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„Oma bitte hilf mir!“ – Erfahrungsbericht zu den grassierenden Trickbetrügereien skrupelloser Banden sowie Tipps der Polizei

Meine Mutter ist eine kluge, belesene, lebenserfahrene Frau, kurzum das Gegenteil des „leichtgläubigen Muttchens“, das man sich gemeinhin als ideales Opfer von Trickbetrügereien vorstellt.

– Aber sie ist auch eine liebende Großmutter …
Als sie daher vor einiger Zeit einen Anruf bekam, der zunächst vorwiegend aus Schluchzen bestand, schaltete sich bei ihr – natürlicherweise – der Verstand aus und der Panik-Modus ein. „Marika, bist Du es?“ – „Ja, Oma …“ Bis heute könnte meine Mutter schwören, dass die Stimme exakt wie die meiner Tochter klang. Wahrscheinlich lag das daran, dass die Anruferin ihre Sprache nur fragmentarisch einsetzte und das Schluchzen dominierte. Schrittweise wurde meiner Mutter gegenüber ein Schreckensszenario skizziert, dem nach meine Tochter jemanden totgefahren habe und nun beim Staatsanwalt säße. Dieser fordere von ihr umgehend eine Kaution von 10.000 €, ansonsten würde man sie postwendend in den „Knast“ überstellen. Mit letzterer Wortwahl beging die ansonsten so geschickte Betrügerin einen ersten, entscheidenden Fehler, denn das Wort „Knast“ entsprach nicht der Ausdrucksweise meiner Tochter und holte meine Mutter ein stückweit zurück in die Sachlichkeit: Sie übergab den Hörer meinem Vater. Der verlangte, sofort mit dem Staatsanwalt zu sprechen, worauf die Anruferin erneut meine Mutter zu sprechen verlangte. Als ihr das verweigert wurde, legte die Fake-Enkelin auf. Meine Eltern wählten danach gleich die 110 und informierten die Polizei von dem Vorfall.

Ende gut, alles gut? Beileibe nicht! Meine Mutter befand sich weiterhin in einem Zustand großer Erregung, versuchte vergeblich meine Tochter zu erreichen, begann wieder zu paniken und rief schließlich mich an. Es brauchte dann noch einige Zeit, bis endlich meine Tochter selbst Entwarnung gab. Inzwischen fühlte sich meine Mutter vollkommen erschöpft, während ich innerlich überkochte:

Was für eine besonders perfide Masche, die auf die Sorge liebender Menschen setzt und sich dabei gezielt auf die Vulnerabilität von SeniorInnen fokussiert, die zudem solcherart existentieller Aufregungen am aller wenigsten vertragen!

Vor diesem Hintergrund lief die Polizeitruppe, die mich heute zufällig in Harlaching ansprach, bei mir sperrangelweit offene Türen ein: Nachdem sich in diesem gut situierten Viertel, aber auch in anderen Teilen Münchens, in letzter Zeit wieder Fälle von Trickbetrug gehäuft hatten, hat die

Polizeiinspektion 23
Chiemgaustraße 2
81549 München

Tel. 089/69 345-0

eine erneute Kampagne gestartet, um diesem kriminellen Treiben ein Ende zu setzen. In Apotheken, Arztpraxen etc. sowie an einzelne Bürgerinnen und Bürger verteilen Polizeibeamte Flyer, in denen die Bevölkerung detailliert gewarnt wird, aktuell insbesondere vor der Raubdezernat-Masche, bei der falsche Polizeibeamte Geld und Wertgegenstände bei Opfern einsammeln, um diese angeblich in Sicherheit zu bringen.

In diesem Zusammenhang baten sie mich um ein Foto, um ihre Aktion im Polizei-Magazin zu dokumentieren. Ich wiederum bot an, die Kampagne über meine Social Media Kanäle weiterzuverbreiten und habe bei der Pressestelle in der Ettstraße nach weiterem Material respektive weiterführenden LINKS angefragt, denn:

Was mich besorgt, ist die Tatsache, dass sich, trotz wiederholter Berichterstattung in den Medien und vielfältiger Anstrengungen der Polizei-Pressestellen, offensichtlich noch immer genügend Opfer für diesen gewerbsmäßigen Bandenbetrug finden, um ihn in großem Stil weiter zu betreiben, mit geschulten Lockvögeln. Diese – im Verhältnis – kleinen Rädchen im verbrecherischen Großgetriebe gelingt der Polizei hin und wieder zu verhaften, im Gegensatz – leider – zu den Köpfen der Banden, die vorwiegend im Ausland und somit quasi unerreichbar verortet sind, wie mir heute Polizeihauptmeister Johannes Kühler (Foto) erläuterte.

Die wichtigsten Tipps der Polizei, um nicht Opfer von Trickbetrug zu werden:

  • Die Polizei nimmt nie Ihre Wertgegenstände in Verwahrung!
  • Wenn Sie sich nicht sicher sind, wählen Sie den Notruf 110.
  • Beenden Sie dabei das vorher geführte Gespräch mit dem Anrufer, indem Sie die AUFLEGETASTE drücken, da Sie sonst erneut bei den Betrügern landen.
  • Sprechen Sie am Telefon nie über ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Deponieren Sie weder Geld noch Wertsachen auf Grund einer Anweisung des angeblichen Polizeibeamten vor dem Haus oder der Wohnung.
  • Übergeben Sie nie Geld oder Wertsachen an Unbekannte!
  • Polizeibeamte in Zivil sind verpflichtet, sich auszuweisen.
  • Klären Sie Ihre lebensälteren Familienangehörigen, Nachbarn und Bekannten auf.
  • Veranlassen Sie die Löschung Ihres Telefonbucheintrags.
    – Die Betrüger wählen ihre Opfer nach „älter“ klingenden Vornamen aus –
Quelle der obigen Tipps ist ein Flyer der Polizeiinspektion 23


Veröffentlicht von Gaby dos Santos

GdS-Blog, Bühnenproduktionen (Collagen/Historicals), Kulturmanagement/PR > gabydossantos.wordpress.com

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