Mit Philipp Gufler & KollegInnen eintauchen in die „Exzentrischen 80er“: Ausstellung mit Begleitprogramm im Kunstraum Lothringer13, München-Haidhausen, 9.9. – 6.11.2022

Von einem künstlerischen Multiversum ins nächste überzuwechseln, gestaltet sich gar nicht so leicht, wenn man eine gewisse künstlerische Konsolidierung erreicht und sich damit auch ein stückweit festgefahren hat. Dann bedarf es schon besonderer und vor allem persönlicher Begegnungen, um den Weg in neue Kunstwelten zu finden, zumal angesichts des mehr als (allen Unkenrufen zum Trotz) opulenten täglichen Veranstaltungsangebots. Da fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen, es sei denn, man folgt der Agenda bestimmter Kunst- und Kulturschaffender, die man für sich entdeckt hat.

Philipp Gufler vor dem Amerika Haus mit einem Plakat zur Reihe „Trans Trans“, Juli 2022

Diesen Part erfüllt für mich u.a. der Künstler Philipp Gufler. Sein Engagement für das Forum Queeres Archiv München sowie in unterschiedlichsten Kunstprojekten, erinnert mich an meine früheren – noch Energie geladenen – Zeiten als vielseitige Kulturmanagerin und Veranstalterin, immer auf der Suche nach dem Unkonventionellen und nach überraschenden Perspektiven sowie nach „kreativer Reibung“. Inzwischen zunehmend in der Rolle einer „Kunst-Konsumentin“ und Bloggerin, lehne ich mich gerne zurück und verfolge gespannt, woran Philipp Gufler gerade als Macher oder Künstler beteiligt ist!

Im Juli 2022 beispielsweise ein der Künstlerin Lorenza Böttner gewidmeter Abend, im Rahmen der trans trans Ausstellung im Amerika Haus München sowie die bevorstehenden Ausstellungen
Various Others (ab 8.9., diverse Locations, hier ist Philipp als ausstellender Künstler zu sehen, s. nächster Punkt) und
To be Seen – Queer Lives 1900 – 1950
(ab 7.10. im NS-Dokumentationszentrum München; separater Blogbeitrag folgt)

Intensiv beschäftigt war Philipp Gufler aktuell mit den Vorbereitungen zu einer vielversprechenden Ausstellung und Veranstaltungsreihe, die gerade gestartet ist und idealerweise nur einen Hinterhof entfernt von meiner Wohnung stattfindet, im Kunstraum Lothringer 13 stattfindet, aus dessen Homepage ich ein paar Eckdaten nachstehend kopiere:

Exzentrische 80er:
Tabea Blumenschein, Hilka Nordhausen, Rabe perplexum
und Kompliz*innen aus dem Jetzt

> LINK

Tabea Blumenschein (1952–2020), Hilka Nordhausen (1949–1993) und Rabe perplexum (1956–1996) agierten ex-zentrisch im mehrfachen Sinn: Außerhalb des Zentrums der Aufmerksamkeit, abweichend von gesellschaftlichen Normen und oft auch der institutionalisierten Kunst. Die Ergebnisse ihrer Produktionen – Performances, Lesungen, Filme, Konzerte oder Wandmalereien – waren mitunter flüchtig, ephemer und damit damals weniger marktfähig. Blumenschein, Nordhausen und perplexum arbeiteten in den Städten Berlin, Hamburg und München. Sie repräsentierten nicht anerkannte Geschlechts- und Identitätsbilder und lebten sexuelle Orientierungen nonkonform. Ihre Arbeit überschritt die engen Grenzen von Genres und Ausdrucksweisen: So gründete Hilka Nordhausen den Off-Space Buch Handlung Welt, der Buchladen, Kunstraum und soziale Kontaktzone war. Tabea Blumenschein wirkte als Performerin, entwarf Kostüme für Film und Theater, und hinterließ ein Werk an Zeichnungen und Gemälden. Rabe perplexum realisierte im Verbund mit Freund*innen und Vertrauten Performances und Aktionen im öffentlichen Raum in München, malte und war eine*r der frühen digitalen Videokünstler*innen.

Das Ausstellungs- und Publikationsprojekt konzentriert sich auf Themen wie Subkultur, Queerness, performative und kollaborative Arbeitsweisen. Es erzählt eine andere Geschichte der Kunst der Achtziger in der Bundesrepublik; jenseits der großen männlichen Meistererzählung, die bislang das Narrativ dieser Jahre dominiert.

www.lothringer13.com

Die zeitgenössischen Künstler*innen Ergül Cengiz (*1975) (3 Hamburger Frauen), Philipp Gufler (*1989) und Angela Stiegler (*1987) befragen die Positionen der achtziger Jahre aus heutiger Sicht.  Deren strukturell verschüttetes Werk wird auf Basis von Archivmaterial, Austausch mit Wegbegleiter*innen sowie eigenen Kunstwerken aktiviert: Gemeinsam mit den Kunsthistorikerinnen Burcu Dogramaci und Mareike Schwarz entsteht ein Ausstellungsprojekt, in dem sich künstlerisch und kunsthistorisch situiertes Wissen verbindet. Somit werden die drei Positionen aus den achtziger Jahren sowohl im Bezug zueinander als auch mit den zeitgenössischen Kunstwerken für neue Perspektiven der Rezeption erschlossen.

Das Ausstellungsprojekt entsteht in Kooperation mit der Lothringer 13 Halle, München, der Galerie Nord | Kunstverein Tiergarten, Berlin und dem Kunsthaus Hamburg.

Zur Ausstellung erscheint eine deutsch- und englischsprachige Publikation bei b_books, Berlin.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Lesungen, Workshops und Zeitzeug*innengesprächen begleitet das Projekt. 
(Text Ende)


Termine in Übersicht

08.09.22, 19 Uhr, Eröffnung
im Rahmen von Various Others 2022, mit einer Einführung durch das kuratorische Team und DJ Set von Mira Man ab 22.30 in der Bar Zum Roten Knopf, Steinstraße 63

10.09.22, 14 Uhr, 15 Uhr, 16 Uhr, Ausstellungsrundgänge
mit dem kuratorischen Team, Ergül Cengiz, Burcu Dogramaci, Philipp Gufler, Mareike Schwarz, Angela Stiegler

11.09.22, 16 Uhr, Book Launch
Sundowner Sunday mit Drinks, Launch des Katalogs „Exzentrische 80er“ (b_books, Berlin) und einem Gespräch mit den Herausgeber*innen

13.10.22, 19 Uhr, Round Table
zur Münchner Subkultur mit Diskurspartner*innen aus den 80ern und dem Heute. Gabi Blum (Sekretärin bei sub-bavaria), Holger Dreissig (Monokultur München) und Felix Flemmer (ZIRKA) diskutieren gemeinsam mit Mareike Schwarz zur Entwicklung, den Potenzialen und Herausforderungen von subkulturellen Initiativen vor Ort.

19.10.22, 19 Uhr, Screening und Talk „Lil Picard 1920s / 1980s“
Mit Philipp Gufler, Oona Lochner und Angela Stiegler. Moderation: Burcu Dogramaci. In Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum. Veranstaltungsort: NS-Dokumentationszentrum, Max-Mannheimer-Platz 1.

20.10.22, 19 Uhr, Screening und Talk „Nicht Mann, nicht Frau, nur Rabe”
(WDR, 1984, Regie: Katja Raganelli)
mit anschließendem Gespräch mit Toni Paula, Philipp Gufler und Mareike Schwarz.

23.10.22, 13–18 Uhr, Zine Workshop
zu Tabea Blumenschein, Hilka Nordhausen, Rabe perplexum und den 80er Jahren mit Stefanie Hammann (Hammann von Mier Verlag).
Anmeldung bis 20.10.2022 an projekt@lothringer13.com

26.10.22, 19 Uhr, Film-Double-Feature
„Demon” (1977)
von Heinz Emigholz und mit u.a. Hilka Nordhausen
und
„Madame X–Eine absolute Herrscherin” (1978)
von Ulrike Ottinger und/mit Tabea Blumenschein. Screening, Gespräch und Drinks mit Ergül Cengiz, Burcu Dogramaci, Angela Stiegler und Gästen.


protagonist*innen

Tabea Blumenschein Künstlerin
Ergül Cengiz Künstlerin
Burcu Dogramaci Kunsthistorikerin
Philipp Gufler Künstler
Hilka Nordhausen Künstlerin
Rabe perplexum Künstler*in
Mareike Schwarz Kunsthistorikerin
Angela Stiegler Künstlerin


LINK zu > MEHR

auf der Website www.lothringer13.com

Titelcollage: Veranstalter


Abschließend: Ich habe es fertig gebracht, über ein Jahrzehnt neben dem Bayerischen Nationalmuseum zu leben, ohne es jemals zu betreten!!! Ergab sich irgendwie nie, zumal ich ja täglich hätte hingehen können … Ähnlich verhielt es sich bis jetzt mit dem Kunstraum Lothringer13. Ich schreibe lieber nicht, wie lange ich schon einen Hinterhof weiter wohne, wusste aber immer schon – soviel zu meiner Entschuldigung 😉 – dass sich eines Tages DIE Gelegenheit finden würde, die mich in diese Heiligen Hallen zieht. Und so ist es nun gekommen …. 😉

auch dank der Schwerpunkte Subkultur und 80ies, in denen ich, als damals eingefleischter Jazz-Fan, die Bildende Kunst und ihre Münchner Szene damals total verpasst habe 😦
Daher lasse ich mich jetzt gerne von Vertreterinnen und Vertretern der Next Generation auf Zeitreise in meine eigene Münchner Vergangenheit und Jugend beamen.



Veröffentlicht von Gaby dos Santos

GdS-Blog, Bühnenproduktionen (Collagen/Historicals), Kulturmanagement/PR > gabydossantos.wordpress.com

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