Unvergessen: Pianist Igor Kondakov und mein orthodoxes Osterfest 1981

In der orthodoxen Osternacht 1981 öffnete der russische Musiker Igor Kondakov für mich den Eisernen Vorhang einen Spalt breit und gab mir erstmals den Blick auf ein Russland frei, das jenseits von Sowjet-Regime, Bolschewismus und Kaltem Krieg lag. Ein Land, das  sich über Jahrhunderte mit Kunst und Kultur angereichert und seine ganz eigenen Traditionen entwickelt hatte, unabhängig von den jeweiligen Machtverhältnissen, allein durch seine Menschen. Damals traf man im Westen normalerweise keine „echten Russen“, die ich in meiner Vorstellung irgendwo zwischen dem beindruckend konsequenten Dissidententum eines Alexander Scholschenizyn und der glutäugigen Hollywood-Romantik eines Dr. Schiwago ansiedelte.

Ein -Hollywood-Hit, hinter dem sich eine menschliche Tragödie verbirgt:
Autor Boris Pasternak schmuggelte sein Manuskript ins Ausland und ließ es dort veröffentlichen, obwohl er wusste, dass ihn dies seine Freiheit, wenn nicht sogar sein Leben kosten würde und so kam es dann auch …

Für Igor Kondakov galt weder noch. Er bestach durch sein Piano-Spiel, begleitet am Bass von einem weiteren russischen Igor, womit mir also an einem Abend gleich zwei dieser damals raren Begegnungen mit ehemaligen Sowjetbürgern zuteil wurde. 😉 In den Pausen unterhielten wir uns und tranken so einiges. Die Begegnung ereignete sich im Kleinen Rondell, einer damals angesagten Münchner Jazzbar. Damals hatte ich gerade diese Musikrichtung für mich entdeckt und großes Interesse an allem entwickelt, was damit zusammenhing. Entsprechend drehten sich unsere Gespräche ausschließlich um Jazz. Politik, die Sowjetunion und das offensichtliche Exilantentum der beiden Igors hingegen spielte keine Rolle in unseren Gesprächen. Einige Stunden und Getränke später traf ich dann doch noch auf Russland und zwar nicht auf das Machtpolitische Konstrukt „Sowjetunion“, mit ihrem staatlich verordneten Atheismus, sondern auf die Heimat des russisch-orthodoxen Glaubens. Kondakov lud mich ein, ihn und seinen Musiker-Freund zur Ostermesse zu begleiten.

Das christlich-orthodoxe Osterfest wird nach dem Julianischen Kalender
Hin und wieder fallen westliches und östliches Osterfest auf dasselbe Datum – das nächste Mal 2025 > LINK

Vierzig Jahre später erinnere ich natürlich keine Details mehr, aber der Zauber jener Osternacht in einer orthodoxen Kirche, erfüllt von Kerzenlicht und Gesängen, bleibt unvergessen. Damals erlebte ich eine mystisch-magische Nacht, die noch kein Gedanke an das spätere Verhalten des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. trübte, der sich mehrfach unterstützend zum russischen Angriff auf die Ukraine und zu Putins Politik geäußert hat …

Früher befand sich hier das „Kleine Rondell“, in dem ich 1981 Igor Kondakov kennenlernte

Als ich drei Jahre später dann selbst die Programmplanung für das Kleine Rondell übernahm, dachte ich sofort an Igor Kondakoff. Für den ersten Monat unter meiner Ägide engagierte ich meinen Kumpel Wolfgang Lackerschmid, der sich zwar bereits international einen Namen als Vibraphonist erspielt hatte, aber für ein einmonatiges Block-Engagement gerne auch mal in die Tasten griff. Gleich für den darauffolgenden Monat sollte dann Kondakov übernehmen. Leider stand mein Debut als Kulturschaffende 1984 unter keinem guten Stern. Das gemeinsam mit zwei KollegInnen kommissarisch übernommene Lokal entpuppte sich als derart renovierungsbedürftig, das uns das KVR gleich mal den Laden für einen Monat dicht machte. Jetzt hieß es im Akkord den Pinsel schwingen, worüber ich vollkommen vergaß, Kondakoff abzusagen, bis ich einen Anruf von ihm erhielt, in dem er sich ebenso wütend wie sarkastisch für das famose Engagement bedankte … Nachvollziehbar 😦

Kurz darauf starb die eigentliche Besitzerin des Rondells, das Lokal wurde fortan als „Waschkucherl“ betrieben und ich dachte nur sporadisch und immer in Zusammenhang mit dem orthodoxen Osterfest an meine Begegnung mit Igor & Igor im April 1981.

Mit welcherart musikalischem Schwergewicht ich mich seinerzeit eingelassen hatte, dämmerte mir erst Jahre später, anlässlich einer Soirée von MIR e.V., dem Münchner Verein für kulturelle Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit Schwerpunkt Russland und Ukraine:

Wenn vom russischen München die Rede ist, muss unbedingt der Jazzpianist Igor Kondakov erwähnt werden, der bei seinen Freunden unter dem Namen „Kandej“ bekannt ist. Vom Ende der 70er Jahre an war er im Laufe von mehr als zwei Jahrzehnten einer der markantesten Vertreter der russischen Kreise in der bayerischen Hauptstadt. 

Das russische München – Geschichten und Erinnerungen von Tatjana Lukina, Vorwort Gerd Ruge

Zum Hommage-Abend für Igor Kondakov und seine Frau, der russlanddeutschen Schauspielerin Milla Wollrath-Kondakowa, hatte MIR e.V. im Veranstaltungssaal eine Schautafel mit Pressestimmen und Fotos des Ehepaares aufgestellt und zudem für den musikalischen Part den Top-Pianisten Leonid Chizhik engagiert.

Fasziniert studierte ich die Exponate, die das bewegte Leben des Exilrussen nachzeichneten:

Geboren wurde Igor Kondakov unmittelbar vor Beginn der Leningrader Blockade der Nazis am 12. August 1941, studierte später am Staatlichen Moskauer Tschaikowski-Konservatorium Klavier und Komposition bei Professor Aram Chatschaturian (dem Schöpfer des weltberühmten „Schwerttanzes“) und reüssierte alsbald als jüngster Orchesterleiter.

Wie es dann in den 1970er und 80er Jahren weiterging, hat Autor und Journalist Thomas Veszelits anschaulich in einem Artikel im AZ-Feuilleton zusammengefasst:

Insgesamt 17 Jahre zeichnete Igor u.a. verantwortlich für die musikalische Untermalung im Mövenpick im Künstlerhaus München am Lenbachplatz. 1991 wurden die Kondakovs Mitglieder des gerade gegründeten Vereins MIR e.V., den Igor auch mit einer ganzen Reihe von Benefiz-Konzerten unterstützte. Mit dessen Präsidentin Tatjana Lukina verband das Ehepaar Kondakov zeitlebens eine enge Freundschaft.

15. Februar 2019: MIR-Gedenkkonzert für Igor & Milla Kondakov

Tatjana Lukina, Mitbegründerin und Präsidentin des Kulturvereins MIR mit Gaby dos Santos
Leonid Chizhik und Bassist Peter Bockius beim Kondakov-Gedenkkonzert

EPILOG meiner orthodoxen Osternacht 1981: 2004 erlitt Igor Kondakov einen Schlaganfall, fiel ins Koma und verstarb 2007, ohne das Bewusstsein jemals wieder erlangt zu haben. Begraben ist er am Lago Maggiore, meiner alten Heimat aus Jugendjahren. So schließen sich Kreise, zumal ich wiederum seit vielen Jahren die Aktivitäten von MIR e.V. mit meinem Blog begleite und dessen Künstlerinnen und Künstlern freundschaftlich verbunden bin, allen voran Präsidentin Tatjana Lukina, – bis heute, dem tragisch überschatteten orthodoxen Ostern 2022.


Weitere Beiträge zu MIR/Veranstaltungen im GdS-Blog:

„Wer liebt, fragt nicht, was er tun soll!“: Musikalisch-literarische Soiree zu einem Doppeljubiläum: 150. Geburtstag des Dichters Leonid Andrejew sowie 30. Gründungstag des russischen Kulturzentrums MIR, am 24.9./19 Uhr, Seidlvilla München

Am 24. September 1991, auf den Veranstaltungstag genau vor dreißig Jahren, wurde „MIR e. V.“ gegründet, das Zentrum russischer Kultur in München Seinen runden Geburtstag widmet MIR dem 150. Jubiläum des Dichters Leonid Andrejew (1871…

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Ninotschka, eine „Schwabinger Muse“ – Tatjana Lukina, Präsidentin des russischen Kulturzentrums MIR, erinnert an Nina von Kikodse, die wahre „barfüssige Gräfin“ der Münchner Bohème, in einer Episode aus dem Buch „Russische Spuren in Bayern“

Man schrieb Juli 1985. Zwei Monate Spielzeit gingen zu Ende. Wir waren gute Verlierer im Kampf gegen die Münchner Biergärten. Am letzten Tag rief mich wie üblich der Theaterdirektor an, um zu berichteten, dass es…

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„Der Mensch – das klingt stolz“ – Zum 150. Geburtstag des Dichters Maxim Gorki eine Spurensuche in Vorfeld einer Veranstaltungsreihe des russischen Kulturzentrums MIR am 21. und 23. März 2018 im Münchner Gasteig

„Der Mensch – das klingt stolz“ äußert einer, dessen Künstlername „Maxim Gorki,  eigentlich „der Bittere“ bedeutet und das mit gutem Grund: Geboren wurde er als Alexei Maximowitsch Peschkow, irgendwann zwischen dem 16. und 28. März 1868,…

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Italien, August 1961 – Persönliche Momentaufnahmen und Reminiszenzen vom Reisen in einer anderen Zeit – sowie an einen schicksalhaften Tag im August

Wir schreiben den Sommer 1961. Wen es zu dieser Zeit nach „Bella Italia“ zog, der musste echten Sportgeist zeigen: Es galt nämlich, die Alpen zu überqueren – und zwar, nix mit Tunnel – über Serpentinstraßen, die sich in endlosen Schleifen die Berge hoch und dann wieder hinunter wanden, bis so mancher Magen und Motor streikte …

Das lag nicht zuletzt daran, dass man sich in jenen Jahren in eher kleinen Autos fortbewegte, VW-Käfer oder FIAT 500, „Enten“ etc. Ein mehr an Fortbewegungsmitteln konnten sich die Durchschnittspaare und Familien damals noch nicht leisten.

Der Auto-Typ auf diesem Foto nahm gewissermaßen die Reiseroute vorweg: Mit dem FIAT 500 aus Berlin in dessen italienische Heimat via Alpen

Auch mein Onkel und meine Tante nahmen 1961 erstmals die Herausforderung einer Italien-Reise über die Alpen an, stilgerecht in einem FIAT 500, der jahrzehntelang als DAS italienische Vehikel überhaupt galt. Ihr Ziel war zunächst Varese, wo gerade meine Eltern mit mir hingezogen waren, weil mein Vater einen Job als Physiker im Forschungszentrum EURATOM in Ispra ergattert hatte. Damals ahnten sie nicht, dass ihnen diese Gegend während der kommenden 55 Jahre zur Heimat werden würde …

Gaby dos Santos als Dreijährige am Kindertischchen im Wohnzimmer

Also lernte ich bereits als Dreijährige zwangsläufig auch Italienisch zu sprechen und assimilierte viel des dortigen Lifestyles. Auf obigem Foto trage ich das Kittelchen, das damals in italienischen Kindergärten üblich war, rosakariert für die Mädchen und hellblaukariert für die Buben.

Nachdem wir unser neues Häuschen vorgeführt hatten, das im Kellergeschoß sogar noch über ein Plumpsklo verfügte und dessen Badezimmer – für meine Eltern zunächst exotisch – mit einem Bidet ausgestattet war, ging es weiter ans Meer.

Der eigentliche Protagonist dieser Reminiszenz, der kleine FIAT auf dem Foto, schaffte es tatsächlich noch weiter bis an die Adria! Im Hintergrund die damals typischen, sehr schlicht gehaltenen Umkleidekabinen zu erkennen. Deren hölzerner, mit Sonnenöl durchtränkter Geruch steht für mich bis heute für unbeschwerte Standurlaube. Damals erwischten wir wohl die Haupturlaubszeit für unseren Trip ans Meer, denn in der Zeit um Ferragosto (um den 15. August herum) drägte – und drängt sich noch immer – ganz Italien an den Stränden. Wer es sich leisten konnte, unterhielt damals eine Zweitresidenz, egal wie klein, direkt am Meer. Frau und Kinder verbrachten dort en bloc die dreimonatigen Schulferien, die bis zum 1. Oktober andauerten. Die Väter gesellten sich an den Wochenenden und vor allem Mitte August dazu.

Schon damals hielt ich offensichtlich lieber den Kopf hin – und in die Kamera – als ihn in den Sand zu stecken 😉 Wer mich damals einbuddelte, weiß ich nicht, aber ganz offensichtlich machte ich mir so meine Gedanken, wie ich diese ungewohnte Lage eigentlich finden sollte.

Weitere Fotos, die hier nicht abgebildet sind, zeigen Onkel, Tante und meine Eltern fröhlich am Strand. Vor Kurzem hätten sie mich noch sehr traurig gestimmt, weil mein Vater nicht mehr lebt, doch lerne ich gerade, Vergänglichkeit aus einer neuen Perspektive wahr – und anzunehmen.

Beim Betrachten der Momentaufnahmen dieser vier jungen Menschen empfinde ich viel Zärtlichkeit. Jung sind sie, so scheinbar unbeschwert jung wie auch ich mal war und umso vieles jünger, als ich jetzt bin. Dazwischen liegt die Fülle ihrer ganzen Leben.

Es berührt mich sehr, sie anzusehen und vergeblich in meinem Gedächtnis nach einem Pendant zu diesen Szenen zu suchen. Veröffentlichen möchte ich diese persönlichen Fotos nicht, zumal ihr Anblick für unsere Familien alles, für Außenstehende jedoch kaum etwas bedeutet …

Gaby dos Santos, 20.4.2022

Zu verdanken habe ich diese, im Nachgang betrachtet, so wertvolle Italien-Retrospektive meiner Kusine Katja Lanz, die mir die Fotos geschickt hat, die ihr Vater Heinz Blässer seinerzeit aufgenommen hat. Ein dickes Dankeschön dafür an alle Beiden! 🙂

  • An eine Begebenheit aus dieser Zeit erinnere ich mich aber doch noch aus den Erzählungen meines Vaters: Eines Tages entdeckte mein Onkel eine italienische Schlagzeile, in der „Berlino“ vorkam. Da dies unsere Heimatstadt war, in deren Westteil zudem alle Großelternteile lebten, war ihm der Name ins Auge gestochen und er fragte nach der Bedeutung von „Cortina die Ferro„.
Italienische Zeitungsmeldung vom 14.8.1961; am Tag zuvor war die Mauer errichtet worden
  • „Cortina di ferro“ bedeutet „Eiserner Vorhang“

Soeben war, während wir ausgelassene Sommertage verbrachten, die Mauer errichtet und unser Berlin zweigeteilt worden …




Mehr aus meinem Leben …

Celia Tremper: Mehr noch Laudatio als Pressestimme ihre Rezension zu Gaby dos Santos multimedialem Portrait: „Toni Netzle – Für immer Simpl“, illustriert mit Fotos von Dirk Schiff/portraitiert.de

Am Freitag, 25.03.2022, wäre Münchens bekannteste Wirtin Toni Netzle 92 Jahre alt geworden. Die Autorin Gaby dos Santos hat ihr eine faszinierende Retrospektive in Jutta Speidels Kulturbühne Spagat gewidmet. Nach einer 2-stündigen…

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„Faces for the Names“: Das Kunst- und Gedenkprojekt für Holocaust-Opfer, mit Lichtinstallationen vom 3. – 8.4.2022 im Münchner Stadtteil Au-Haidhausen: Video-Clip und Nachlese

Vom 3.- 8. April 2022 hat sich das Kunst- und Gedenkprojekt „Faces for the Names“ der Erinnerungskultur im Münchner Viertel Au-Haidhausen gewidmet, das auch mein Heimatviertel ist. Dennoch konnte ich es diesmal nur aus der Ferne verfolgen, beziehungsweise das Video von Terrys aktuellem Praktikanten Niklas, einem Montessori-Schüler.

❗ Schön, dass dieses Projekt gerade auch von jungen Leute vorangetrieben wird, denn Faces for the Names macht die Opfer des Holocaust – ihre Namen UND ihre Gesichter – für uns nachgeborene Generationen wieder sichtbar.

Links Initiator Terry Swartzberg

Hierfür werden ihre Fotos großformatig an die Fassaden jener Häuser projiziert, in denen sie vormals gelebt haben und ergänzen so die in die Böden davor eingefügten Stolpersteine von Bildhauer Gunter Demnig.

Das von Journalist und Ethical Campaigner Terry Swartzberg und Motion Designer Julian Giebelen entwickelte Projekt wurde, nach Vorbildern in Prag und Washington D.C., vom Verein J.E.W.S. Jews Engaged With Society e.V. in München am 24. Oktober 2020 erfolgreich gestartet.


Weitere themenverwandte Beiträge zum Kunstprojekt „Faces for the Names“:

Zum 80. Jahrestag der Ermordung in Kaunas von 997 jüdischem Bürgerinnen und Bürgern aus München: GEDENKVERANSTALTUNGEN Donnerstag 25. 11.,17h, Max-Joseph-Platz: Lichtinstallationen, Lesung und Gebet sowie Gedenkkonzert des Ensembles Zikoron; Weitere Lichtinstallationen FR, 26. – Mo, 29.11., Altstadt/Lehel, jew. 17h, aktualisiert durch ein Video

Am 25. November 1941 wurden insgesamt 997 Münchener Jüdinnen und Juden im Fort IX in Kaunas ermordet. Aus Anlass des 80. Jahrestages fand eine Open Air Gedenkveranstaltung am Max-Joseph-Platz, um 17h statt. Programm-Flyer zur Gedenkveranstaltung…

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Lichtinstallationen in der NS-Zeit verfolgter SportlerInnen & Gedenklesungen vorerst bis 7.Mai, ab ca. 20 Uhr an der Außenfassade des Grünwalder Stadions in München

Kurt Landauer gilt gemeinhin als der Mann, der den FC Bayern erfand. Dass der ehemalige Fußballer und mehrfache Präsident des FC Bayern München sowie posthumer Ehrenpräsident, auf Grund seiner jüdischen Herkunft, zu den von den Nazis verfolgten SportlerInnen zählt, ist hingegen weniger bekannt. Dem stellt nun der Verein J.E.W.S. Jews Engaged With Society, unter Federführung von Terry Swartzberg eine Veranstaltungsreihe entgegen, die sich SportlerInnen widmet, die in der NS-Zeit verfolgt wurden, mit Lichtinstallationen zu biografischen Berichten

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„Faces for the Names – Stadelheim Opfer“: Vom Hinrichtungs- zum Gedenkort > : Projektionen der Fotos von Hinrichtungsopfern der NS-Zeit auf die Außenmauer der JVA Stadelheim, 25. – 28.02., 19 Uhr sowie von 1- 3. März, Giesinger Bahnhof Vorplatz

„Einige der Hinrichtungsopfer der Nazis in der JVA Stadelheim sind weltbekannt: Hans und Sophie Scholl und andere Mitglieder der Weißen Rose sowie die Widerstandskämpfer der Olschewski-Binder-Gruppe“, heißt es im Pressetext der Initative J.E.W.S., die für…

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Fotos:
Terry Swartzberg/Thomas Nowottny im FB Account von Terry Swartzberg


Celia Tremper: Mehr noch Laudatio als Pressestimme ihre Rezension zu Gaby dos Santos multimedialem Portrait: „Toni Netzle – Für immer Simpl“, illustriert mit Fotos von Dirk Schiff/portraitiert.de

Am Freitag, 25.03.2022, wäre Münchens bekannteste Wirtin Toni Netzle 92 Jahre alt geworden. Die Autorin Gaby dos Santos hat ihr eine faszinierende Retrospektive in Jutta Speidels Kulturbühne Spagat gewidmet.

Nach einer 2-stündigen hochinteressanten Multi-Media-Show, die Gaby dos Santos der Simpl-Wirtin Toni Netzle zu deren 92. Geburtstag posthum gewidmet hat, gab es in der vollbesetzten Kulturbühne Standing Ovations.

Birgit Netzle vor einem Fotoportrait ihrer Mutter, aufgenommen von Dirk Schiff/portraitiert.de

Oh, das hätte meiner Mutter sehr gefallen, ich bin tief gerührt. Was Gaby da bewerkstelligt hat – einfach grandios“, lobte Tonis Tochter Birgit Netzle die Arbeit von Gaby dos Santos.

Jutta Speidel eröffnet in ihrer Kulturbühne Spagat die Toni Netzle zum 92. Geburtstag gewidmete Soiree; links Gaby dos Santos, Produzentin/Autorin der multimedialen Biografen TONI NETZLE: Für immer Simpl;
Foto: Dirk Schiff/portraitiert.de

„Ganz großartig, amüsant und wunderbar mit Zeitgeschichte kombiniert hat die Gaby das spannende Leben der Alten-Simpl-Wirtin Toni aufleben lassen , ich kann nur sagen Chapeau“ so Jutta Speidel. „Toni war in ihrer Art einmalig, im Guten wie im Bösen, sie war bei vielen Promis gefürchtet“, erinnert sich Ilona Grübel.

Schauspielerin Ilona Grübel mit Birgit Netzle vor der Kulturbühne Spagat; Foto: Dirk Schiff/portraitiert.de

Der Alte Simpl war die erste Promi-Kneipe in die jeder hinein wollte, aber nicht durfte. Denn nur Toni Netzle allein bestimmte, wem sie Zutritt gewährte.

Strauß-Karikatur von Dieter Hanztzsch

Da saß dann ganz entspannt, ohne Bodyguards, der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß mit seinen Spezeln, trank Bier, liebte die legendären Fleischpflanzerl, und kein anderer Gast schaute hin.

Brigitte Bardot zog Champagner vor und Udo Jürgens setzte sich, als wäre er bei sich zu Hause an den Flügel spielte und sang vor sich hin. Der alte Simpl in der Türkenstraße war für viele Stars, Berühmte, Reiche und Mächtige das „zweite Wohnzimmer“, in dem nicht fotografiert werden durfte; die Stars fühlten sich „frei“ wie Toni immer betonte. Nach 32 Jahren im Simpel hörte sie 1992 auf , widmete sich bis zu ihrem Tod 2021 dem Schreiben und ihrer Leidenschaft: dem Schauspielen.

Celia Tremper
– Beitragsende –


An dieser Stelle meinen herzlichen Dank für die lobenden Worte, die mich seitens einer profilierten Journalistin wie Celia Tremper ganz besonders freuen!


Momentaufnahmen der Premierenfeier von Dirk Schiff/portraitiert.de:

Noch ganz alleine auf der KulturBühne Spagat: Toni Netzles Portrait, das aus der Ausstellung 2017 Münchner und Zuagroaste von Dirk Schiff stammt
Schlussapplaus: Birgit Netzle, Jutta Speidel, Gaby dos Santos, Marion Niederländer, Ilona Grübel und People-Kolumnistin Daniela Schwan
Unter den Premieregästen: Stadtschreiber Andriano Riegerhof, hier vor dem Eingang zur KulturBühne;
rechts: Petra Windisch de Lates, Vorsitzende der Deutschen Lebensbrücke e.V. mit Ehemann/Jazzsänger Thomas de Lates

Weitere Beiträge zu Produktion, Altem Simpl/Simplicissimus und zu Toni

Münchens große Zeit – Ein Ausblick von Schriftstellerin Gunna Wendt auf die legendäre Münchner Bohème um 1900

Wie ein Shangri-La für Kunst- und Kulturschaffende, nur unter weißblauen statt tibetischen Himmeln, präsentiert sich im Rückblick die bayerische Hauptstadt um 1900 – und eng verwoben mit dem Begriff „Münchner Bohème“. Erwähnt man ihn, klingelt es„Münchens große Zeit – Ein Ausblick von Schriftstellerin Gunna Wendt auf die legendäre Münchner Bohème um 1900“ weiterlesen

FR, 25./SO, 27. 3., TONI NETZLE – „Für immer Simpl“: Eine letzte Episode aus der Simpl-Reihe von & mit Gaby dos Santos sowie Schauspielerin Marion Niederländer, nähert sich der Frau hinter der legendären Münchner Promiwirtin an; Uraufführung, Kulturbühne Spagat in Nord-Schwabing

Die zwischenzeitliche Gretchen-Frage, ob ich überhaupt jemals wieder auftreten oder gar eine weitere Bühnen-Collage produzieren würde, hat jetzt posthum Toni Netzle für mich beantwortet – und zwar mit einem doppelten „Ja!“. Geschuldet ist diese Entscheidung Tonis„FR, 25./SO, 27. 3., TONI NETZLE – „Für immer Simpl“: Eine letzte Episode aus der Simpl-Reihe von & mit Gaby dos Santos sowie Schauspielerin Marion Niederländer, nähert sich der Frau hinter der legendären Münchner Promiwirtin an; Uraufführung, Kulturbühne Spagat in Nord-Schwabing“ weiterlesen

Toni Netzle – Die legendäre Simpel-Wirtin und Autorin auf einen Blick

Toni Netzle: ehemalige Prominentenwirtin im „Alter Simpl“ (Simplizissimus) München, Schauspielerin, Autorin, fotografiert von Dirk Schiff/portraitiert.de Toni Netzle, Ur-Münchner-Gwachs, Jahrgang 1930, gelernte Schauspielerin, übernahm in den 1960er Jahren den Alten Simpl in der Türkenstraße. Jenes Lokal, das„Toni Netzle – Die legendäre Simpel-Wirtin und Autorin auf einen Blick“ weiterlesen

Toni Netzles Memoiren „Mein Alter Simpl“ – Drei Jahrzehnte bundesrepublikanischer Zeitgeschichte aus der Tresenperspektive eines „In-Lokals“

Wer in war, war drin – und umgekehrt … Nicht zufällig inspirierte der Promi–Auftrieb in Toni Netzles Lokal „Alter Simpl“ den Regisseur Helmut Dietl zu seiner Kultserie „Kir Royal“! Toni Netzle, eigentlich Schauspielerin, übernahm 1960 das historische„Toni Netzles Memoiren „Mein Alter Simpl“ – Drei Jahrzehnte bundesrepublikanischer Zeitgeschichte aus der Tresenperspektive eines „In-Lokals““ weiterlesen

Abschied von Abi Ofarim, Weltstar und Wahlmünchner, mit einer Reminiszenz von Toni Netzle aus „Mein Alter Simpl“

Wie verwoben Abi Ofarim mit München und auch mit der Münchner Künstlerszene zeitlebens war, zeigten die Reaktionen der vielen MusikerInnen, Kunst- und Kulturschaffenden in den Social Medias, unmittelbar nachdem sich die Meldung seines Todes am gestrigen„Abschied von Abi Ofarim, Weltstar und Wahlmünchner, mit einer Reminiszenz von Toni Netzle aus „Mein Alter Simpl““ weiterlesen

Hochprozentig politisch im Alten Simpl – Drei Jahrzehnte Bonner Republik aus der Tresenperspektive

„Man sollte auch mit seinen politischen Feinden immer ein Bier trinken können!“ , so lautet bis heute das Credo von Toni Netzle, der ehemaligen Prominentenwirtin im historischen Münchner Lokal Alter Simpl. „Der Simpl war hochpolitisch„, erinnert sich„Hochprozentig politisch im Alten Simpl – Drei Jahrzehnte Bonner Republik aus der Tresenperspektive“ weiterlesen

Toni_Netzle_Alter_Simpl_Gaby_dos_Santos_jourfixe-Blog

Nicht immmer Simpl – Schlüssellochperspektiven einer Promiwirtin – Toni Netzle an der Schwelle zum 85.

Mag sein, dass es in der Künstlerszene mitunter zugeht, wie im Haifischbecken. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – verwandelt sich selbiges mitunter in einen Koi-Karpfenteich, es bedarf nur des richtigen Anlasses. Und ein solcher ist„Nicht immmer Simpl – Schlüssellochperspektiven einer Promiwirtin – Toni Netzle an der Schwelle zum 85.“ weiterlesen


Zukunftsmusiken:

Die Produktion erfolgte als kurzfristige Reaktion auf den Tod von Toni Netzle im vergangenen Herbst. Nach der überaus positven Aufnahme der ersten Fassung ihrer multimedialen Biografie im März 2022, werde ich mich nunmehr um Fördermittel bemühen, einige neue O-Töne und ergänzende Dokumente einsammeln und das endgültige Material von einer Post-Production Firma überarbeiten lassen. Neben diesen dokumentarischen und technischen Verbesserungen wird es mir inhaltlich darum gehen, verstärkt diejenigen Aspekte in Toni Netzles Biografie herauszuarbeiten, die über ihre – lokal begrenzte – Rolle als Persönlichkeit der Münchner Chronik hinausgehen und damit von allgemeinem soziologischen und zeitgeschichtlichen Interesse sind.

Für die Uraufführung der endgültigen Fassung habe ich Toni Netzles ersten Todestag

am Donnerstag, 27. Oktober 2022

ins Auge gefasst …


Das Titelbild
setzt sich aus Bildelementen der Toni Netzle Collage von Gaby dos Santos zusammen


Für immer Simpl, Toni Netzle forever: Ihren 92. Geburtstag hat sie nicht mehr erlebt. Jetzt wurde eine Dokumentation ihres Lebenswerks uraufgeführt; Beitrag von Daniela Schwan

Am Freitag, den 25.3.2022 wäre Toni Netzle 92 Jahre alt geworden.

„Grund genug für mich, endlich meine Multi-Media-Collage gemeinsam mit Schauspielerin Marion Niederländer uraufzuführen, Pandemie-bedingt war es ja eher leider nicht möglich“, verrät Gaby dos Santos.

Gaby dos Santos und Marion Niederländer vor der Uraufführung der Multimedia-Collage TONI NETZLE – Für immer Simpl
am 25.3.2022 in der Kulturbühne Spagat; Foto: Sigi Müller

Fast 10 Jahre lang habe sie mit der Kult-Wirtin deren Leben und Wirken in Bild und Ton festgehalten, gespickt mit vielen Anekdoten, erklärt die Medienkünstlerin und Kultur-Bloggerin. „Dafür habe ich viele prominente Wegbegleiter interviewt, Politiker, Adelige, Journalisten, Musiker, Sportler, Schauspieler, Filmemacher, unter anderem Wolfgang Rademann, Uschi Glas, Michaela May, Christian Wolff, Peter Gauweiler, Max Strauß, Ralph Siegel, Paul Breitner, Amelie Fried und viele mehr.

Ihr Ziel: „Als ihre Freundin, Kollegin und Biographin ein wenig dazu beizutragen, dass Toni Netzle nicht in Vergessenheit gerät, eine posthume Hommage, schließlich hat sie 60 Jahre lang in München nie an Strahlkraft eingebüßt. Toni war eine spannende Persönlichkeit, wenn auch keine einfache“, bringt es Gaby dos Santos auf den Punkt.

Jutta Speidel während ihrer berührenden Eröffnungsrede; Foto: Sigi Müller

Nun also TONI NETZLE – Für immer Simpl. Für die Premiere hat Jutta Speidel ihr vor drei Jahren eröffnetes Theater im Horizont-Haus Domagkpark, die Kulturbühne Spagat, zur Verfügung gestellt. „Toni und ich – zwei Widder und doch ganz unterschiedlich, aber dennoch seelenverwandt“, sinnierte die Schauspielerin, die tags darauf ihren 68. Geburtstag feierte. Sie deutete auf das Foto der berühmten Gastwirtin: „Wir lassen Dich hochleben, liebste Toni, Du sitzt da oben auf Wolke 7 und hörst uns zu.“

Birgit Netzle und ihr Mann Dr. Erlend Dorazil, den sie 1978 in der Kleinen Bar im Simpl kennenlernte, Foto: Terence Tremper

Netzles Tochter Birgit wischt sich eine Träne aus den Augen: „Ich bin überrascht und total berührt von diesem großartigen Zusammenschnitt des Lebens und Wirkens meiner Mutter, Fortsetzung nicht ausgeschlossen, ich habe noch sehr viel Material. Und ich bin sehr stolz, Gaby dos Santos hat meine Mutter so dargestellt, wie sie war, mit all ihren Ecken und Kanten.“ Wie war sie denn? „Wen sie nicht mochte, hat sie einfach ignoriert, wen sie mochte, für den gab sie ihr letztes Hemd!“ Auch Birgit „Gitti“ Netzle ist Teil der Collage, schließlich hat sie von 1976 bis 1982 im Alten Simpl mitgearbeitet, danach ging sie als Wirtin ihre eigenen Wege (führte u.a. 25 Jahre das Asam Schlössl).

Sie verrät: „Das Leben meiner Mutter war zwiegespalten von der Familie; 1996 hat sie mit mir, kurz darauf mit meinem Bruder Christian gebrochen!“

„All die Zeit hatten wir keinen Kontakt, ich habe sehr darunter gelitten, dass meine Mutter nichts mehr von mir wissen wollte. Ja, und als sie dann spürte, dass sie nicht mehr lange zu leben hat, sie lag ja 14 Tage im Koma, habe ich ihr einen langen Brief geschrieben mit meinen Versöhnungsabsichten, da hat sie ihr Kriegsbeil beiseite gelegt und wollte mich und meinen Bruder sehen. Das war für alle ganz wichtig, sie hat sich bei uns entschuldigt, es hat ihr unendlich leid getan, dass sie nicht da war für uns all die Jahre“. Eine intensive gemeinsame Woche hätten sie aber noch erlebt: „Dafür bin ich sehr dankbar, wir alle konnten unsere Gefühle wieder in die rechte Ecke bringen! Durch die vielen Kondolenzbriefe und dadurch, was ich inzwischen alles über sie erfahren und in ihrem Nachlass entdeckt habe – zum Beispiel hat sie alle Zeitungsberichte über mich akribisch gesammelt und archiviert, das hat mich zu Tränen gerührt – habe ich sie auch von einer ganz anderen, weichen und liebevollen Seite kennengelernt, das hat mir auch bei meiner Trauerarbeit geholfen“.

Ilona Grübel und Birgit Netzle vor der KulturbŸhne Spagat; Foto: Terence Tremper

Auch Schauspielerin Ilona Grübel hat viel über „die Toni“ zu erzählen: „Das ist heute für mich eine Art verspätetes Abschiednehmen; konnte ich doch krankheitsbedingt bei der Beerdigung im Oktober letzten Jahres nicht dabei sein. Wie sie im Film den langen Flur entlangpflügt und ruft: ‚Bleib da ned im Durchgang stehn!‘ – so seh ich sie immer noch vor mir … Von 1971 bis zum Schluss war ich regelmäßig dort, bei Festen, zum Fasching mit den Kindern oder zu den After-Premieren – also nach den eigentlichen Premieren ging man noch zu Toni, das war der In-Treff. Ich habe ja ums Eck vom Simpl in der Maxvorstadt gewohnt, bei mir trifft das wirklich zu, dass die Kneipe mein zweites Wohnzimmer war.

Peter Schamoni, Bernd Eichinger oder Hannelore Elsner gehörten zum Inventar, Toni selbst war eine Mischung aus Wirtin und Schauspielerin und total ins Filmgeschehen integriert. Außerdem werde ich nie den Geschmack ihrer Linsensuppe und ihres Wurstsalats vergessen… Sie konnte sehr ruppig sein, aber auch sehr witzig – ein richtiger Mensch eben!“

Stadtschreiber W.A. Riegerhof, auch er war Stammgast im Alten Simpl, fügt nickend hinzu: „Toni Netzle wäre auch eine gute Standlfrau gewesen: resolut und mit grantlerischem Herz.“

Sänger Thomas de Lates mit der künstlerischen Leiterin der Kulturbühne Spagat, Stephanie Tschunko
Foto: Terence Tremper

Für immer Simpl, Toni Netzle forever: schon zu Lebzeiten war sie eine Legende, jetzt ist sie ein Stück Münchner Kulturgeschichte. 32 Jahre lang Gastwirtin mit Leib und Seele – dabei sagte sie anlässlich meines großen Interviews zu ihrem 90. Geburtstag: „Eigentlich mag ich keine Kneipen, auch meine eigene nicht, bin 1960 nur da gelandet, weil ich einen Job brauchte! Denn allein mit zwei Kindern konnte ich nicht mehr als Schauspielerin durch die ganze Welt kutschieren, also habe ich dieses Lokal einfach so geführt, als ob es mein eigenes Wohnzimmer ist, was natürlich unmöglich war – von den Deckeln mit der unbezahlten Zeche hätte ich mir eine Villa in Grünwald kaufen können …“

Daniela Schwan

Rechts außen im Bild zu sehen ist die People-Journalistin Daniela Schwan, von der obiger Beitrag stammt, neben ihr Ilona Grübel, Marion Niederländer, Gaby dos Santos, Jutta Speidel und rechts außen Birgit Netzle;
Foto: Petra Windisch de Lates (Vorsitzende Dt. Lebensbrücke e.V.)

Gaby dos Santos mit einem Portrait von Toni Netzle von Dirk Schiff (portraitiert.de)
Foto: Terence Tremper

ZUKUNFTSMUSIK:

Mir wird es als Nächstes darum gehen, das für diese Würdigung gesammelte Material (ton)technisch zu überarbeiten und zu einer fertigen Bühnenfassung zu ergänzen, die über die Künstlerbiografie von Toni Netzle hinaus auch ein Zeitdokument des „Swingin‘ Münchens“ der 1960er bis 1990er Jahre darstellt, mit Parallelen zur Goldenen Ära von München um 1900.

Gaby dos Santos (Produzentin der Collage),
Freundin und Biografin Toni Netzles

Weitere Beiträge zu Toni Netzle im GdS-Blog


Das Titelfoto (u.a.) stammt, mit herzlichem Dank, von Pressefotograf Terence Tremper:
v.l. Jutta Speidel, Gaby dos Santos (Produzentin der Collage), Birgit Netzle, Marion Niederländer (Schauspielerin), Ilona Grübel



1973 – Schockverliebt auf einem Kriegsschiff in Venedig: Eine persönliche Reminiszenz führt zu Betrachtungen zum Wesen der Liebe

Es gibt wohl kaum eine passendere Kulisse für den Beginn einer Romanze, als Venedig, insbesondere für das romantisierte Herz eines Teenagers auf Klassenfahrt.

Hoch oben auf dem Glockenturm von St. Markus stießen wir auf IHN – Mike Leavitt, Besatzungsmitglied eines US-Kriegsschiffes, der USS Shreveport (LPD 12), die gerade in der Lagunenstadt vor Anker lag. Groß und gut gebaut war Mike, trug den gefühlt gelacktesten Popo-Scheitel jener Epoche und Lässigkeit ohne Ende zur Schau. Um uns Mädels war es geschehen und Mike wohl geehrt, jedenfalls lud er für den nächsten Tag die gesamte Klasse ein, ihn auf der Shreveport zu besuchen.

Auf dem Titelbild zeigt mich das Foto (danke Rudi) links mit Kippe und KlassenkameradInnen kurz nach jener ersten spektakulären Begegnung mit Mike, auf die am Tag darauf die nächste, noch umwerfendere folgen sollte, diesmal nicht vor historischer sondern martialischer Kulisse, nämlich auf besagtem Kriegsschiff der US-Marine.

Die USS Shreveport und ich hatten 1973 eine kurze, romantische Begegnung …. 😉

Im Nachhinein wundert mich, dass wir so ohne weiteres ein Kriegsschiff betreten durften, wobei uns Mädchen die Besatzung in den blütenweißen Uniformen sowieso viel mehr als die Ausstattung interessierte. Irgendwie fragten wir uns durch – und plötzlich stand das Objekt der Begierde, der Matrose meiner – und anderer – Teenager Träume uns erneut gegenüber, besser gesagt, mir gegenüber, denn – unfassbarerweise – lächelte er unter all der heftig hübschen weiblichen Konkurrenz doch tatsächlich mich an, während Carly Simon via Radio You’re so vain monierte.

Singer/Songwriter Carly Simon in den 1970er Jahren

Was dann folgte, beschreibt Carole King, eine damals ebenfalls angesagte Kollegin Simons mit

I feel the earth move under my feet,
I feel the sky tumbeling down …

Carole King, Singer/Songwriter

Entsprechend ist mir wenig Detail-Erinnerung an dieses Treffen geblieben, außer dass Mike, da er sich meiner Englisch Kenntnisse nicht sicher sein konnte, erst auf sich tippte und dann auf mich und sagte: „I write you and you write me“. Das klang in etwa so verheißungsvoll wie „Ich Tarzan, Du Jane“, erst recht, als er dann noch auf eine leere UND original amerikanische Camel-Papierverpackung seine Adresse, also die der USS Shreveport kritzelte.

Amerikanischer ging nicht – und amerikanisch galt damals noch als sehr angesagt unter uns jungen Leuten, denn es assoziierte sich so wunderbar mit Weltläufigkeit …

Die nächsten Monate verbrachte ich – natürlich ausschließlich Camel rauchend – damit, tagtäglich dem Postboten aufzulauern, nachdem ich für Mike das Foto rechts auf dem Titelbild hatte anfertigen lassen. Leider genügte es ihm nicht; er bat doch tatsächlich um „a sexy picture of you“, was mich ziemlich empörte! Langsam holte mich die Wirklichkeit ein, zumal sich Mikes Briefe keineswegs à la Cyrano de Bergerac lasen. Als Mike aus seiner Kajüte heraus auch noch Pläne entwickelte, nach Italien kommen zu wollen, wo ich damals lebte und etwas von wegen „to get married“ andeutete, hatte mein Teenager-Gemüt endgültig genug von der venezianischen Romanze, bekam leichte Panik, frei nach

Hilf mir Herr und Meister,
die ich rief, die Geister,
werd‘ ich nun nicht los

Goethe: Der Zauberlehrling“

und stellte den Briefwechsel ein.

Eines der ewigen Mysterien der Liebe ist und bleibt für mich, dass sie sich mit nachlassendem Interesse oft gar nicht mehr nachvollziehen lässt, obwohl man ihretwegen doch zuvor in mystischen Sphären schwebte, die man für unendlich hielt. Was sonst im Zwischenmenschlichen beginnt im derart Hehren, um später möglicherweise in müdeste Banalität zu münden?

Abgesehen von dieser Zwischenbetrachtung bin ich meinem Klassenkameraden Rudi sehr dankbar, dass er mir dieses Foto und damit mich auf Zeitreise geschickt hat, denn die nie gelebte Lovestory von Mike Leavitt und mir eignet sich hervorragend für einen nostalgischen Rückblick meiner frühen 70er Jahre, mit dem passenden Soundtrack der Powerladies Simon und King …

Wobei Venedig bereits zwei Jahre zuvor als Anziehungspunkt für einen spektakulären Moment in meinem Leben gewirkt hatte: Als mich mit 13 Jahren die Pubertät heftigst überfiel, wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als von daheim wegzulaufen. Als Ziel erkor ich damals – wenn schon, denn schon – Venedig und machte zum ersten Mal in meinem Leben Schlagzeilen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte und hat mit dem Wesen der Liebe nichts zu tun 😉


Weitere Perspektiven auf mein Leben >

Weitere Beiträge zu Gaby dos Santos (Auswahl)


Vita in Übersicht >

V.li. Judoka 1966, Gymnasiastin in Italien 1973, Interrailerin Lugano 1976, Drama-Queen on stage, 2005 (W.Bauer)


zweifelHAFT – Die Causa Benedikt Toth, der nach einem fragwürdigen Indizienprozess eine lebenslange Haftstrafe verbüßt: Details und eine Petition von Marie Velden & Susanne von Lieven-Jell

Zwar droht uns hierzulande im Fall eines Fehlurteils nicht, unschuldig im Todestrakt zu landen, doch das Risiko, sich vor der Trümmern der eigenen Existenz respektive hinter Gittern wiederzufinden, ist auch in unserem Justizsystem sehr real. Das hat auf dramatische Weise der Justizskandal um Gustl Mollath gezeigt.

„Auch der Münchner Benedikt Toth sitzt seit sechzehn Jahren, nach einem umstrittenen Indizienprozess, als verurteilter Mörder in Haft. Mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verbüßt er eine lebenslange Freiheitsstrafe. Im Jahr 2006 soll er seine Tante, die Münchner Parkhausbesitzerin Charlotte Böhringer, erschlagen haben.
Seit sechzehn Jahren beharrt er auf seiner Unschuld.
Seit sechzehn Jahren ist er für Ermittler und Justiz der Täter.
Trotz neuer und entlastender Aspekte wurde jeder Antrag auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt“
. So nachzulesen auf der Homepage der Initiative zweifelHAFT. „Dennoch:

Die Zweifel am Urteil werden stetig lauter.
Wurde hier im Namen des Volkes wirklich Recht gesprochen?

zweifelhaft.org

Marie Velden, federführend, gemeinsam mit Susanne von Lieven-Jell, bei der zweifelHAFT Initiative, erläutert:

„In den letzten Monaten haben Susanne von Lieven-Jell und ich uns gemeinsam einer ebenso packenden wie aufwühlenden Aufgabe gestellt. Es geht dabei um den sogenannten Münchner „Parkhausmord“, es geht um das Schicksal von Benedikt Toth. Heute ist nun der Tag gekommen, an dem wir mit unserem Anliegen an die Öffentlichkeit gehen. Tatkräftige Unterstützung erhalten wir dabei unter anderem von Altoberbürgermeister Christian Ude und Amelie Fried. Wer wissen will, was dahintersteckt, erfährt morgen (21.2.2020) mehr bei Radio Gong oder aus der Abendzeitung. Vorab kann man sich hier informieren:

http://zweifelhaft.org

Bitte teilt diesen Beitrag. Wir hoffen auf viele Unterschriften!“

Susanne von Lieven-Jell fügt hinzu: Ich schließe mich Marie an: „Ja, es war aufwühlend, erschütternd und irgendwie auch befriedigend. Wir bewegen etwas. Und das ist gut so!

Lest unsere Seite, Marie Velden und ich haben diesen Fall akribisch aufgedröselt. Ihr werdet viel Neues erfahren, vielleicht werdet Ihr Euch auch empören.

Eure Zweifel an der Justiz, an den Ermittlungsbehörden und auch am Urteil könnt Ihr mit einer Unterschrift auf der Website
> http://zweifelhaft.org ausdrücken.

Leider ist dieser Fall nicht der einzige Fall, der viele Fragen aufwirft„.

Sabine von Lieven-Jell/Marie Velden, Zitat Ende

– Soweit die Wortmeldungen und die Initiative von Susanne Lieven-Jell und Marie Velden –

Voller Überzeugung schließe ich mich deren Petition zur Unterstützung von Benedikt Toth an, da ich bereits seit vielen Jahren, auf Grund der für mich nicht überzeugenden Indizienkette, an seiner Schuld starke Zweifel hege, siehe nachstehender Kurzbeitrag >

Hinzu kommt die Tatsache, dass ich Charlotte Böhringer begegnet bin und sie in einer Weise und unter Umständen erlebt habe, die durchaus auf andere Mordumstände und Motive hindeuten könnten. Darüber bin ich wiederum, auf Vermittlung des Journalisten und Ethical Campaingers Terry Swartzberg mit dem renommierten Fallanalytiker und TV-Kommentator Axel Petermann (s. Beitragsende) schon vor Jahren in Kontakt gekommen. Sowohl Terry als auch Axel zweifeln ebenfalls stark an der Schuld von Bence Toth und haben sich entsprechend für dessen Freilassung engagiert >

Im Übrigen:

Verspricht uns unser Rechtssystem nicht „im Zweifel FÜR den Angeklagten“ zu urteilen?

Im Fall von Benedikt Toth sehe ich allein schon dieses Prinzip in keiner Weise gewahrt!

Gaby dos Santos

Mein persönliches Fazit, auch vor dem Hintergrund weiterer eklatanter Fehlurteile, wie im Fall von Gustl Mollath, die in den letzten Jahren aufgedeckt wurden: Man sollte hierzulande ganz offensichtlich besser nicht in die Mühlen der Justiz geraten, denn allzu leicht könnte man zermahlen werden, ob schuldig oder nicht! 

Jede und jeder von uns könnte sich unversehens anstelle von Ben Toth wiederfinden oder an der seiner ehemaligen Freundin, seiner Freunde und vor allem seiner Mutter und engen Angehörigen …. 

Aus diesem Grund hoffe ich, dass diese Petition vielfältigen Zuspruch und Unterstützung erfährt und vielleicht doch noch zu einem fairen Ende von Ben Toths Leidensweg führt!


Daniela Agostini: „Anklage Mord – Ein Freund vor Gericht“; Doku


Titelbild „Bence Toth“: > zweifelhaft.org


Der bekannte Profiler Axel Petermann hat einen Pressespiegel 2019/2020 zum Fall Charlotte Böhringer veröffentlicht und berichtet in seinem 2021 erschienenen Sachbuch Im Auftrag der Toten“ darüber, dito in diversen TV-Sendungen. Auch er stuft die Verurteilung Toths als fragwürdig ein.



Münchens große Zeit – Ein Ausblick von Schriftstellerin Gunna Wendt auf die legendäre Münchner Bohème um 1900

Wie ein Shangri-La für Kunst- und Kulturschaffende, nur unter weißblauen statt tibetischen Himmeln, präsentiert sich im Rückblick die bayerische Hauptstadt um 1900 – und eng verwoben mit dem Begriff „Münchner Bohème“. Erwähnt man ihn, klingelt es bei den allermeisten von uns, was jedoch sich genau damit verbindet, hat Gunna Wendt in nachstehendem Beitrag auf den Punkt gebracht. Darauf fußen auch eine ganze Reihe von Biografien, die die Schriftstellerin Münchner Kunstschaffenden gewidmet und für die sie 2017 den Schwabinger Kunstpreis erhalten hat.

Gunna Wendt 2018, mit ihrer Biografie über die Ikone der Münchner Bohème, Franziska zu Reventlow
Foto: Dirk Schiff

München übte am Ende des 19. Jahrhunderts eine große Anziehungskraft auf Künstlerinnen und Künstler aus. Man sprach von einer „ländlichen Großstadt“, die längst nicht so von Industrieanlagen und -bauten dominiert war wie andere Städte. Gefördert durch das großzügige Mäzenatentum des Prinzregenten Luitpold, genoss die Kunst ein hohes Ansehen in der Stadt. Um 1900 waren etwa 1 200 Künstler offiziell in München registriert, 13 Prozent der im Deutschen Reich insgesamt gemeldeten. Das politische Klima galt, trotz einzelner spektakulärer Prozesse, als vergleichsweise liberal, kritische Zeitschriften siedelten sich an, allen voran der „Simplicissimus“ und die „Jugend„.

So konnte sich in München ein ganz besonderes Lebensgefühl entfalten, das mit dem Code „Schwabinger Boheme“ auf den Begriff gebracht wurde.

Gunna Wendt, Schriftstellerin

Es setzte sich aus unterschiedlichen Strömungen zusammen: Kunst, Politik und Wissenschaft gingen eine ungewöhnliche Liaison ein. Ein Leben ohne Alltag wurde genauso propagiert wie das Leben als niemals endendes Fest, dessen Motto Freiheit, Großzügigkeit und Genuss waren. Vor allem die Frauen akzeptierten nicht länger den Platz und die Rolle, die ihnen gesellschaftlich zugewiesen waren. Sie machten sich auf die Suche nach einer eigenen Identität und traten in den Prozess einer permanenten Selbst- und Neuschöpfung ein. Gelegenheit dazu boten die privaten Malschulen, die in München entstanden und eine internationale weibliche Künstlerschaft anlockten – zu einem Zeitpunkt, als ihnen die staatlichen Kunstakademien noch verschlossen waren.

Angehende Malerinnen; Bildmotiv aus der Sequenz „Münchner Bohème um 1900“;
Collage „TONI NETZLE: Für immer Simpl“, Premiere: 25./27.3.2022

Es war die Zeit der legendären Faschingsbälle, der künstlerischen und erotischen Salons. Absoluter Mittelpunkt des Treibens war schon bald Franziska zu Reventlow. Die aus dem Schloss vor Husum stammende junge Gräfin avancierte innerhalb kurzer Zeit zur Schwabinger Szenequeen. Sie führte am konsequentesten ein Leben jenseits des Konventionellen und Konformistischen. Auch aus Norddeutschland stammte eine andere Schwabinger Ikone: die Diseuse Emmy Hennings, die rasch zum Star der Künstlerkneipe Simplicissimus avancierte. Ihr Weg führte sie von Flensburg über Köln, Frankfurt, Hannover, Berlin und 1910 München. Sie berichtet: „München wurde in mancherlei Hinsicht für mein späteres Leben entscheidend. Ich kam hier sehr rasch in einen Kreis von gebildeten Menschen, die natürlich einen sehr günstigen Einfluss auf mich ausübten. In unserem Kabarett, das literarisch einen guten Ruf hatte, verkehrte die Bohème, viele Ausländer waren hier anzutreffen, aber auch bedeutende Künstler und Schriftsteller.“

Bildmotiv aus der Sequenz „Münchner Bohème um 1900“;
Collage „TONI NETZLE: Für immer Simpl“, Premiere: 25./27.3.2022

Nicht nur die Dichter und Intellektuellen begehrten sie als Muse und Geliebte, auch die Maler wollten sie als Modell. Emmy Hennings hatte zahlreiche Affären und Freundschaften, tauchte in das Bohème-Gefühl ein, das die bürgerliche Moral ablehnte und genoss das Umworbenwerden in vollen Zügen.

Vom „Leben“ sprach man in der allgemeinen Aufbruchstimmung der Jahrhundertwende in einem gesteigerten Bewusstsein, emphatisch, mit einem ungewohnten Pathos. Die Bewegung verstand sich als Gegenpol zur Religion: Der Blick sollte auf das Diesseits gerichtet, die Jenseitsvertröstung des Christentums überwunden werden. Was zählte, war das Hier und Jetzt. Damit verbunden war das Bestreben, die eigene Erfahrungs- und Empfindungsfähigkeit zu intensivieren. Drogen spielten in der Schwabinger Boheme eine große Rolle. Morphin und Äther waren bereits Themen der frühen Gedichte, die Emmy Hennings um 1912 verfasste. „Morfin“ schildert einen Morphiumrausch, das Warten auf das letzte Abenteuer im „Fieberfrost“, bei dem der Sonnenschein genauso wenig beachtet wird wie die Tagespost. Die „hochaufgetürmten Tage“ stürzen ein, das eilige Streben der Menschen wird wissend belächelt: „Wir treiben haltlos durchs Leben / Und schlafen, verwirrt, hinüber…“

Franziska zu Reventlow in der Bildsequenz „Morphin“
aus meiner Collage „Fanny zu Reventlow – Zum 100sten Todestag“, 2018 nach der Biographie von Gunna Wendt

Auch Franziska zu Reventlow widmete dieser Droge eine kurze Skizze mit dem Titel „Leben: Die Begegnung mit einer Morphinistin stürzt die Ich-Erzählerin in eine krisenhafte Situation. Im Tagebuch erwähnt Franziska zu Reventlow Morphium im Zusammenhang mit ihren Krankheiten – als Mittel, um die starken Schmerzen zu betäuben. Ob sie noch andere Drogen nahm, ist nicht belegt. Das Rauchen bezeichnet sie als ein Laster, von dem sie nicht loskommt: „Der Cigaretten-Morphinismus, über den man nicht mehr Herr wird. Bis jetzt auf drei pro Tag abgewöhnt, aber ich werde stumpfsinnig sobald mir das Gift fehlt. Misère de moi.“

Gunna Wendt


Mehr von und zu Schriftstellerin Gunna Wendt im GdS-Blog

Die Wellen des Hasses brechen! Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Gunna Wendt liefern mit „Unsere gefährdete Demokratie“ einen engagierten Beitrag zur Populismus- und Hate-Speech-Debatte/ab Januar bei Hirzel (Pressemitteilung)

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„Weil ich trotz allem, was täglich passiert, nicht aufhöre, zu träumen von einer herrschaftsfreien, solidarischen Welt ohne Grenzen, Patriarchat und mit sozialer Gerechtigkeit für alle Menschen …“, äußert Konstantin Wecker zum…

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Gunna Wendt: Kurz-Bio und Bibliografie >



Auf den Beitrag gestoßen bin ich im Zuge der Recherchen zu meiner aktuellen Collage (25./27.3.2022) über die UR-Münchnerin und legendäre Simpl-Wirtin Toni Netzle (1930 – 2021), da mein Schwerpunkt auf der zeitgeschichtlichen Einordnung sowohl der Person Toni Netzle wie auch auf der Lokalität Alter Simpl/Simplicissimus liegt.

Details und Eckdaten zur Uraufführung >


Titelmotiv: Bildcollage zu „Türkenstraße München um 1900“
von Gaby dos Santos aus o.g. Produktion „TONI NETZLE: Für immer Simpl“


FR, 25./SO, 27. 3., TONI NETZLE – „Für immer Simpl“: Eine letzte Episode aus der Simpl-Reihe von & mit Gaby dos Santos sowie Schauspielerin Marion Niederländer, nähert sich der Frau hinter der legendären Münchner Promiwirtin an; Uraufführung, Kulturbühne Spagat in Nord-Schwabing

Die zwischenzeitliche Gretchen-Frage, ob ich überhaupt jemals wieder auftreten oder gar eine weitere Bühnen-Collage produzieren würde, hat jetzt posthum Toni Netzle für mich beantwortet – und zwar mit einem doppelten „Ja!“. Geschuldet ist diese Entscheidung Tonis fortwährendem Einfluss auf mich, als einer der prägenden Menschen in meinem Leben und insbesondere als eine ständige künstlerische Weggefährtin während der letzten 10 Jahre …

Letzter gemeinsamer Auftritt mit Toni: Im Februar 2020 gastierten wir im Theater im Roßstall mit der Episode Blütezeit“ aus der Collagen-Reihe „Nicht immer Simpl – Toni Netzle“, Foto: Harry Rosenkind

Nach obigem Auftritt mit Toni im Theater im Roßstall, im Februar 2020, waren noch weitere Aufführungen aus der Simpl-Reihe im Rahmen ihres 90. Geburtstags vorgesehen, die jedoch, ebenso wie die große Feier, Corona bedingt nicht mehr stattfinden konnten, darunter ein Termin in der KulturBühne Spagat.

Im Herbst letzten Jahres, am 27. Oktober 2021, ist Toni gestorben –


Dass Toni Netzles Tod nochmals ein ziemliches Rauschen im Blätter-Boulevard auslöste, hätte ihr grundsätzlich gefallen, allerdings keineswegs jeder Zeitungsbeitrag, der in diesem Zusammenhang über sie erschien ..!

Vielmehr sind wir alle, die wir Toni in den letzten Jahren wirklich nahestanden, über einiges in Druckerschwärze gestolpert, das uns, um es euphemistisch auszudrücken, doch sehr erstaunt hat, da es in keiner Weise der Frau entsprach, die wir kannten und liebten, inklusive all ihrer Ecken und Kanten und wohl auch gerade wegen ihnen, standen sie doch für Toni einzigartige Persönlichkeit.

Dieser – unserer – Toni hinter jener Simpl-Wirtin, als die sie sich auf geniale Weise neu erfunden hatte, möchte ich mich mittels einer multimedialen Bühnen-Collage annähern. In dieser werden, neben meinen eigenen, die Reminiszenzen von WeggefährtInnen die Frau hinter der prominenten Fassade aufleben lassen werden, anhand projizierter Bildcollagen, Musik-Einspielungen von Jon Michael Winkler sowie von O-Ton-Einspielungen illustrer WeggefährtInnen wie Ralph Siegel, Fußball-Legende Paul Breitner, SPD-Politiker Horst Ehmke, TV-Produzent Wolfgang Rademann, Diskotheken-König und Playboy Rolf Eden, Tagesthemen-Lady Barbara Dickmann, Musik-Mogul Hans Beierlein, Autorin Amelie Fried, Schauspielerin Michaela May u.v.m.

Bildbeispiele aus der Produktion:

Natürlich kommt auch Toni selbst zu Wort: Deren unnachahmliche Art, Geschichte und Geschichten zu erzählen konnte ich kurz vor dem Lockdown noch im Artist Studio aufnehmen und somit nachhaltig bewahren. Hinzu kommen Zitate aus ihren 2010 erschienenen Memoiren Mein Alter Simpl.

ISBN 978-3-940839-10-7

Bildcollage aus der aktuell entstehenden Produktion, in die eines der letzten Fotos von Toni Netzle integriert ist,
aufgenommen im Februar 2020, kurz vor ihrem 90. Geburtstag im Artist Studio München

Zugleich nimmt die Produktion eine historische Einordnung ihres Wirkens vor und zieht Parallelen zu Toni Netzles bemerkenswerter Vorgängerin als Simpl-Wirtin, Kathi Kobus (ab 1903). Beide Frauen eint ein außergewöhnliches Talent als Netzwerkerinnen und die Tatsache, dass sie dieses in den beiden Blütezeiten Münchens im vergangenen Jahrhundert ausleben konnten, um 1900 Kathi Kobus und ab den 1960er Jahren Toni Netzle. Dabei geht Für immer Simpl auch einer heiklen Frage nach, die Toni Netzle mir nicht zu beantworten wusste: „Was bleibt eigentlich, wenn der letzte Vorhang über einer solchen Erfolgsgeschichte gefallen ist, wie der von Toni Netzle und ihrem Alten Simpl?“

Bild-Collage aus der aktuellen Produktion „Für immer Simpl“

Den Live-Teil der Produktion wird gemeinsam mit mir die Schauspielerin Marion Niederländer bestreiten, die sich außergewöhnlich gut auf Textvortrag versteht, eine Kunst für sich.

Schauspielerin Marion Niederländer

Dass die beiden Auftritte in Jutta Speidels Theater stattfinden werden, einer langjährigen Freundin Tonis, fügt sich ganz wunderbar, zumal auch die KulturBühne Spagat selbst, mit ihrem sozio-kulturellen Konzept, ein herausragender Spielort ist.

Damit, dass die Uraufführung von „Toni Netzle – Für immer Simpl“,
in dieser Bühne und noch dazu genau an Tonis Geburtstag stattfindet
wenn auch am 92sten, statt am 90sten –

schließt sich für mich auf tröstliche Weise ein letzter Kreis …

Gaby dos Santos & Toni Netzle 2012, Foto: Bernd Lindenthaler

Eckdaten zur Veranstaltung:

Toni Netzle: Für immer Simpl

Toni Netzle und Gaby dos Santos
vor einer Aufführung im Münchner Künstlerhaus
Foto: Dirk Schiff / portraitiert.de

Ein Portrait der legendären Münchner Prominentenwirtin, Zeitzeugin, Autorin und Schauspielerin TONI NETZLE
von und mit Gaby dos Santos sowie Schauspielerin Marion Niederländer
zu projizierten Bild-Collagen und
O-Ton-Einspielungen von Toni Netzle selbst sowie illustren WeggefährtInnen,

Musikeinspielungen: Jon Michael Winkler

FR, 25. März | 19h Uraufführung zu Toni Netzles 92. Geburtstag!
SO, 27. März | 18h

Kulturbühne Spagat, Bauhausplatz 3, im neuen HORIZONT-Haus am Domagkpark
Reservierung erforderlich:
(089) 540 46 37 47 oder > Reservierungsformular
ACHTUNG! Auf Grund der durch die Hygiene-Regeln eingeschränkten Platzkapazität in der Bühne empfiehlt sich dringend die rechtzeitige Kartenreservierung.

KARTEN: 17€, ermäßigt 14€,
Schwerbehinderte und Münchenpaß 10€

Zu den jeweils in der Kulturbühne Spagat geltenden Corona-Regeln > LINK

MVV: Tram 23/Bus, HaltestelleSchwabing Nord”, dann 3 Geh-Minuten


Lesenswert im Zusammenhang ist der Artikel von Gunna Wendt über die Verhältnisse in München um 1900, die den „Simplicissimus“ – sowohl das namengsgebende Satiremagazin, wie auch die Kneipe – überhaupt erst ermöglichten >


Weitere Informationen zu Produktion und Veranstaltung werden zeitnah ergänzt.
Aktualisiert am 25. Februar 2022


Nicht immer Simpl Schlüssellochperspektiven einer Promiwirtin

Lili Marleen untot im Simpl
Wie Toni Netzle und ich Freundinnen wurde

Hochprozentig politisch im Alten Simpl: Drei Jahrzehnte Bonner Republik vom Tresen aus

„That’s It“
Gedanken und Reminiszenzen zum Tod von SPD-Politiker Horst Ehmke

Geburtstagsretrospektive für TONI NETZLE: U.a. mit dem  zweiteiligen AZ-Interview zum 90. von Daniela Schwan, 2020

Abschied von Abi Ofarim: Weltstar und Wahlmünchner, mit einer Reminiszenz von Toni Netzle aus Mein Alter Simpl


Das Foto zur Titel-Collage stammt von Werner Bauer



„Die unheilvolle Narbe“: Dokumentarfilm von Constanze Hegetusch zu den medizinischen Versuchen an Sinti-Kindern in der NS-Zeit, aus der Reihe „Lebenslinien“, Montag, 24.1./22h LIVE im BR und ab sofort! in der Mediathek

Rita ist Zwilling. Doch ihre Zwillingsschwester stirbt bei medizinischen Experimenten durch die Nationalsozialisten. Rita überlebt schwer verletzt und wird ihrer Mutter zurückgegeben. Fortan sind Mutter und Tochter symbiotisch verbunden. Seite an Seite kämpfen sie für die Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus und um Wiedergutmachung.

Weil Ritas Mutter Sinteza ist, soll sie 1942 zwangssterilisiert werden. Als sich herausstellt, dass sie mit Zwillingen schwanger ist, wird sie verschont. Sofort nach der Geburt nimmt man ihr die beiden Mädchen und missbraucht sie für medizinische Versuche. Das eine Mädchen stirbt, Rita wird der Mutter nach einem Jahr zurückgegeben – mit einer schweren Verletzung am Kopf. Mutter und Tochter leben fortan ein symbiotisches Leben. Als Rita 14 Jahre alt ist, gründet ihre Mutter einen Verein, der für die Anerkennung der Sinti und Roma als Opfer des Nationalsozialismus kämpft und sich für Wiedergutmachung stark macht.

Auch Rita wird zur Aktivistin. Mit Anfang 20 verliebt sie sich in einen amerikanischen Soldaten, der in Würzburg stationiert ist. Sie heiraten und bekommen zwei Kinder. Als er wieder zurück in die USA muss, geht Rita mit. Sie leidet jedoch sehr unter der Trennung von der Mutter. Die Ehe zerbricht und Rita muss immer häufiger nach Deutschland, um für ihre eigene Wiedergutmachung zu kämpfen. So entscheidet sie sich schweren Herzens, die USA und ihre beiden jugendlichen Kinder zu verlassen und zur Mutter zurückzuziehen. Als diese 2004 stirbt, führt Rita die politische Arbeit weiter. Sie tritt als Zeitzeugin bei Veranstaltungen in der ganzen Welt auf. Sooft sie kann, fliegt sie zu ihren heute erwachsenen Kindern und Enkeln in die USA. Als Oma würde sie so gerne die Zeit nachholen, die sie als Mutter versäumt hat.

Als Zeitzeugin ruft Rita Prigmore heute vor allem junge Leute dazu auf, gegen Rassismus zu kämpfen.

Lebenslinien | Menschen im Porträt: Die unheilvolle Narbe

Originalitel: Die unheilvolle Narbe (D, 2016)
Regie: Constanze Hegetusch
Redaktion: Christiane von Hahn
Länge: 45 Minuten
VT-UT, 16:9, stereo

MONTAG, 24.1.  –   22:00 Uhr im BR Fernsehen LIVE

Link zum Film in der Mediathek > HIER

Aufrufbar in der Mediathek 24.01.2022 – 24.04.2022

… Obiges Bild steht für das versöhnliche Ende eines Films, von dem ich – als Mutter und Großmutter – im Vorfeld nicht wusste, ob ich ihn überhaupt würde aushalten können …
Dass ich es dann doch konnte, ist der lebensbejahenden Haltung der persönlichkeitsstarken Protagonistin Rita Prigmore zu verdanken sowie der einfühlsamen Erzählweise von Filmemacherin Constanze Hegetusch.

Dabei steht die „Lebenslinie“ Rita Prigmores exemplarisch für viele Sinti und Roma in der Nachkriegszeit, denen die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe lange ebenso verwehrt blieb, wie Wiedergutmachungszahlungen für das ihnen im Dritten Reich zugefügte Leid.

Meiner Meinung nach ein unbedingt sehenswerter Dokumentarfilm aus der Reihe Lebenslinien im Bayerischen Rundfunk.


Titelbild: Bildnachweis


Auch die Münchner Sinti-Brüder Peter und Hugo Höllenreiner wurden als Kinder Opfer von Menschenversuchen

Mehr zu deren Biografien findet sich am Ende des GdS-Blogbeitrags >

„Nicht in der Opfer-Ecke bleiben …!“

– Intensive Eindrücke und Überlegungen zum Jahrestag der Blutnacht, vom 2. auf den 3. August 1944, im „Zigeunerlager“, in Auschwitz-Birkenau,
dokumentiert von Maria Anna Willer


Weitere Beiträge zum Thema „Sinti & Roma, Jenische und Reisende“
auf der > Übersichtsseite



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