Frauen in Kunst & Kultur

Männerhasserin! – Dieses Etikett bekam ich kürzlich verpasst, als ich einen Link von GRÜNEN-Politikerin Sanne Kurz mit einem einleitenden Kommentar versah und in diversen Kultur- und KünstlerInnen-Gruppen auf Facebook teilte:

Ich kündigte an: „Die Sichtbarkeit von Frauen in Kunst und Kultur ist mir ein Herzensanliegen für das ich gerade eine Extra-Rubrik auf meiner neuen Homepage einrichte. In diesem Zusammenhang bin ich auf nachstehende Abbildung gestoßen, die von Yvonne de Andres in der Gruppe „Bücherfrauen“ gepostet und von GRÜNEN-Politikerin Sanne Kurz MdL aufgegriffen wurde, die dazu treffend kommentiert:“

„Dass Frauen in Kunst und Kultur marginalisiert werden, hat auch damit zu tun, dass Jahrhunderte lang Männer bestimmen, was besprochen wird, beschrieben wird, gezeigt wird, rezipiert wird, gelehrt wird. – Für Vorbilder und Sichtbarkeit brauchen wir eine Veränderung der Strukturen, das gilt übrigens nicht nur für Gleichstellung, sondern auch für POC, LGTBIQ*, Menschen mit Behinderungen und andere marginalisierte aber große Gruppen.“ #fairshare

Sanne Kurz, bayerische Landtagsabgeordnete für DIE GRÜNEN
Das Bild zum Post: Die Bücherfrauen via Sanne Kurz auf Facebook.

Eigentlich keine großen Neuigkeiten, die da gepostet wurden – und auch keine Polemik. Dennoch kassierte ich einmal mehr Repliken, von der kaum eine sachlich formuliert war, sondern von mittlerer bis starker Emotionalität geprägt, bis hin zu regelrechten Beleidigungen, allesamt mit männlichem Absender. Versteht sich. Leider!!! Ich sollte es inzwischen besser wissen, aber diese Aufgeregtheiten hören nicht auf, mich zu überraschen. Sollte man im 21. Jahrhundert von Männern zu diesem Thema nicht mehr Souveränität erwarten dürfen? Dass niemand sich gern Pfründe nehmen lässt, die er für verbrieft hielt, ist nachvollziehbar, ebenso der Versuch, diese Haltung argumentativ zu untermauern. Doch zu solcherart pseudo-fundierter Debatte kommt es oft erst gar nicht. Vielmehr zum fragwürdigen Gütesiegel einer ‚Männerhasserin‚. Offensichtlich fühlen sich noch immer viele Männer in ihrem Selbstverständnis angegriffen, wenn wir Frauen fordern, was uns auf dem Papier schon lange zusteht! Immerhin bilden wir die Hälfte der Bevölkerung! Darüber hinaus – und viel wichtiger – stehen wir Frauen ebenso auch für die eine Hälfte des sich ergänzenden Yin und Yang … 🙂

Dennoch sehen wir uns weiterhin gezwungen, eine Quote zu fordern! Widerwillig, denn eine solche Quote stellt, auf dem Weg zur Parität der Geschlechter, beileibe keine wünschenswerte Lösung dar, sondern eine von der Not diktierte, doch offensichtlich noch immer unverzichtbare Krücke! Als Totschlag-Argument wider die Quote höre ich regelmäßig den Einwand, Kunst käme von Können, daher dürften andere Kriterien keine Rolle spielen, beim Besetzen von Filmen, Orchestern, bei der Vergabe von Kulturaufträgen etc. Vollkommen richtig, aber nur theoretisch!

musica femina münchen – Bildleiste der Hompage mit Komponistinnen gestern und heute

Noch immer mangelt es uns Frauen derart an Sichtbarkeit, gerade in der von Männern dominierten Kunst- und Kulturszene, dass wir viel zu selten die Gelegenheit bekommen, überhaupt erstmal zu zeigen, ob und was wir können. Wie sollen wir uns denn beweisen, wenn man(n) uns gar nicht auf dem Schirm hat? Gerade veröffentlichten das Archiv Frau und Musik Frankfurt/Main und musica femina münchen einen Bericht der  Bundeskanzler-Stipendiatin und Dirigentin Melissa Panlasigui, der die Diskrepanz zwischen männlicher und weiblicher Repräsentation in deutschen Berufsorchestern verdeutlicht. Die Dominanz männlicher Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten in der Film- und TV-Branche hat zur Gründung von Pro Quote Film geführt und das vorzeitige Verfallsdatum weiblicher Darstellerinnen stimmt nicht nur die Betroffenen nicht gerade fröhlich, sondern pervertiert die öffentliche Wahrnehmung, weg von der gestandenen Frau und Persönlichkeit, hin zur Fata Morgana ewiger weiblicher Jugend.

Wieviel Frauen jedoch im Laufe der Geschichte, allen Widrigkeiten zum Trotz, geleistet haben – oder hätten leisten können, wenn man sie nur gelassen hätte, zeigt ein Blick in historische Biografien …

Auf meine Frage, warum sie überproportional viele Frauen zum Thema ihrer preisgekrönten Biografien mache, antwortete mir die Schriftstellerin GUNNA WENDT (obiges Foto, links), der Grund sei, dass es über (diese) Frauen, vorwiegend KünstlerInnen unterschiedlichster Couleur, bislang kaum Literatur gegeben habe. Eine Lücke, die sie glücklicherweise füllt, zu begrüßen nicht nur aus Gründen der Parität, sondern weil die Lebensläufe der von ihr skizzierten Frauen besonders fesseln, da diese sich in Zeiten behaupten mussten, als Frauen kaum über Möglichkeiten zu einem eigenständigen Leben verfügten. Sobald man sich in Wendts umfassenden literarischen Fundus einliest, eröffnet sich eine schillernde Parallelwelt historischer Frauenpersönlichkeiten, von deren einstigem DaSein kaum etwas bekannt ist, obwohl ihr Wirken großteils bis in unsere Zeit hineinreicht.

Die Titelcollage zum Gastbeitrag von Renée Rauchalles zeigt sie portraitiert von Bele Bachem, an die sie mit diesem Beitrag erinnert. Kombiniert ist das Bild mit einem Foto; Collage: Gaby dos Santos

Hier setzt auch die Malerin und Autorin RENÉE RAUCHALLES an: In literarischen Beiträgen, u.a. für das Magazin „Literatur in Bayern“ und in Vorträgen hält sie die Erinnerung an KünstlerKollegInnen wach oder bringt diese überhaupt erst einem breiteren Publikum nahe, wie zum Beispiel ihr Gänsehaut-Portrait über Leben und Werk der surrealistischen Malerin Bele Bachem: „Bele Bachems skurril-phantastisches Welttheater“.

Die Collage zeigt v.l. eine Muslima im Gespräch mit der jüdischen Autorin Juna Grossmann , Journalistin Lilian Ikulumet aus Uganda und Theatermacherin Ayse Güvendiren, Leseperformance Mut der Frauen 2020

Mit der Performance-Reihe „MUT der Frauen“ würdigt auch Regisseurin und Schauspielerin Evelyn Plank alljährlich die Leistungen von Frauen, die sie aus wechselnden Perspektiven beleuchtet.

Wie aus diesen wenigen Beispielen ersichtlich, ist bereits einiges in Bewegung, was die Sichtbarkeit und Parität von Frauen anbelangt – angestoßen aus unserer eigenen Mitte! Ich denke, dass uns inzwischen genügend Mittel zur Verfügung stehen, um aktiv die Verhältnisse umzugestalten. Statt langer Debatten einfach mal machen, im Sinne eines sich selbst Einbringens, wie in diesem Beitrag dokumentiert. Vor allem an uns Frauen selbst wird es liegen, um in nächster Zeit mehr Sichtbarkeit und die notwendige Parität in allen Belangen zu erreichen; in dem wir uns, jenseits tradierter Stutenbissigkeiten solidarisieren, zu Seilschaften zusammenschließen ‚wie die Kerle‚, politisch eingreifen und Präsenz zeigen, wo und wie es individuell möglich ist.

8. März, Weltfrauentag

Mein persönlicher Beitrag dazu stellt die Rubrik „Frauen in Kunst und Kultur auf meiner neuen Homepage dar. Von hier aus wird zu Berichten von Gastautorinnen und mir verlinkt, dazu auf Meldungen, Institutionen, Petitionen, etc., in Zusammenhang mit Frauenthemen. Diese werde ich regelmäßig, auch über meine inzwischen recht weit reichenden Social Media Kanäle teilen, im Sinne verstärkter virtueller Sichtbarkeit. Dass ich diese Rubrik exakt am 8. März 2021 starte, dem internationalen Weltfrauentag, ist kein Zufall. Ein einziger Tag unter 365 reicht mir nicht! Vielmehr wünsche ich mir 365 mal im Jahr „Weltfrauentag“! 😉

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
<span>%d</span> Bloggern gefällt das: