, Präsidentin des russischen Kulturzentrums MIR, erinnert an Nina von Kikodse, die wahre „barfüssige Gräfin“ der Münchner Bohème, in einer Episode aus dem Buch „Russische Spuren in Bayern“


Auszeichnungen für Tatjana Lukina, u.a. >

„Orden der Freundschaft“ für Tatjana Lukina, Präsidentin von MIR, dem Zentrum russischer Kultur in München

Tatjana Lukina, Gründerin und langjährige Präsidentin von MIR – Zentrum russischer Kultur in München erhält die Medaille „München leuchtet“!


Mehr unter >

www.mir-ev.de

Zentrum für russische Kultur in München, seit 1991


50 Jahre danach: Die ungebrochene Strahlkraft des IMAGINE-Albums reflektiert in Klangzauber, Reminiszenzen und publizistischen Betrachtungen bei Masako Ohtas Festival im Pathos Theater

Im Trio, mit Countertenor Christopher Robson im Gesangspart und einem herausragenden Geoff Goodman an der Gitarre, reinterpretierte die japanische Pianistin und Performerin Masako Ohta Stücke des legendären IMAGINE-Albums von John Lennon und Yoko Ono.

Die japanische Pianistin und Performerin Masako Ohta brachte extra für das Festival ihren eigenen weißen Flügel mit zum Festival im Pathos Theater

Nach dem Prinzip: Erst in seine Einzelteile zerlegt, zeigen sich Fülle und Vielfalt einer Substanz, machte Ohta die Stücke neu erfahrbar; die eines Albums, das, wie sich schnell herausstellte, in 50 Jahren nichts an Strahlkraft eingebüßt hat. Dass Masako dabei mit einem Countertenor besetzte, zeugt von ihrer eisernen Konsequenz bei künstlerischen Umsetzungen.

John Lennon räkelte sich lässig als Coverboy eines Kataloges neben mir an einem Pfeiler

John Lennons Gesang sei von einer derart unnachahmlichen Qualität gewesen, dass sie sich entschieden habe, gesanglich einen gänzlich anderen Weg zu beschreiten. Zwischendrin stellte Christopher Robson Zitate John Lennons der Musik gegenüber, was immer wieder einen direkten Bezug zum legendären Beatle herstellte, ebenso wie Robsons gradlinige Interpretationen der IMAGINE-Songs, die das Gerüst für die vielen Improvisationen von Masako Ohta und Geoff Goodman boten, die einen immer wieder in andere Sphären versetzten. Mit minimalistischer Instrumentierung erzielte das Trio ein Maximum an klanglicher Wirkung!
Also genug dazu, dieses Programn gehört nicht zerredet, sondern unbedingt gehört!

V.li. Herbert Hauke (Rockmuseum München), Gitarrist Geoff Goodman, Masako Ohta (Initatorin des IMAGINE-Festivals, Pianistin) und Nicola Bardola (Autor und Journalist) treffen sich vor dem Pathos Theater

Diese Ansicht vertrat in der Pause auch der Autor und Kultur -Journalist Nicola Bardola, der für die Gestaltung eines Vortrags im zweiten Teil der Veranstaltung gebucht war. Nicola Bardola und Masako wiederum hatten sich bei einer Vernissage des Beatles-Intimus Klaus Voormann kennengelernt, wo Masako spielte. So schlossen sich wieder einmal Kreise, erst recht, als dann noch Herbert „Herbie“ Hauke, Chef des Rockmuseums München und Frau Gabi dazu stießen, die gerade eine Führung durch ihre aktuelle Rolling-Stones-Ausstellung hinter sich hatten, die derzeit in der Pasinger Fabrik bis Ende Juli läuft und über die Bardola wiederum einen lesenswerten Artikel in der AZ verfasst hat > Anita lockt mit Schweinebraten

Anekdoten und Analysen präsentierten Nicola Bardola , links und Herbert Hauke

So kam das Publikum unerwartet in den Genuss, statt eines Referenten zum Thema IMAGINE – John , die Beatles und Yoko Ono, gleich zwei erleben zu dürfen, die beide Yoko Ono persönlich kennengelernt hatten, Nicola Bardola zudem auch Cynthia, John Lennons erste Frau. Entsprechend waren reichlich Schlüsselloch-Perspektiven auf die „Fab Four“ und insbesondere auf John und Yoko geboten.

Eine der Projektionen, die Nicola Bardolas Vortrag illustrierten, zeigt einen obercoolen John Lennon in der wilden Hamburger Anfangszeit der Beatles. Damals hatte man ihm den Spitznamen „Mr. Speed“ verpasst, weil er nicht nur mit ungeheurem Tempo zu bechern imstande war, sondern auch, mit eben solchem Tempo den Zustand der Volltrunkenheit zu erreichen …

Zum Schluss bat Nicola Bardola Masako, aus der Sicht einer Japanerin um eine Einschätzung Yoko Onos, da sich manche Details ja erst über die Kenntnis der Sprache erschließen, wie Masako selbst bereits in einem Zeitungsinterview erläutert hatte.

Masako erläutert Nicola Bardola Yoko Ohno aus der Perspektive einer Japanerin

Am Ende eines langen, informativen Abends, an dem IMAGINE unter unterschiedlichsten Aspekten beleuchtet worden war, spielte Masako noch einmal den Titelsong, gesanglich vom Publikum begleitet, soweit die Kenntnis des Liedtextes dies erlaubte.

MASAKO OHTA, auch Initiatorin des Festivals spielt mit gaaanz viel Gefühl noch einmal „IMAGINE“ …

Ein bewegender Abschluss, den Herbert Hauke noch toppte, indem er die Friedensbotschaft von John und Yoko erneut und mit großer Leidenschaft einforderte …

Herbert Hauke bei seinem finalen Friedensappell in John und Yokos Sinn:
„Love and Peace“ sei kein überkommenes Motto Ewiggestriger!

Video zum Talk von Nicola Bardola und Herbert Hauke


Bücher von Nicola Bardola zum Thema

John Lennon. Zweitausendeins, Leipzig 2020, ISBN 3-96318-080-3

John Lennon – Wendepunkte. Römerhof-Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-905894-07-3

Zu „John Lennon – Wendepunkte“ schrieb die Neue Zürcher Zeitung:
„Aus den Veröffentlichungsfluten ragt ‚John Lennon. Wendepunkte‘ von Nicola Bardola heraus. (…) Eine durchgehend fundiert recherchierte Biografie“


Yoko Ono: Die Biografie Verlag Langen-Müller, 2012, ISBN 978-3-7844-8128-9

Zu „Yoko Ono – Die Biographie“ schrieb der Bayerische Rundfunk:
„Es ist eine der ganz wenigen Biographien, die es derzeit zu Yoko Onos Leben und Werk gibt; es ist die umfassendste und aktuellste. Bardola beschreibt und analysiert die vielen Facetten der schillernden Persönlichkeit Yoko Ono genau.“


Mehr zu den Beatles-Publikationen von Nicola Bardola > www.bardola.de


Mehr zu Masako Ohta

Masako Ohta: Pianistin & Komponistin, Performerin, Musikförderpreis 2019 der LH München

Masako Ohta spielt zur Vernissage von Künstler und Musiklegende Klaus Voormann


Titelbild: Das Veranstaltungsplakat ©Lionel Dzaack und ein von Gaby dos Santos bearbeitetes Foto von Masako Ohta, © Marlene Etzel



Die Konzert-Reihe „Klassik & Literatur“ auf Schloss Eggersberg neu belebt in wechselnden Besetzungen von Konzert-Veranstalterin und Oboistin ALEXANDRA von BEAULIEU MARCONNAY; Gelungener Auftakt im Duo mit dem Piano-Virtuosen Emanuel Roch

Bei dem Traumprinzen, der die klassische Konzertreihe auf Schloss Eggersberg aus seinem Dornröschenschlaf riss, handelte es sich um Baroness Alexandra von Beaulieu Marconnay, die mit ihrer Oboe und im Duo mit Pianist Emanuel Roch, dem historischen Zehentstadel buchstäblich neues Leben einhauchte.

Eine ausgezeichnete Akustik bietet der ehemalige Zehentstadel auf Schloss Eggersberg. Historische Wandtteppiche und Tücher, aus aller Welt zusammengetragen und im Familienbesitz der Baronin von Beaulieu Marconnay sorgten für zusätzliches Flair. Auf dem Foto rechts oben ist beispielsweise ein Exponat aus Usbekistan zu sehen …
Als sehr kulturaffin zeigte sich das Publikum. Das Foto rechts unten zeigt Alexandra von Beaulieu Marconnay mit Sabine Möhle, Kuratorin der Allianz Kunstsammlung

So lobt Kulturjournalist Lorenz Erl, in seiner Rezension vom 6.7.2021: Der Zehentstadel erwies sich wieder einmal trotz seines rustikalen Ambientes als exzellenter Konzertsaal. Der weite Raum besitzt eine erstaunliche Akustik. Er lässt die Töne wirken und gibt den Zuhörern Zeit, ihnen nachzuhängen. Die Oboe von Alexandra von Beaulieu Marconnay ist dabei kein Instrument voller schreiender Dominanz, vielmehr wirkt sie durch filigrane Tonmodulierungen. Die Solistin ist zweifellos eine Virtuosin auf diesem Instrument. > MEHR

Scheinbar mühelos meisterte Alexandra von Beaulieu Marconnay schier endlose Passagen, bei denen es galt, den Ton konstant zu halten und dabei auch noch interpretatorisch dicht zu klingen. Wie herausfordernd sich die von der Oboistin ausgewählten Stücke gestalteten, fiel mir insbesondere beim fulminant gespielten Finale auf, Motive des italienischen Oboisten und Komponisten Antoni Pasculli (1842 – 1924) zur Donizetti-Oper La favorita. Mamma mia! Angesichts solcherart langen Atems, körperlich ebenso, wie vor allem interpretatortisch, den die Instrumentalistin hier bewies, verwundert es nicht, dass ihr Oboe-Spiel auch in Italien sehr gefragt ist. Unter anderem arbeitete sie wiederholt mit dem renommierten Organisten Marco D’ Avola, künstlerischer Leiter des Internationalen Orgelfestivals Città di Ragusa (Sizilien), zusammen.

Gute Wahl! Alexandra von Beaulieu Marconnay engagierte als Duo-Partner für ihr Auftakt-Konzert Emanuel Roch, der trotz seiner Jugend bereits mehrfach ausgezeichnet wurde und das zu Recht, wie sein Spiel zwischen einfühlsamer Zurückhaltung und Virtuosität in solistischen Momenten bewies.
Beim 3. Konzert, am 24. Oktober, wird er erneut zu hören sein, dann im Duo mit Dimitra Papadopoulou,
siehe Flyer weiter unten im Text

Der mehrfach preisgekrönte Emanuel Roch begleitete die Oboe am Flügel wohltuend zurückhaltend, ließ jedoch in seinen Solo-Passagen sowie in den zwei Kompositionen für Klavier von Johannes Brahms und Frédéric Chopin, der ihm eigenen Virtuosität freien Lauf. Neben beeindruckender Fingerfertigkeit zeichnete den jungen Pianisten vor allem die Fähigkeit aus, intuitiv Stücke zu ergründen und mit eigener Note umzusetzen. Bedenkt man, wie jung Roch noch ist, lässt sich gut davon ausgehen, dass von diesem Musiker noch so einiges zu hören sein wird! Ihn zu engagieren erwies sich als kluge Entscheidung der umtriebigen Alexandra von Beaulieu Marconnay, wobei die Empfehlung für diese spezielle Besetzung von Magnus Maria Burchert/Castle Culture stammte, einem sehr engagierten Netzwerker und vor allem Musik-Liebhaber, der auch selbst schon auf Schloss Eggersberg als Veranstalter aktiv war und die aktuelle Konzertreihe von Alexandra von Beaulieu Marconnay organisatorisch unterstützt.

V.l.: Magnus Maria Burchert/Castle Culture, Alexandra von Beaulieu Marconnay und Emanuel Roch, nach der Auftaktveranstaltung der Reihe Klassik und Literatur, im Zehentstadel auf Schloss Eggersberg

Dass dezentrale Spielorte wie Schloss Eggersberg von der Politik mehr als gewünscht sind, unterstrich CSU-Politikerin Petra Högl in ihrer Ansprache. Gekommen war sie in Vertretung von Bernd Sibler, dem bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, der kurzfristig hatte absagen müssen.

Großer Bahnhof zum Auftakt der neuen Klassik-Reihe: V.li: Hausherr Graf Tassilo Wenzel SylvesterLandrat Martin NeumeyerAlexandra von Beaulieu Marconnay – Emanuel Roch – Politikerin Petra Högl in Vertretung von Staatsminister Bernd Sibler – MdB Florian Oßner; die Gäste alle CSU-VertreterInnen

Außerdem besuchten von offizieller Seite aus der Bundestagsabgeordnete Florian Oßner und Landrat Martin Neumeyer (beide CSU) die Matinée. Soviel politische Präsenz beim Startschuss lässt hoffen, dass Alexandra von Beaulieu Marconnay ihre Reihe Klassik und Literatur, die in diesem Jahr u.a. mit Fördermitteln des Kulturfonds Bayern realisiert wurde, auch für 2022 Subventionen erhält, um ihre Reihe fortzusetzen und wechselnden Duo-Besetzungen eine Plattform zu bieten.

An allen Ecken gibt es auf Schloss Eggersberg etwas zu entdecken: V.l.o. im Uhrzeigersinn: Eingangsbereich des Schlosses, darunter, ganz rechts, alte Kutschen, Patina im Zehentstadel, Rosen an dessen Eingangstor

Und was für eine Plattform! Alleine das idyllische Schlossgelände hoch über dem Altmühltal, nebst Museum, lohnt einen Besuch. Es besteht auch die Möglichkeit, vor Ort zu übernachten, da seit den 1960er Jahre die ehemalige Hofmark in ein kleines, zum größten Teil antik ausgestattetes Renaissance-Hotel umgewandelt wurde, mit 13 Doppelzimmern/Suiten und 4 Einzelzimmern. Die Zimmerpreise schließen ein reichhaltiges Frühstücksbuffet inkl. Kaffee, Tee und Säften, mit ein. In den angenehm ausgestatteten Räumen mit Blick auf das Tal der Ur-Donau lässt es sich in der Tat romantisch träumen.
> MEHR

Mit einem gelungenen Dreiklang aus künstlerischer Qualität, stimmigem Ambiente und der warmen Resonanz eines aufmerksamen und – nach so langer Kulturabstinenz – besonders dankbaren Publikums, startete DIE OBOISTIN und Konzert-Veranstalterin fulminant in ihre Konzertreihe Klassik & Literatur auf Schloss Eggersberg.


Das nächste Konzert findet am Sonntag, 12. September, um 19 Uhr statt, in Kombination mit dem alljährlichen Tag des offenen Denkmals, der größten Kulturveranstaltung Deutschlands, die unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit organisiert respektive koordiniert wird.

So besonders wie sein Schloss: Hausherr Graf Tassilo Wenzel-Sylvester, selbst ein großer Liebhaber von Kunst und Kultur. Zudem weiß er viel Spannendes rund um das Schloss und um seine eigene Familiengeschichte zu berichten, so zum Beispiel, dass sich am Ätna ein nach dem Sylvester-Geschlecht benannter Sylvester-Krater befindet … Ob auch standesgemäß ein Schlossgespenst auf Eggersberg spukt, ließ der Graf sich allerdings nicht entlocken. Noch nicht 😉

Zum Tag des offenen Denkmals, am 12. September 2021, besteht die Gelegenheit, VOR dem Konzert (oder auch unabhängig davon ) Schloss Eggersberg bei einer persönlichen Führung des Hausherrn, Graf Tassilo Wenzel-Sylvester, zu besichtigen.


Die zwei weiteren Konzerte 2021, in der Reihe „Klassik und Literatur“ von Alexandra von Beaulieu Marconnay, finden SO, 12.9. und SO, 24.10. statt.


MEHR ZU Alexandra von Beaulieu Marconnay

Alexandra von Beaulieu Marconnay: Oboistin und Konzert-Veranstalterin


PRESSE-Links

Rezension im Donaukurier vom 6. Juli 2021
Ausflug in die Romantik mit Stücken für Oboe und Klavier
Matinee reißt Publikum mit – Fördergelder vom Kulturfonds Bayern für dreiteilige Konzertreihe im Zehentstadel


Vorankündigung im Donaukurier vorm 15. Juni 2021
Dreiteilige Konzertreihe auf Schloss Eggersberg


MEHR ZU SCHLOSS EGGERSBERG und seiner Geschichte
auf dessen Homepage sowie auf Wikipedia


Obgleich für mich der Besuch der Veranstaltung mit einigem Stress verbunden war, da mich im Anschluss noch eine Abendveranstaltung in München erwartete, habe ich sowohl das Programm wie auch die besondere Atmosphäre überaus genossen.

Gaby dos Santos in der Konzertpause

Für mich steht jetzt schon fest, dass ich alles unternehmen werde, um beim nächsten Konzert wieder dabei zu sein, dann unbedingt mit vorheriger Führung durch Graf Tassilo und anschließender Übernachtung in historischer Kulisse, in Gesellschaft großer Geister …



GABRIELE WERTH, Herausgeberin von „Ingeborg Schober: Die Zukunft war gestern“, Medien- und Musikmanagerin, Drehbuchautorin, Musik-Journalistin und noch viel mehr

Als „schillernde Kultur-Allrounderin mit Schwerpunkt POPMUSIK“ ließe sich Gabriele Werth vielleicht noch am ehesten umschreiben, wenn es gilt, sie in wenigen Worten einzuführen … Ganz schwer wird es, wenn einem, wie auf der People-Übersicht meiner Homepage, nur Platz für einige wenige Stichworte zur Verfügung steht. Also habe ich mir mit nachstehender Formulierung „u.v.m!(und vieles mehr) in fettem Rot beholfen.

GABRIELE WERTH, u.a. Herausgeberin von: Ingeborg Schober: Die Zukunft war gestern u.v.m!
Gabriele Werth fotografiert von Marek & Beier Fotografen

Hinzugefügt habe ich den verlinkten Titel zu dem Buch, das uns zwei Gabys, die Werth und die Santos, im Frühjahr 2021 kooperativ zusammengeführt hat, und das Anfang des Monats im Verlag Andreas Reiffer erschienen ist, mit Gabriele Werth als Herausgeberin: Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern. Dass sie ein Buch über die wohl wichtigste deutsche Musikjournalistin der letzten Jahrzehnte herausgebracht hat, überrascht nicht weiter, denn „Musik“ spielt auch in Gabriele Werths Vita seit jeher eine zentrale Rolle:

Bereits während des Studiums in Göttingen – Anglistik und Sozialwissenschaften, mit dem Schwerpunkt Publizistik, schrieb die geborene Berlinerin für das dortige Stadtmagazin Hiero Itzo sowie für Fanzines. Dass sie sich zudem einen Nebenjob in einem Plattenladen aussuchte, machte für eine ausgewiesene Musik-Liebhaberin Sinn, in einer Zeit, in der Musik noch nicht allgemein über das Internet verfügbar war.

Ihre Diplomarbeit schrieb sie 1980 über moderne Hörspielformen.

Nach dem Studium begann sie in München in der Musikverlagsbranche zu arbeiten- zuerst als Assistentin der Verlagsleitung, später als A&R in England und USA und dann als MCA-Verlagsmanagerin bei Ralph Siegel.
1988 wechselte sie als Produktmanagerin zum Filmkunstmusikverlag München und war dort unter anderem verantwortlich für Musikproduktionen mit Klaus Doldinger, Karel Svoboda sowie Giorgio & Martin Koppehele.

1992 begann sie mit dem Drehbuchschreiben für das Fernsehen und verfasste seitdem zahlreiche Skripts für TV-Serien und -Movies.

2008 gehörte sie zur Redaktion der Neuausgabe von Sounds.

Von 1991 bis 2011 machte sie Presserabeit für Film- und Fernsehproduktionen in einem Münchner Medienbüro.

Seit 2019 engagiert sie sich ehrenamtlich in der Münchner Kommunalpolitik im Bereich Kultur- und Soziales.

Bis heute begeistert sie sich leidenschaftlich für Popmusik, neue Bands und KünstlerInnen.

Auszüge aus der Vita der Autorin, Verlag Andreas Reiffer

Wie wohl für die meisten von uns, die Ingeborg Schober näher kannten, erwies sich auch für Gabriele Werth die Begegnung mit der Musik-Journalistin als prägend und von nachhaltiger Wirkung – wie das jetzige Erscheinen ihres Buches mit Texten von und zu Ingeborg Schober beweist.

„Die Zukunft war gestern“ zeugt von einer Herausgeberin, die sich voll und ganz, mit all ihrem Herzblut, auf die Arbeit an diesem Buch eingelassen hat: Zum einen bestechen die gekonnt von Werth zusammengestellten Texte, die mit zahlreichen Bild-Ausschnitten von Original-Publikationen bebildert sind und beim Betrachten zurück in jene Zeit katapultieren, in der sich Ingeborg Schober auf dem Gipfel ihrer Laufbahn als Deutschlands erste Musik-Journalistin befand. Da Schober inmitten der Szene lebte, über die sie schrieb, nimmt sie die LeserInnen hautnah mit auf ihre Streifzüge durch die Musikwelt ab der 1960er Jahre.

Texte von und zu Ingeborg Schober am Beispiel von Hellmut Hattler:
links der Text-Ausschnitt von Schober über Hattler, rechts der von Hattler
über Schober

Zum anderen beleuchten die Reminiszenzen ihrer WeggefährtInnen Schobers sehr spezielle Persönlichkeit.

Ikone des Musik-Journalismus und doch früher Tod im Prekariat“: Abschrift meines Beitrags aus „Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern – Essays, Gespräche & Reportagen“, Hrsg. Gabriele Werth

Als Gabriele Werth 1990 Ingeborg Schober traf, lagen deren große Erfolge bereits hinter ihr. In Folge arbeiteten die beiden Frauen gemeinsam an diversen Projekten, von denen sich jedoch damals keines realisieren ließ. Daher verloren sie sich Mitte der 1990er Jahre wieder aus den Augen.

„Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern“: Essays. Gespräche. Reportagen. Herausgegeben von Gabriele Werth

Dass ein Vorhaben der beiden jetzt doch noch umgesetzt wurde, ist der Beständigkeit von Gabriele Werth geschuldet. Besagte Texte-Sammlung „Die Zukunft war gestern“ ist Gabriele Werths bislang letztes abgeschlossenes Projekt. Wohlbemerkt „bislang„, denn Menschen wie sie, ausgestattet mit ausgeprägten Interessen und mit reichlich Kreativität sowie Einfühlungsvermögen, bleiben meist lebenslänglich im Zustand eines perpetuum mobile … 😉

Gestern nun haben wir Gabys uns – über die virtuelle Kommunikation hinaus – endlich auch persönlich kennengelernt; für mich eine weitere vielversprechende Begegnung, für die ich mich einmal mehr bei „Ingeborg irgendwo da oben“ herzlich bedanke! Offensichtlich versteht sich niemand besser als sie auf das Zusammenführen von Menschen, selbst noch posthum.


Siehe auch das Interview von Andreas Reiffer

„Einen alten Schatz gehoben“ „Drei Fragen an Gabriele Werth“

Einen alten Schatz gehoben


Titelfoto: Marek & Beier Fotografen



Ikone des Musik-Journalismus und doch früher Tod im Prekariat“: Abschrift meines Beitrags aus „Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern – Essays, Gespräche & Reportagen“, Hrsg. Gabriele Werth

Titelmotiv:
Collage von Gaby dos Santos des Artikels von Jochen Overbeck im MUSIKEXPRESS zum Buch mit Texten
von & zu Pop-Journalistin INGEBORG SCHOBER, Herausgeberin Gabriele Werth im Verlag Andreas Reiffer

Als ich zu ihrem fünften Todestag für mein Historical Ingeborg Schober – Eine Poptragödie recherchierte, stieß ich auf eine schillernde Persönlichkeit, die sich ganz anders darstellte, als die gesundheitlich und existentiell schwer angeschlagene „Schwester Hiob„, als die sie – tragisch und treffend – der Journalist Karl Bruckmaier in seinem SZ-Nachruf von 2010 bezeichnete.

Süddeutsche Zeitung . Münchner Kultur . 10.6.2010

Ein bisschen hatte ich die „schillernde Ingeborg“ auch noch selbst erlebt – bei unserem ersten Zusammentreffen 1997 in meiner damaligen WerkstattBühne im Robinson. Als Rezensentin der gerade sehr erfolgreich laufenden The Poet’s Rap & Roll Show war mir eine Journalistin der Süddeutschen Zeitung avisiert worden. Zu meiner Überraschung erschien eine sehr patente, wache und natürliche Frau, die, jenseits allen Kulturdünkels, gerade das „Unprätentiöse“ an Peter Kramers Inszenierung schätzte. Und sich kurz vor Abgabeschluss noch die Mühe machte, bei mir anzurufen, um sich die Namen der Mitwirkenden einzeln buchstabieren zu lassen, im Wissen um die damalige Wichtigkeit für jeden Kunstschaffenden, im Kulturteil der SZ genannt zu werden, der damals noch bundesweit erschien.

Sandra Maischberger beschreibt in obigem Video die „schillernde Ingeborg“ aus früheren Zeiten;
O-Ton aus dem Historical Ingeborg Schober – Eine Poptragödie

Danach traf ich sie erst 2003 wieder, als ich mit meiner Kulturplattform jourfixe-muenchen zur „Bohème-Nacht“ feierlich Einzug ins Münchner Künstlerhaus hielt. Damals war Ingeborg bereits dringend auf Lesungen aus ihren Büchern angewiesen, um ihr Einkommen aufzubessern und suchte nach Auftrittsmöglichkeiten. Bei uns sollte sie in Folge einige finden …

Ab und an bekam sie noch von der Süddeutschen Zeitung Aufträge für Kulturrezensionen. Die bedeuteten für sie zunächst vor allem Spesen für das obligatorische Getränk am Spielort und meist lange Fußmärsche heimwärts durch das nächtliche München, um Fahrgeld zu sparen; alles für einen Artikel, der möglicherweise gar nicht erscheinen würde, falls ihn eine Anzeige verdrängte. In solchen Fällen, die ich mehr als einmal miterlebte, stand Ingeborg, als freier Mitarbeiterin, weder ein Ausfallhonorar noch die Erstattung ihrer Spesen zu.

Ingeborg Schober um 2004, bereits mitten im Karriereknick;
Foto: Stefan Prager / Collage: Gaby dos Santos, aus dem Historical Ingeborg Schober – Eine Poptragödie

In einem um die Jahrtausendwende eng gewordenen Medienmarkt leistete man sich den Ausverkauf einer Ikone des Pop-Journalismus und war sich dessen noch nicht einmal bewusst! Ingeborg äußerte mir gegenüber einmal sinngemäß, es herrsche der Irrglaube, über Pop könne jeder mit zwei Ohren schreiben; so auch der Praktikant, den man immer öfter anstelle der versierten Journalistin einsetzte. Zuletzt kam es sogar vor, dass neue Praktikanten sich bei Redaktionskonferenzen erkundigten, wer sie eigentlich sei …

Grund dafür war, über das bildungsbürgerliche Naserümpfen gegenüber der Populärkunst hinaus, auch eine neue Art von Rotstift, der aus Kostengründen blind den Qualitätsjournalismus einer Ingeborg Schober zusammenstrich und damit auch das, wofür ihre Art von Artikeln stand: Fachwissen, publizistische Akribie und Fairness. Ingeborg verstand es, in ihren Besprechungen Kritik zu üben, ohne die Rezensierten in Grund und Boden zu schreiben und dabei aus einem beträchtlichen Wissensfundus sowie persönlichen Künstlerkontakten zu schöpfen. Hinzu kam eine ausgeprägte musikalische Intuition, die sie beispielsweise als eine der Ersten das Potential der später legendären E-Pop-Formation Kraftwerk erkennen ließ.

Archiv-Material aus dem Nachlass Ingeborg Schobers zu 2 Collagen zusammengefügt von Gaby dos Santos, für Bildprojektionen im Historical Ingeborg Schober – Eine Poptragödie

Ingeborg Schober war eines der ersten und prominentesten Opfer einer fatalen Zeitenwende im Mediengeschäft. Dass Gabriele Werth jetzt Texte Schobers einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht hat, empfinde ich als verdiente und überfällige Würdigung dieser Ausnahme-Autorin und darüber hinaus, auf Grund der zeitgeschichtlichen Relevanz ihrer Berichterstattung, als Bereicherung für die publizistische Szene insgesamt.

(Gaby dos Santos im April 2021)

Anmerkung von Gaby dos Santos zur Entstehung des obigenTextes:

Als Gabriele Werth mich fragte, ob ich nicht ihrem Buch einen Beitrag über meine Begegnung mit Ingeborg beisteuern wolle, sagte ich spontan und sehr gerne zu, denn ich wusste sofort, worüber ich unbedingt berichten wollte: Über jene Kluft zwischen der Top-Journalistin, die mit schmetterlingshafter Leichtigkeit durch die internationale Popmusik-Szene schwebte und jener „Schwester Hiob“, die mir in späteren Jahren begegnet war. Dieser Bruch in Ingeborgs Vita beschäftigt mich bis heute …

– Klar, jeder mag seines eigenen Glückes Schmied – oder in diesem Fall Schmiedin – sein, das bestreite ich gar nicht, dennoch hätte ein verantwortungsbewussterer Umgang seitens der arbeitgebenden Medien mit ihrem einstigen Star Ingeborg Schober einiges an Härten zum Lebensende erspart!

Eine Ingeborg Schober um 2004 (oben rechts) , bereits mitten im Karriereknick, blickt auf die Ingeborg von 1975, on tour mit GENESIS
Collage: Gaby dos Santos, aus dem Historical Ingeborg Schober – Eine Poptragödie

Entsprechend groß ist jetzt meine Freude darüber, dass Jochen Overbeck, am Beitragsende seiner obigen Rezension im MUSIKEXPRESS (s.Titelbild) ausdrücklich diesen Punkt aufgreift!

Wobei ich mich in diesem Zusammenhang frage, ob es nicht an der Zeit für so manche Printmedien wäre, die zwischenzeitliche Abwertung des Qualitätsjournalismus zu Gunsten eines schnöden Mammons zu überdenken, um nicht noch mehr durch Online-Publikationen und Blogs ins Hintertreffen zu geraten. Hoher publizistischer Anspruch ist und bleibt das Pfund, mit dem guter Print-Journalismus nachhaltig zu punkten vermag!


Zum Buch von Gabriele Werth

Frisch angeliefert im Verlag Andreas Reiffer:
Die Ingeborg Schober-Bücher, Ende Mai 2021

Gabriele Werth lernte Schober in den 1990er Jahren kennen. Ihre liebevoll zusammengestellte Sammlung »Die Zukunft war gestern« mit Essays, Gespräche und Reportagen aus mehr als 25 Jahren wird ergänzt durch Gastbeiträge

> Verlag Andreas Reiffer

Gastbeiträge

„Ingeborg Schober – Die Zukunft war gestern“: Essays. Gespräche. Reportagen. Herausgegeben von Gabriele Werth


Weitere Rezension >

Über Deutschlands erste Rockmusikjounalistin Ingeborg Schober: „Die Zukunft war gestern“ von Gabriele Werth – Buchvorstellung



Die Vita „FortePiano“ der Künstlerin Renée Rauchalles

In der Beitragscollage hat Gaby dos Santos ein Foto der Künstlerin Renée Rauchalles zwischen den Ausschnitten von zwei ihrer Bilder montiert, die auch für die Extreme ihrer eigenen Vita stehen: Links das Selbstbildnis in düsteren Farben, das ihre Versöhnung mit dem – unausweichlichen – Tod darstellt, rechts eines ihrer typischen abstrakten, das Leben bejahenden Gemälde: FortePiano

„FortePiano“ nennt sich ein Gemälde der Künstlerin Renée Rauchalles, mit dem sie 2019 in den New Yorker Kunstfrühling zur ARTExpo startete, und das ihre Lebenseinstellung exemplarisch wiederspiegelt: Der Fehlerhaftigkeit des Daseins setzt sie Farben in Bewegung entgegen, in deren Intensität sich ein Bejahen des Lebens ausdrückt:

Ein Aufblühen … Ein Forte, dass ohne das piano (leise, langsam, behutsam annährend)  des anderen Bildes für mich unvorstellbar, sinnlos wäre …

Renée Rauchalles

Dieser Einstellung folgend, kontrastiert ihr Bild FortePiano auf faszinierende Art mit einem Selbstbildnis der Künstlerin, auf dem sie in verhalten Farben ihre Versöhnung, so der Titel, mit dem Tod, darstellt; für mich Synonym für ein friedvolles sich fügen in die Unausweichlichkeit des Stirb und Werdens … Dieses Werk, eines meiner Favoriten (s. linke Seite der Titel-Collage), stammt aus ihrem phantastisch realistischen Bilderzyklus:

„Renée Rauchalles setzt das Archetypische der Gefühle in sichtbar real existierende Vorgänge und Szenen. Diese Bilder sollen keinesfalls einen ausweglosen Zustand vermitteln, sondern vielmehr warnend ins Bewustsein der Menschen treten. Sie sind metaphorisierte Gebilde dessen, was kommen mag, wenn der Mensch seine Wachsamkeit (auch sich selbst gegenüber) verliert. Ihre Themen sind demzufolge meist globale Anliegen, die oft von der Realität eingeholt werden.“ 

Dr. Alexandra Hildebrandt, Literaturwissenschaftlerin
Renée Rauchalles: Die Lüge

Von der Wirklichkeit selbst hart eingeholt, wurde auch die Künstlerin und zwar gleich mehrfach im Lauf ihres Lebens. Schicksalsschläge beendeten früh und jäh ihre Theaterlaufbahn und zwangen sie immer wieder in die Rolle einer mater dolorosa, ähnlich der einer Frida Kahlo, was ihren Wirkungsradius nach außen hin einschränkte. Dies wiederum schärfte ihren Blick auf die Außenwelt und inspirierte sie zugleich, künstlerisch einen Gegenpol zu schaffen, anhand einer lichten inneren Welt, die ihren Ausdruck in abstrakten Bildern findet, von der Malerin in warmen Farbtönen gehalten, mit klaren, ständig fließenden, jedoch niemals harten Linien.

Renée Rauchalles in BEWEGUNG vor einem ihrer lichten, farbenfrohen abstrakten Bilder

Die Gegensätzlichkeit ihrer Bilderzyklen reflektiert für Renée Rauchalles …

„… zwei eng aneinander grenzende Welten, die doch stets getrennt bleiben und aus denen sich eine Wechselwirkung zwischen Dunkelheit und Licht,
zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Realität und Traum entfaltet.

Dieses Prinzip des Lebens in zwei Welten drücke ich in der Gegenüberstellung meiner abstrakten zu meinen gegenständlich-realistischen Bildern aus. Letztere symbolisieren für mich unsere Realität, so, wie wir sie uns formen, weshalb sie faktisch gar keine Realität ist. Thematisch geht es in den Bildern um Gewalt, Macht, Umweltzerstörung – und den Tod.

Im Gegensatz dazu stehen die abstrakten Bilder für einen inneren Frieden, der sich machtvoll nach außen verströmt!

RENÉE RAUCHALLES

Es muss sich bei Renée Rauchalles um einen besonders machtvollen inneren Frieden handeln, der ihr die Kraft gibt, nach jedem Rückschlag sofort wieder dort an ihre künstlerische Arbeit anzuknüpfen, wo sie unterbrochen wurde, eine eherne Haltung, die sich nach außen hin in einem flamboyanten Erscheinungsbild fortsetzt. Ich bewundere sie sehr, menschlich wie künstlerisch!


Passend zu diesem Bericht klingt auch der Titel ihrer bevorstehenden Online-Ausstellung an:

Renée Rauchalles in Kooperation mit

Von der Dunkelheit ins Licht

Ab 1. Juli 2021 > www.oehlmann-photography.de


Mehr zu Renée Rauchalles vielfältigen künstlerischen und publizistischen Aktivitäten:

Renée Rauchalles -Autorin und Malerin sowie Bühnenkünstlerin: Eine wechselvolle Vita in Übersicht

Die Freie Bühne München (FBM)

Als erstes inklusives Theater in Bayern bereichert die „Freie Bühne München“, seit 2014, das kulturelle Leben nicht nur in München sondern auch durch Gastspiele auch in der gesamten Großregion.

Szenenbild der FBM-Produktiion 2017: „Miltons Tower – oder die Schönheit der Dinge

Das Selbstverständnis der Mitglieder lautet: Schauspieler, Techniker, das Regie-Team, mit und ohne Behinderung; sind Kolleg*Innen auf Augenhöhe, die gemeinsam professionell Theater machen.

DENN

Inklusion – das bedeutet Vielfalt als Gewinn, ein buntes Miteinander, ohne Ausgrenzung, Diskriminierung und Behinderung durch Barrieren.

Und der bisherige Erfolg bestätigt die Vision des inklusiven künstlerischen Miteinanders, geboren aus einem – bis dato – kulturellen Manko in München: Es fehlte ein inklusives Theater, bei dem Schauspieler mit und ohne Behinderung gemeinsam professionell zusammenarbeiten und auf der Bühne ihre Kunst zeigen. Also ein Theater für alle. – Und zudem ein Bühnenbetrieb, AUCH mit Ausbildungsmöglichkeiten für alle!

Foto: Homepage FBM

Deshalb gründeten Angelica Fell, Mutter eines Sohnes mit Down Syndrom, und ihre Tochter Marie-Elise, zusammen mit elf weiteren Gründungs-Mitgliedern, am 7. November 2013 den gemeinnützigen Verein `Freie Bühne München/FBM e.V.`. (…) MEHR

Angelica (links) und Marie-Elise Fell

Unser Ziel ist es, neue künstlerische Wege zu gehen, spannendes Theater zu machen und durch unsere Arbeit ein Bewusstsein für gelebte Inklusion zu schaffen. Die „Freie Bühne München“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Berufsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zu eröffnen, dafür stehen wir – jetzt und in Zukunft.

Gruppenbild des Ensembles von LULU, der diesjährigen Produktion der FBM – Freien Bühne München – Hintergrund links: Angelica Fell, Initiatorin der FBM, vorne, 1. von links Dennis Fell Hernandez, neben ihm Luisa Wöllisch, gleich dahinter Regisseur Jan Meyer, auch künstlerischer Leiter der FBM

Luisa Wöllisch war die erste Schauspielerin mit Downsyndrom, die an der Freien Bühne München ausgebildet wurde. Gleich nach ihrem Abschluss erhielt sie eine der Hauptrollen in der Kino-Komödie „Die Goldfische“,  an der Seite von Tom Schilling, Birgit Minichmayr und Jella Haase.

Louisa Wöllisch, erste Reihe Mitte, im schwarzen Kleid, wurde unmittelbar nach ihrer Schauspiel-Ausbildung an der FBM für eine der Hauptrollen in „Die Goldfische“ engagiert

Aktuell ist sie mit Hauptrollen an mehreren großen Bühnen engagiert, dreht im festen Cast für eine TV-Serie und spielt die Titelrolle in „LULU“, der Produktion 2019 der Freien Bühne München.

Weiterführende Links zum Bildungsangebot der FBM

> ORIENTIERUNGSJAHR
> AUSBILDUNG/QUALIFIZIERUNG
> INTENSIV-WORKSHOPS
> SCHAUSPIEL-CLUB

Weiteres auch unter > MITMACHEN

> www.freiebuehnemuenchen.de


Weitere Beiträge zur FBM im GdS-Blog

2020: Fünf Jahre Bühnenzauber mit der inklusiven Freien Bühne München – Ein Rückblick im Vorfeld der nächsten Premiere

„LULU“ nach Wedekind der Freien Bühne München noch 3 mal in München: AZ-Kritik von Mathias Hejny

Roter Teppich für Luisa Wöllisch, Ensemble-Mitglied der inklusiven Freien Bühne München und Hauptdarstellerin mit Tom Schilling u.a. in der Komödie mit Tiefgang „Die Goldfische“

„Frangiskos träumt von Hollywood“: BR-Beitrag von jourfixe-Mitglied Constanze Hegetusch über die inklusive Freie Bühne München

„Milton’s Tower – oder die schönheit der dinge“ – Besuch bei Proben zum inklusiven Bühnenstück der Freien Bühne München


Das Beitragsbild ganz oben entstand während Dreharbeiten des ZDF anlässlich der Proben zum > WOYZECK, 2017
Bei den kursiv gehaltenen Textpassagen handelt es sich um Zitate, die der FBM-Homepage an verschiedenen Stellen entnommen wurden.



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