Foto-Retrospektive von AZ-Stadtspaziergänger und Fotograf SIGI MÜLLER zu den Lichtinstallationen am Holocaust-Gedenktag der Münchner Sinti & Roma sowie seine AZ-Kolumne 29.3./Au-Haidhausen

Titelbild: Projektion eines Fotos (vermutlich von 1934) von Josef Maria Schneck (1930 – 1944), auf der Außenfassade des NS-Dokumentationszentrums in München, fotografiert am 13.3.2021 von > Sigi Müller.

Um die Projektionen an der Außenfassade des NS-Dokuzentrums fotografisch einzufangen, die an den Holocaust der Münchner Sinti und Roma erinnerten, bedurfte es ausgeprägter Feinfühligkeit, gepaart mit sehr solidem handwerklichem Können, zumal die Fotos in der kurzen Zeitspanne zwischen Tageslicht und Dunkelheit entstehen mussten, um auch das Gebäude zu erfassen. Daher wandte ich mich an Fotograf und AZ-Kolumnist Sigi Müller.

Dieser begab sich also, statt auf einen Stadtspaziergang, diesmal auf eine bedrückende Zeitreise in eines der dunkelsten Kapitel unserer Stadtgeschichte, zu der die stürmischen Wetterverhältnisse und der bereits bei Tag verhangene Himmel passten. Entstanden ist dabei eine Fotodokumentation, die einmal mehr belegt, wie ein Bild imstande ist, mehr auszudrücken, als die berühmten 1000 Worte … In diesem Fall die Tragik, die sich mit dem Schicksal jener Münchner Sinti & Roma verbindet, die am 13.3. 1943 aus unserer Stadt deportiert wurden.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist 2021_03_13_sinti_roma_stilles-gedenken_livestream_ns-dokumentationszentrum-1-edited.png.
Titelcollage zu meinem Beitrag am 13.3. >
Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma

Das, was MitbürgerInnen einst an Unrecht angetan wurde, überträgt Sigi Müller in vorliegender Foto-Sequenz auf unsere Gegenwart, in das Niemandsland der „blauen Stunde“, zwischen Tag und Nacht, Schein und Sein, gestern und heute: Das Licht von Auto-Scheinwerfern und Straßenlaternen kontrastiert die brüchige Idylle alter Familienfotos, projiziert auf die Fassade des NS-Dokumentationszentrums, die als steinerne Leinwand irritierend glatt erscheint, angesichts des Sterbens, von dem Todesdaten in weißen Lettern künden, hinein in die aufkommende Nacht, immer wieder, sogar vom Auslöschen einer kompletten Familie, umsäumt von noch kahlen, heutigen Ästen. Dann wieder blickt ein Junge voller Lebensneugier vom jetzt dunkelviolett eingefärbten Gemäuer in eine Zukunft, die vielleicht schon hinter ihm liegt. Ebenso wenig ahnt ein anderer Junge, auf den Knien seiner Mutter, was ihm bevorsteht, als eines der menschlichen Versuchskaninchen des Dr. Mengele in Auschwitz … Ich hingegen habe, während ich die ProtagonistInnen in Schwarzweiß auf Sigi Müllers Fotos betrachte, ihnen allen ein Wissen voraus, das mich erschüttert, weil es deren Arg- und Wehrlosigkeit noch betont: Ich kenne ein entscheidendes Stück Zukunft mehr als sie …

Da ich in meiner Dokumentation zum 13.3.2021: Gedenken an die Deportation der Münchner Sinti und Roma aus Platzgründen Sigi Müllers Fotos nur kleinformatig veröffentlichen konnte, bilde ich sie nachstehend nochmals einzeln und in größer ab, denn solcherart Momentaufnahmen verlangen nach einem zweiten Blick – und nach weiteren mehr, aus künstlerischen wie auch aus historischen und humanitären Gründen.

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Lichtinstallation zur kurzen Vita von Eduard Herzenberger; der 18jährige Sinto wurde in Stadelheim wegen Bagatelldelikten als „Volksschädling“ hingerichtet

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Ein Münchner Sinto-Junge

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Komplett ausgelöscht durch den Holocaust: Die 7köpfige Münchner Sinti Familie Held

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Bild aus glücklicheren Tagen einer Münchner Sinti-Familie, vor dem Holocaust

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Adelheid Bamberger – Ein Schicksal verliert sich im Dunkeln …

NS Zentrum Lichtinstallation Sinti Roma München 13.3.21 Foto Sigi Müller
Die Familie Höllenreiner war die größte der deportierten Münchner Familien; bei dem kleinen jungen auf dem Schoß handelt es sich um Peter Höllenreiner, der mit seinem Bruder Hugo das „Zigeunerlager“ in Auschwitz überlebte.

Schwer fällt mir jetzt, eine Überleitung zu den regulären AZ-Stadtspaziergängen Sigi Müllers zu finden, aber solcherart Kontraste machen das DaSein ja auch aus …


Angesiedelt in einer Art Niemandsland zwischen Gegenwart und Vergangenheit war auch Sigi Müllers Kolumne von vergangener Woche:

Kein Zug nach Nirgendwo

AZ von Dienstag, 23.3.2021, Fotos/Text: Sigi Müller
Gebaut, kurz benutzt und dann vergessen: Der alte Olympia-Bahnhof (Oberwiesenfeld) verrottet zu dem wohl bekanntesten „Lost Place“ in der Stadt

Aktuell hat es ihn nach Au-Haidhausen, „meinem“ Viertel, verschlagen:

Vergessenes Eckerl im Wandel

OBERE AU: Hier, an der Schnittstelle zu Haidhausen, hat der Stadtspaziergänger echte Raritäten, aber auch ganz schön viel Neues entdeckt

Montags ist in der Regel Zeit für einen Streifzug via Bild und Text durch München, mit AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller. So auch heute wieder!

Unter dem Titel „Licht und Schatten überm Gleis“ lädt der Fotograf und Kolumnist die AZ-LeserInnen diesmal zu einer Tour über den jüngst fertiggestellten Arnulfsteg und erläutert dabei seine Wahl der Schwarzweiß-Fotografie als Mittel seiner Wahl für diese Bilderstrecke, die mich persönlich vom Aufbruch in die Ferne träumen lässt …

Ach ja, und an die Einsicht von Radl-Rambos appelliert unser Stadtspaziergänger auch, was wirklich nicht schaden kann, zumal die Route über den Arnulfsteg eher genossen als durchrast werden sollte 😉


Mehr zu Sigi Müller:

Sigi Müller
Sigi Müller, Fotograf und „Stadtspaziergänger“ der AZ

> www.augenblick-fotografie.com



Veröffentlicht von Gaby dos Santos

GdS-Blog, Bühnenproduktionen (Collagen/Historicals), Kulturmanagement > gabydossantos.wordpress.com

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