Vom Sublimieren einer Tragödie: Markus Wössner und seine Benefiz-Aktion „KUNST FÜR KRISTI“, zugunsten von Schulkindern in Nepal

​Am 22. August 2002 brechen die Bergmassive Nepals sinnbildlich in die Idylle des bayerischen Voralpenlands ein: Eine bayerische Reisegruppe sei im Himalaya abgestürzt heißt es in den Nachrichten. Eine Katastrophenmeldung, wie man sie jeden Tag hört, mit dem Gänsehaut-Faktor eines Dramas, das stets nur „die Anderen“ trifft … Normalerweise. Anders an diesem Sommertag vor bald zwanzig Jahren, als sie eine Familie am Chiemsee aufschreckt, denn Renate, die Tochter und Schwester, befindet sich gerade mit ihrem Mann auf einer Tour durch Nepal. Instinktiv ahnt die Mutter die sich abzeichnende Tragödie, während Sohn Markus noch zu beschwichtigen versucht. Doch bald wird aus böser Ahnung Gewissheit, telefonisch auf Anfrage bestätigt durch einen Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes. Dieser, überfordert bis an die Grenze zur Pietätlosigkeit, bringt nicht mehr als ein „Ja“ zum Ausdruck, zwei Buchstaben, die der Familie vorerst genügen müssen, das eigentlich Unfassbare irgendwie zu realisieren. Es folgt der unvermeidbare Sturz ins seelisch Bodenlose und die Suche nach einem Sinn hinter dem Unbegreifbaren: Auf Grund der schlechten Sichtverhältnisse war die Maschine zu tief geflogen: gerade einmal 17 Meter!

Gedenktafel in Nepal für den Flugzeugabsturz a 22.8.2002 der Shangrila Air Maschine.
Unter den Opfern befanden sich auch Markus Wössners Schwester Renate mit Ehemann Mann Rainer Rockstroh

Nur 800 Meter von der Absturzstelle entfernt, erhielt die Tragödie dann doch einen Sinn: Drei Jahre nach dem Unglück – und einigem an zähem Ringen – konnte mit Geldern des Veranstalters sowie der Airline, eine Schule gebaut werden, nicht zuletzt dank des Engagements von Renates Familie. Dieses Bildungsprojekt für nepalesische Kinder aus prekären Verhältnissen führt Markus Wössner bis heute fort, unter dem Namen Gold für Kristi, dem Stellenwert entsprechend, den er, als Sohn und Bruder einer Lehrersfamilie, dem Faktor Bildung zumisst und angetrieben von dem festen Vorsatz: Aus Unglück soll Glück werden!

2005 wurde zudem vor Ort ein Stupa, eine buddhistische Stein- und Gebetsstätte, zum Gedenken an die 17 Opfer errichtet.

Das Spendenprojekt knüpft da an, wo der Stupa seinen Sitz gefunden hat – auf dem Pausenhof der Schule

Markus Wössner – Gold für Kristi

Längst ist es Markus Wössner gelungen, seinen Vorsatz umzusetzen und Unglück in Glück zu verwandeln; doch wollen Glück und dito ein solches Schulprojekt auch erhalten werden
Das erfordert Einsatz ohne Ende, wie er eindringlich 2011 in einem Artikel schildert:

(…) dennoch sind die Nöte nach wie vor groß. Fast zu groß. Die Schülerzahl schwindet, Reparaturmaßnahmen drohen, da Wasser in den Monsunmonaten in die Klassenzimmer läuft! Die Betondecke, die endlich über das gesamte Schulgebäude errichtet werden soll, verschlingt zu viel Geld – deutlich mehr als wir überreichen können. (…)

> EINE SCHULE IM HIMALAYA – Nepal Dez 2011, M. Wössner

Eine Erkenntnis, die der umtriebige Unternehmer inzwischen derart verinnerlicht hat, dass sie omnipräsent als Motor im Hintergrund mitschwingt und Markus zu immer neuen, pfiffigen Fund Raising Ideen inspiriert.

  • Dazu ein hochgelungener Artikel des „echo“-Wochenblattes, Ende Juli 2021:
    Teil eins und Teil zwei hier im Download…
Ideen ohne Ende, um Geld für das Kristi-Schulprojekt zu sammeln: Markus Wössner, rechts mit „seinen“ Schulkindern in Kristi/Nepal, s. auch u. EINE SCHULE IM HIMALAYA

Durch seine Kreativität gelingt es Markus, unterschiedlichste Lebensbereiche und Situationen symbiotisch, im Sinne seines Benefizprojektes zu verbinden, so verschieden sie auf ersten Blick auch anmuten mögen: Der studierte BWLer und Marketing-Fachmann hat mit seinem Unternehmen Chiemgau-Biking seine Leidendschaft für das Fahrrad, insbesondere für das Moutain-Biking zum Beruf gemacht, den er wiederum in sein Benefiz-Projekt einfließen lässt, im Rahmen von Aktionen, wie kürzlich das Everesting, im Schulterschluss mit dem Garchinger Verein Radeln und Helfen.

Aktuelle Aufnahme von Markus Wössner im Radl-Outfit

Mit dem Rad auf den Mount Everest

Einen Radweg gibt es nicht auf den Mount Everest, wozu auch. Aber eine Benefizaktion, die mit Radeln und dem höchsten Berg der Welt zu tun hat:

„Everesting“ ist eine Herausforderung für Profis, aber auch Freizeitradler können mitmachen.

Wer schafft 8.848 Höhenmeter an einem Tag? Das ist das Ziel

… so viele Höhenmeter zu schaffen, wie der höchste Berg der Welt misst. Dabei werden Spenden für Kinder aus Nepal gesammelt.
(…)

(Bayerischer Rundfunk / 21.06.2021)

Im Klartext bedeutete das für die Teilnehmer, die Kampenwand in den Chiemgauer Alpen so oft hinauf und wieder hinunter zu radeln, bis rechnerisch die Höhe des Mount Everest erreicht war, was einige Radfahrer an einem Tag im Alleingang schafften, andere zumindest im Team, nach Addition aller Einzelleistungen 😉

Wacker! Die Kampenwand so oft bezwingen, wie der Everest hoch ist ..!

Aus dem langfristigen Spendenprojekt Gold für Kristi hat sich die Aktion KUNST für Kristi herauskristallisiert, mit SpitzensportlerInnen konzipiert an der Schnittstelle zwischen Kunst und Sport. Diese führte 2019 schließlich auch mich mit Markus zusammen. In der Pressemitteilung auf gold-fuer-kristi.de heißt es dazu:

Mit der Künstlerin Andrea Matheisen gewannen wir die Möglichkeit, ein ausgiebiges Charity-Versteigerungsprojekt umzusetzen. Vier von elf ganz besonderen Bronze-Skulpturen sind bereits fertig und warten auf eine Versteigerung. Drei weitere sind aktuell in Arbeit. Und wir suchen nun noch bis zu drei weitere Skulptur-Materialfinanziers und bedanken uns hochachtungsvoll bei bereits acht Bronze-Skulptur-Sponsoren. Unter anderem sind wir froh und von Glück erfüllt, die ALLIANZ-Kulturstiftung International gewonnen zu haben.
100% des Versteigerungs-Reinerlöses fließen unserer Schule zu!

Abbildungen einiger der SportlerInnen-Skulpturen für die Versteigerung
im Rahmen einer „KUNST für Kristi“ Gala

Skulptur II: Die Hand des Sprinters
Bronze 2017,[Erwerb ü. Projekt-Patenschaft zum Wohle des Gesamtprojektes möglich]

Andrea Matheisen: Die Hand, die das hintere Bein zurück hält, ist leicht goldfarben poliert. Die Figur hält den Kopf ganz leicht und zögerlich zur Seite, weil sie spürt, dass da etwas an ihrem Bein passiert…
( Möglicherweise verhindert die Hand einen Sieg – oder der Sprinter sieht diese Erschwernis als Herausforderung, und denkt: Jetzt erst recht!!

Quelle: Markuss Wössner auf Facebook

Weitere der insgesamt elf Skulpturen von Andrea Matheisen

Der Griff nach den Sternen, Bronze 2018,
Ralf Sonn, der 7fache dt. Meister im Serien-Hochsprung beim Versuch, Weltrekord zu springen
DER Wurf des Olypiasiegers,
Bronze 2018,
Klaus Wolfermanns Wurf zum Olympiasieg 1972 in München
Radsportlerin Kerstin Brachtendorf

Das hätte der engagierten Lehrerin Renate gefallen: Nahe der Stelle, wo sie bei einem Flugzeugabsturz in Nepal starb, unterstützt ihr Bruder eine Schule. Er hat mit seinem Projekt „Gold für Kristi“ Großes vor, und das mit prominenter Unterstützung aus dem Spitzensport.

Jürgen Hingsen, ehemaliger Champion im Zehnkampf und Teil des Projekts Kunst für Kristi

Zur Skulptur des ehemaligen Spitzensportlers Edgar Itt schreibt Markus Wössner:

Eine Hommage an Edgar Itt: Er war einer der schnellsten Hürdenläufer der Welt und einer der erfolgreichsten Deutschlands. Deutscher Meister. Europa Cup-Sieger. Olympiamedaillengewinner. Als ehemaliger Spitzensportler weiß Edgar Itt – Träger des Silbernen Lorbeerblatts – was es bedeutet, ständig an sich selbst zu arbeiten. Um Ziele zu erreichen. Um Erfolg zu haben. Um sich beruflich wie persönlich selbst zu verbessern. Edgar ist einer von 10 Botschaftern im Projekt KUNST für Kristi.

Skulptur des Hürdenläufers Edgar Itt (u.a. dt. Meister)


Und weiter: Faszinierende Arbeit von Andrea Matheisen, München.Skulptur, von privat gesponsert, selbstlos von Andrea erstellt, zum Wohl von Kindern konzipiert, am Tage x für höhere Ziele zu versteigern!
GOLD für Kristi

Über Edgar Itt kam auch Sängerin und Coach Ariane Roth in Kontakt mit dem Projekt und wird ebenfalls als Botschafterin, mit einer Skulptur sowie musikalisch das Projekt vertreten.

Ich möchte helfen, dass auch und vor allem die Versteigerung selbst ein abschließend voller Erfolg wird.

Ariane Roth

Sie sprach daher wiederum mich an, ob ich mir vorstellen könnte, das Projekt mit PR und durch meine Kontakte voranzubringen, insbesondere was die geplante Versteigerung der Skulpturen betrifft. Bei einer Vernissage des Fotokünstlers Dirk Schiff machte mich Ariane schließlich mit Markus Wössner persönlich bekannt. Da es sich bei beiden Persönlichkeiten um Menschenfänger erster Güte handelt, sagte ich umgehend meine Unterstützung zu, zumal Markus Begeisterung in Bezug auf seine Benefiz-Aktionen höchst ansteckend wirkt …

V.l.: Gaby dos Santos, Markus Wössner/Gold für Kristi, Ariane Roth (Botschafterin KUNST für Kristi)
Munich meets New York – Vernissage von Dirk Schiff im Le Méridien München, 9. September 2019
Copyright: Hannes Magerstaedt – hannes@magerstaedt.de – Tel.01728178700

Eigentlich planten wir, bereits ab Frühjahr 2020 konzeptionell detaillierter in KUNST für Kristi einzusteigen, das in eine Gala münden soll, bei der die Skulpturen versteigert werden. Leider hat uns die Corona-Pandemie den Zeitplan gründlich durcheinander gewirbelt, so dass ich erst im August dieses Jahres Markus in seinem Domizil in Bernau am Chiemsee besuchen konnte.

Während mein Enkel (obiges Foto rechts) zu einer ausgedehnten Radl-Tour aufbrach, erzählte mir Markus alles Wissenswerte über Gold für Kristi, KUNST für Kristi sowie die tragischen Ereignisse, die zu seinem Engagement in Nepal geführt hatten.

Die Connection Chiemgau-Nepal-Chiemgau: Markus und Petra Wössner beim Mountain Biking im Himalaya

Während Markus berichtete und ich nachfragte, fuhr er mich in seinem Lieferwagen rund um den Chiemsee, die Berge stets im Hintergrund – so dass sich Zeit und Raum mitunter aufzulösen und die Massive des Himalaya plötzlich zum Greifen nahe schienen – ebenso wie die Schicksalhaftigkeit des DaSeins, die ich normalerweise durchaus erfolgreich verdränge …

Einer von Markus Posts hat mich besonders berührt. Darin schreibt er:
Vorgestern fiel mir dieses Bild in die Hände: mein kleines, großes Schwesterchen auf dem Hinflug nach Jomsom. Der Rückflug am 22.08.2002 war der Fatale… Ein Flug ohne Wiederkehr auf einer sicherlich gelungenen Reise…

Vermutlich haben wir alle ein Exitdatum aus diesem Leben. Gut, dass wir nicht wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist… Also lasst uns das Leben demütig und schönstmöglich in Güte leben. Lasst uns gleichzeitig kümmern um diejenigen, die weniger Glück haben…

Lasst es uns schätzen, mit denen zu leben, lieben und zu lachen, die wir ins Herz geschlossen haben…

La vita è bella… Macht jeden Tag golden!!

www.gold-fuer-kristi.de

Spendenkonto:
Radeln und Helfen e.V. / www.radelnundhelfen.de
IBAN: DE45710610090001886550
BIC: GENODEF1AOE
Verwendungszweck: Schulprojekt Kristi


Titelbild: In ein Foto von Markus Wössner mit den bislang angefertigten Skulpturen von Andrea Matheisen ist das Logo des GdS-Blogs montiert, die stets beobachtende Theatermaske mit einer Perlenträne im Augenwinkel


Veröffentlicht von Gaby dos Santos

GdS-Blog, Bühnenproduktionen (Collagen/Historicals), Kulturmanagement/PR > gabydossantos.wordpress.com

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